Organisationsteam bezieht Büro

Der Hessentag als riesiges Puzzle

  • Thomas Kopp
    VonThomas Kopp
    schließen

Noch rund zwei Jahre und drei Monate haben die Planer des Bad Vilbeler Hessentages bis zur großen Eröffnung Zeit. Viel ist das allerdings nicht, wie der Hessentags-Beauftragte Claus-Günther Kunzmann einräumt. Denn die zu erfüllenden Aufgaben sind komplex.

Es ist ein gewaltiges Puzzle, das die Planer des Bad Vilbeler Hessentags 2020 zusammenzusetzen haben. „Das Puzzle dreht sich schnell, und viele Bausteine müssen wir erst noch finden“, sagt der Hessentagsbeauftragte Claus-Günther Kunzmann. Dann müsse man mit hohem Tempo schauen, wie die Teile zusammenpassen.

Im Hessentags-Büro im Rathaus arbeiten neben Kunzmann derzeit schon Samira Freitag und Svenja Kost. Während sich Freitag ausschließlich um Hessentags-Themen kümmert, hält Kost ihrem Chef Kunzmann auch in anderen Belangen den Rücken frei. Denn der Burgfestspiele-Intendant ist ja auch an anderen Orten gefordert. Sie führt Kunzmanns Terminkalender und organisiert die Abwicklung von Reparaturen an der Burg.

Die Burgfestspiele will er auch weiterhin leiten, sagt Kunzmann, auch wenn es „ziemlich eng“ werden könnte, und fügt lachend hinzu: „Sonst wäre es ja keine Herausforderung.“ Spannend wird es vor allem 2020, wenn die Festspiele zeitgleich zum zehntägigen Hessenfest stattfinden. „Die Burg wird ein Standort des Hessentags sein“, sagt Kunzmann überzeugt.

So könnten dort nachmittags Aufführungen im Festspielprogramm laufen, abends müsse man allerdings gegen den nachbarschaftlichen Geräuschpegel ankommen. „Mit Don Carlos ist das nicht zu machen.“ Eher mit der „Rocky Horror Picture Show“ zehn Tage so „richtig abfeiern“. Doch die Lizenz bekommt Kunzmann nicht, das Stück ist an die Alte Oper Frankfurt gebunden. Von der Größe her würde die Burg mit 700 Sitzplätzen dem „Hessen Palace“, einem Standardort der Hessentage, entsprechen. Es muss also nicht Theater sein, das während der zehn tollen Tage angeboten wird. Auch Konzerte könnten hier stattfinden.

Nur ein Schauplatz, beim anderen drängt die Zeit. Kunzmann macht klar: „Eine Teileröffnung von Kurhaus oder Stadthalle wird es nicht geben.“ Das Projekt soll komplett im Mai 2020 eröffnet werden und dann nutzbar sein. Platzt aber nur eine Ausschreibung und das Projekt verzögert sich, müsste man über einen Ersatzort nachdenken.

Viele Unwägbarkeiten

Nur eine von vielen Unwägbarkeiten, die Kunzmann und sein Team zu bedenken haben. „Wir befinden uns in einem zweieinhalb Jahre dauernden Prozess. Wir können viele Anfragen noch nicht fundiert beantworten. Und wir können nichts zusagen, was wir nicht halten können. Genauso wenig können wir etwas absagen, was wir später bereuen“, betont er.

Kunzmann verdeutlicht das an einem aktuellen Beispiel. So gibt es die Überlegung, die Ausstellung „Der Natur auf der Spur“ auf dem Gelände des Dottenfelderhofs unterzubringen. Jetzt tun sich viele Fragen auf: Kann der Dotti die Fläche dafür stellen? Wäre diese dann wegen zehn Tagen Festivität über zehn Jahre nicht mehr für den Demeter-Betrieb nutzbar? Wie schafft man einen Übergang von der Landesausstellung am Römerbrunnen zum Dotti? Bekommt etwa das Technische Hilfswerk dort eine Behelfsbrücke hin, die für die erwarteten Menschenmengen ausreicht? Und will die Staatskanzlei in Wiesbaden, Koordinator des Hessentags, die Ausstellung überhaupt dort haben? Viele Fragen sind vernetzt, sie haben Auswirkungen auf andere Bereiche. „Deswegen treffen sich unsere sieben Arbeitskreise regelmäßig, um diese Fragen aus allen Gesichtspunkten zu beleuchten“, erklärt Kunzmann.

Die Arbeitskreise bestehen aus den Themen Infrastruktur und Flächen, Finanzen und Vergaben, Sicherheit und Verkehr, Marketing, IT und Bürgerbeteiligung, Leitthema Kultur und Veranstaltungen, Blau-grün (Nidda und Streuobstwiesen) und Ökologie sowie Stadt der Quellen (Positionierung der Stadt). Viele Themen betreffen gleich mehrere dieser Arbeitskreise, „die Vernetzung ist deswegen absolut wichtig“. Doch Kunzmann und seine Gefährten wollen das Rad nicht neu erfinden. „Wir haben Standleitungen zu den bisherigen Hessentags-Städten“, beschreibt er den regen Austausch mit den Vorgängern Bad Vilbels. Die Staatskanzlei hat außerdem zu einem zweitägigen Seminar im August eingeladen, an dem sich die Hessentags-Städte austauschen.

Es geht um Flächen

Radio FFH hat beim „Heimspiel“ starkes Interesse an der Hessentags-Arena, auch Hassia stehe dem Fest und der Stadt sehr positiv gegenüber. Mit Rüsselsheim, dem Ausrichter des Hessentags 2017, erläutere man gerade die Arena. Die soll nach derzeitigem Stand Platz für 20 000 Menschen auf dem von Segmüller gekauften Areal an der Nordumgehung bieten. „Es geht dabei nicht nur um die Bühne, sondern um alle Bereiche, von Backstage bis zum Catering“, sagt Kunzmann. Auch müsse das Areal Schwerlastverkehr bei Auf- und Abbau aushalten und für die Arena ein Extra-Parkplatz vorgehalten werden. Um Dauerstau zu vermeiden, denkt Kunzmann hier über gesonderte Verkehrsführungen nach, außerdem über mehrere Ein- und Ausfahrten für den Parkplatz.

Parkplätze sind ein bestimmendes Thema in der jetzigen Planungsphase. Früher wurden einmal 15 000 gefordert, um den öffentlichen Nahverkehr zu fördern, könnten nun sogar 6000 bis 8000 ausreichen. Mit den Landwirten und anderen Besitzern ist man im Gespräch. Nach der diesjährigen Ernte sollen die Flächen eingeebnet und mit Gras eingesät werden. Zwei Wachstumsperioden sind nötig, um genug Stabilität als Parkplatz zu bieten.

Bei Dauerregen reicht das aber wohl trotzdem nicht aus. Auch an Wochenenden können Reserven nicht schaden. „Deswegen sprechen wir auch mit Firmen und Schulen, ob wir deren Parkplätze am Wochenende und am Feiertag nutzen können.“

Für Kunzmann geht es nur Schritt für Schritt voran. Um auch weiterhin möglichst alle Standpunkte bedenken zu können, hat er aber schon einmal „laut gebrüllt“. Denn er hat alle möglichen Behörden informiert, dass Bad Vilbel 2020 den Hessentag ausrichtet. Somit können sich diese jetzt schon Gedanken machen können, wo sie eventuell einhaken müssen. „So ist der Hessentag.“ Ein riesiges Puzzle.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare