Fußball

FC Hessen hofft auf die Verlängerung

Underdogs beißen zu, Topfavoriten straucheln. Immer wieder. Der Pokal ist für seine eigenen Gesetze bekannt – vielleicht auch beim morgigen Bad Vilbeler Lokalderby.

Im März sah alles noch ganz anders aus. Die Fußballer des FC Hessen Massenheim steckten in der Kreisoberliga Friedberg zwar gehörig in der Klemme, doch Trainer Stefan Geppert war nach wie vor guten Mutes, die Abstiegsfalle ins Leere schnappen zu lassen. Gleichzeitig wurde wenige Kilometer entfernt noch verstohlen in Richtung Spitzenplatz in der Gruppenliga geblickt: Der SC Dortelweil kämpfte um seine letzten Chancen, noch einen Fuß in die Tür zum Aufstiegsrennen zu bekommen.

Die Realität drei Monate später: Massenheims „Hessen“ haben trotz eines phänomenalen Endspurts (inklusive Sieg bei Meister Türk. SV Bad Nauheim) den Klassenerhalt in der Relegation gegen TuS Rockenberg verpasst – es ging hinab in die A-Liga. Und Markus Beierles Dortelweiler spielen auch 2016/17 in der Gruppenliga.

Morgen Nachmittag (15 Uhr) führt das Los die beiden Bad Vilbeler Stadtteil-Clubs im Kreispokal zusammen. Vorab sprach FNP-Reporterin Simone Dittmar mit Massenheims Coach Stefan Geppert (32), dem morgigen Gastgeber.

Herr Geppert, haben Sie persönlich den Abstieg schon verwunden? Oder nagt der verpasste Klassenerhalt noch?

STEFAN GEPPERT: Der Abstieg tut nicht mehr ganz so weh, vielmehr bin ich stolz, wie wir uns am Saisonende präsentiert haben. Es war eine Herausforderung, die aber auch Spaß gemacht hat, gerade weil immer viele Zuschauer zu unseren Spielen kamen. Daher sehe ich das mittlerweile positiv, unsere Aufholjagd und die Sympathien, die uns dadurch von anderen Vereinen zugeflogen sind. In der Relegation konnten wir dann einfach nicht mehr an unsere Leistung aus der Rückrunde anknüpfen. Dadurch hat sich aber auch der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft verstärkt. Das Team ist zusammengeblieben, die drei Abgänge standen schon zur Winterpause fest.

Ihr Team erhielt sieben Verstärkungen, vier Spieler – einer davon wechselte in die vereinseigene Soma und steht auf Abruf bereit – sind dagegen gegangen. Das Gros der Mannschaft ist also geblieben. Benötigt der eine oder andere noch immer Zuspruch?

GEPPERT: Die Spieler haben alle betont, dass sie weitermachen wollen. Ich denke, dass auch sie nicht mehr der verpassten Chance hinterher trauern. Wir wollen nun nachhaltig arbeiten und die Jugend heranführen.

Fünf der sieben Neuzugänge rücken aus der eigenen Jugend auf. Dazu kommen mit Marco Höchst und Ihrem Cousin Leo Geppert zwei Mann aus der Ib. Wer von den sieben wird den Sprung schaffen?

GEPPERT: Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Bisher überzeugen alle Neuzugänge und ziehen gut mit. Sie werden sukzessive eingesetzt, um viel Spielpraxis zu bekommen. Unsere Eigengewächse Emil Vanselow und Sebastian Schloten fallen wegen mehrmonatiger Auslandsaufenthalte in Australien und Neuseeland zumindest bis zum Ende der Hinrunde aus. Jan-Simon Görtzen muss studienbedingt in die Schweiz. Wie lange er fehlen wird, ist noch nicht raus.

Offizielles Saisonziel ist es, oben mitzuspielen. Der direkte Wiederaufstieg ist also ein Thema?

GEPPERT: Wir müssen abwarten, wie wir in die Saison reinkommen. Obwohl wir breit aufgestellt sind, bin ich jetzt mit einer Prognose noch ein bisschen verhalten. Wie jedes andere Team auch, würden wir gerne soweit oben wie möglich mitspielen. Ich bin auch deswegen noch ein wenig reserviert, weil ich erst schauen muss, wie leistungsfähig unsere Gegner sind.

Wen erwarten Sie als Konkurrenten im Kampf um einen Spitzenplatz?

GEPPERT: Anhand der Testspielergebnisse zählt für mich der FC Nieder-Florstadt zum Kreise unserer Konkurrenten. Die SG Rodheim ist mir schon in der letzten Saison durch ihre junge Mannschaft positiv aufgefallen. Auch Dortelweil II und die SG Wohnbach/Berstadt könnten uns gefährlich werden.

Wie verlief aus Ihrer Sicht die Vorbereitungsphase? Wo klemmt es noch ein wenig, was funktioniert dagegen schon richtig gut?

GEPPERT: Wir haben in der Vorbereitung gut gespielt und viel gewechselt. Die mangelnde Chancenverwertung gilt es noch zu verbessern wie auch die Fitness der Spieler. Hierfür bleibt uns noch eine Woche Zeit, um daran zu arbeiten.

Morgen geht’s in der 1. Kreispokalrunde gegen Nachbar SC Dortelweil. Der spielt zwei Klassen höher und ist auch für Sie klarer Favorit?

GEPPERT: Absolut. Dortelweil spielt nicht nur zwei Klassen höher als wir, sie gehören auch zur Spitzengruppe der Gruppenliga. Nun bleibt abzuwarten, ob Trainer Markus Beierle seine Top-Elf aufstellen wird. Wir werden jedenfalls versuchen, unser Spiel zu spielen.

Auf eine misslungene Generalprobe folgt eine gelungene Premiere, heißt es. Die 2:5-Schlappe im Abschlusstest bei A-Ligist SV Oberdorfelden stimmt Sie also für morgen optimistisch?

GEPPERT: Das würde ich sofort unterschreiben, dann könnte ich der Testspiel-Niederlage am Donnerstag in Oberdorfelden auch etwas Gutes abgewinnen. Dennoch gehört der SC Dortelweil neben dem FV Bad Vilbel und Türk Gücü Friedberg für mich zu den drei Topteams der Wetterau.

Wen müssen Sie ersetzen?

GEPPERT: Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wird mir der komplette Kader zur Verfügung stehen.

Wie geht das morgige Spiel aus?

GEPPERT: Wir retten uns in die Verlängerung, und dann hängt es davon ab, wie fit wir sein werden.

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