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Die Anwohner aus dem Johannes-Brahms-Weg fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und verlesen in der Ortsbeiratssitzung eine Erklärung.

Anwohner sauer

Neuer Zoff um Pflege der Grünanlage im Kloppenheimer Weg

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Der Streit um die Pflege der Grünanlage des Kloppenheimer Wegs in Dortelweil-West kocht aufs Neue hoch. Einige der Anlieger haben nun im Ortsbeirat öffentlich eine Erklärung verlesen. Sie fühlen sich zu Unrecht angegangen.

Wer für seine Sache kämpfen will, der muss in Dortelweil Durchhaltevermögen haben. Das erleben die 19 Bürger, die am Mittwochabend ins Efzet-Forum zur Ortsbeiratssitzung gekommen. Sie alle wohnen im Johannes-Brahms-Weg in Dortelweil-West – und sind ohne eigenes Zutun in einen handfesten Nachbarschaftsstreit geraten.

Bevor sie sich dazu äußern können, beraten die Ortsbeiratsmitglieder zunächst mitunter langatmig über die Anträge zum Haushalt. Zweieinhalb Stunden vergehen, bis Jörg Gettke die Erklärung der 13 Familien vorlesen kann: "Die Art und Weise, wie alle Bewohner des Kloppenheimer Wegs unter Generalverdacht gestellt wurden, hat uns zutiefst betroffen gemacht."

Dass sich die Brahms-Weg-Anwohner wehren, ist ein neuer Höhepunkt im Streit um die Pflege der hinter den Grundstücken verlaufenden, öffentlichen Grünanlage des Kloppenheimer Wegs. Für dessen Pflege wie auch das Anpflanzen von Büschen und Bäumen sind die Anwohner zuständig – so war es schon bei der Erstbebauung geregelt. Der Kloppenheimer Weg ist eine beliebte Ost-West-Fußwegverbindung innerhalb des Stadtteils.

Anwohner führen Pflegepatenschaft sehr unterschiedlich aus

Die Pflegepatenschaft führen die Anlieger aber sehr unterschiedlich aus. In Höhe vieler Grundstücke ist der Park ordentlich, sind Büsche und Bäume geschnitten. An anderen Stellen aber ist das Areal verwildert. Und einige Flächen stechen heraus: Hier haben Anlieger die Parkfläche gekapert und ihrem Privatgarten zugeschlagen, mit Büschen abgegrenzt. Einmal ragt sogar eine Kirschlorbeerhecke mehr als zwei Meter hoch auf, direkt an den Fußweg angrenzend und teils auf diesen hineinwachsend.

Seit einigen Jahren kämpfen die Grünen im Ortsbeirat – allen voran Thomas Stoss – dafür, dass die Stadt ordnend eingreift. Auf diesen Druck hin hatte der für das Gartenamt zuständige Stadtrat Klaus Minkel (CDU) die 56 Anlieger angeschrieben. Nur 60 Prozent hätten sich zurückgemeldet, die auch mit sehr unterschiedlichen Aussagen. Mangels Klarheit und wegen der Überlastung des Gartenamts will Minkel das Thema daher bis nach dem Hessentag aufschieben (diese Zeitung berichtete).

Anwohner wollen nicht warten

Allerdings hat er einem Anwohner, der freiwillig anbot, einen Einigungsversuch in der Nachbarschaft zu wagen, grünes Licht gegeben. Bis Ende März sollten Ergebnisse vorliegen. So lange zu warten, hatte auch der Ortsbeirat erst im Dezember gutgeheißen.

Den Brahms-Weg-Anliegern aber stößt das auf. "Der zweite Brief von Herrn Minkel hat sehr viele verärgert", erklärt Anwohner Reiner Führer, "die auf den ersten Brief hin etwas getan haben". Die Anwohner des Brahms-Wegs wollten auch weiter die Pflege übernehmen und auch die nötigen Veränderungen machen, betont Jörg Gettke. Aber: "Es gibt bisher nur mündliche Absprachen", moniert Reiner Führer. "Genaue Vorgaben fehlen", was dort an Grün gewünscht sei.

Da helfe auch die Vermittlung eines Nachbarn nicht, betont Jörg Gettke. "Wir wollen das mit der offiziellen Stelle besprechen." Ein Gespräch und eine eindeutige Klärung mit dem Gartenamt fordern sie daher – und eben die schriftliche Vorgabe "Die Anwohner wollen etwas tun", betont Reiner Führer, "aber nichts unnötig herausreißen oder etwas Falsches pflanzen".

Dass wohl eine schriftliche Vorgaben her muss, scheinen alle Ortsbeiratsmitglieder einzusehen. "Mündliche Vereinbarungen sind problematisch, wenn sie vergessen oder nicht auf den folgenden Eigentümer übertragen werden", räumt Ortsvorsteher Herbert Anders (CDU) ein. Diese müsse dann für die Anlieger aller drei von der Paten-Regelung betroffenen Parkanlagen in Dortelweil-West gelten, findet Clemens Breest (Grüne).

Klaus Minkel: "Habe Besseres zu tun"

Stadtrat Minkel kündigt nun eine Begehung mit einem leitenden Mitarbeiter des Gartenamtes für Februar an. Er aber ist vor allem auf die Grünen sauer: Sie hätten die jetzige Situation ausgelöst. "Seit Jahrzehnten haben Anlieger Teile des Grünzuges in Pflege genommen, was in den weitaus meisten Fällen auch wunderbar funktioniert."

Er werde daher zunächst die Bemühungen des Anwohners abwarten. Städtische Aktivitäten aber blieben bis nach dem Hessentag verschoben. "Da ich derzeit ungleich wichtigere Projekte bearbeite", begründet Klaus Minkel dies, zumal er sich nicht "als Büttel der Grünen" verschleißen wolle. "Da habe ich Besseres zu tun."

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