Dienstleister Fürsorge mit Herz

Helfen, wenn eine Auszeit nötig ist

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Die Lücke zwischen Pflegediensten und familiärer Hilfe möchte ein neuer Dienstleister schließen, die Fürsorge mit Herz GmbH. Deren Mitarbeiter wollen pflegende Angehörige stundenintensiv entlasten, aber auch Familien, wenn etwa Mutter oder Vater ins Krankenhaus müssen. Die Kassenzulassung ist beantragt und wird Anfang September erteilt.

Wenn der klassische Pflegedienst kommt, muss es meistens schnell gehen, denn die Dienstpläne sind eng getaktet. Einkäufe, Kochen, die Begleitung zum Einkaufen oder Kulturveranstaltungen sind nicht drin. Oder auch die Entlastung pflegender Angehöriger, die sich Zeit zum Auftanken, etwa durch Nacht- und Wochenendbetreuung, nehmen möchten.

Diese Lücke haben Rainer Reubelt und Heidemarie Ziebe genutzt. Der Betriebswirt und die examinierte Krankenschwester haben die Firma Fürsorge mit Herz mit Sitz in der Nähe des Südbahnhofkreisels gegründet. Aktuell sind zwei Büromitarbeiter und vier auf Stundenbasis beschäftigte Betreuerinnen im Einsatz. Es gibt auch bereits Senioren, die betreut werden. Zudem befinden sich weitere Betreuerinnen in der Schulung.

Richtig losgehen wird es wohl ab September. Dann soll die Senioren- und Familienbetreuung die Krankenkassenzulassung erhalten. Doch schon zuvor, betont Ziebe, könne die Dienstleistung abgerechnet werden, und zwar aus dem Topf Verhinderungspflege. Das sind Gelder, die die Kassen pflegenden Angehörigen anbieten, wenn diese eine Pause machen möchten. Der Betrag liege bei 1612 Euro pro Jahr.

Ein weiterer Posten sind die Pflegesachleistungen bei eingeschränkter Alltagskompetenz, die trotz des Titels auch für Betreuungsaufwendungen genutzt werden können – je nach Pflegestufe monatlich von 231 bis 1995 Euro im Einzelfall. Am Anfang steht deswegen ein kostenloses Beratungsgespräch.

Die Idee zur Firma hatte Reubelt vor einem Jahr. Er machte einen Businessplan, fand eine Bank als Kreditgeber und rechnet mit einer Anlaufzeit von drei Jahren, bis sich das Geschäft im Umkreis von 15 Kilometer um Bad Vilbel amortisiere.

Doch die Rentabilität solle nicht im Vordergrund stehen, betont Ziebe. Egal, ob Eltern zu Hause ausfallen, ein Senior gerne zu kulturellen Angeboten möchte oder ein Demenzkranker betreut werden soll – stets solle die Entlastung der Familien „auf Augenhöhe“ erfolgen.

Die Mitarbeiter erhalten eine Schulung an vier Tagen mit je zwei Stunden, von Grundlagen der Betreuung bis zum Umgang mit Demenz. Eine stete Fortbildung soll Themen wie Sturzprophylaxe, sichere Wohnungen, medizinische Hilfsmittel und mehr umfassen. „Wir haben pro Woche sechs bis acht Bewerbungsgespräche“, sagt Ziebe. Die Betreuer würden nach ihren Qualifikationen gezielt eingesetzt, etwa, wenn zu kochen sei oder jemand in seiner Umgebung einkaufen oder ausgehen möchte. Die Betreuer sind auf 450-Euro-Basis tätig, aber nicht pauschal, sondern auf Abruf. Die Abrechnungen mit den Kassen übernimmt Fürsorge mit Herz.

Sie helfe im Gespräch mit der Krankenkasse oder auch dem Sozialamt, wenn es darum gehe, die Modalitäten zu klären, sagt Ziebe: „Wir wollen niemanden fallen lassen.“ Zudem sei die Hauswirtschaft auch als haushaltsnahe Dienstleistung anteilig steuerlich abzugsfähig.

Neben dem Aufbau eines Mitarbeiter-Pools ist Reubelt und Ziebe vor allem an einer Vernetzung gelegen. Es gab schon Gespräche mit dem städtischen Seniorenbüro. Weiter findet eine Korrespondenz mit Pflegediensten und Betreuungsvereinen statt, denn „wir wollen keine Konkurrenz sein“, betont Ziebe.

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