Vorwurf der Volksverhetzung

Hetzparolen legen Vilbus lahm

  • Thomas Kopp
    vonThomas Kopp
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Rassistische Schmierereien sorgten gestern für Aufregung bei Benutzern der Vilbus-Linie. Und auch beim verantwortlichen Angestellten der Stadtwerke.

Eigentlich ist Marc Hebbel, bei den Bad Vilbeler Stadtwerken für den reibungslosen Betrieb der Vilbus-Linien zuständig, ein besonnener Zeitgenosse. Doch gestern war er auf 180. Bei ihm lief das Telefon heiß, weil es eine unrühmliche Premiere gab.

Seit 2010, als die First Group Rhein-Main-Neckar den Betrieb der Bad Vilbeler Stadtbuslinie übernommen hat, musste Hebbel nie die Polizei wegen Sachbeschädigungen kontaktieren. Ein Los, das vermutlich viele andere Busbetreiber nur allzu gerne teilen würden. Doch gestern war es dann soweit. Auf der Linie 64, die Dortelweil mit der Kernstadt verbindet, fielen den Fahrgästen Schmierereien der übelsten Art auf, quer über die gesamte Sitzbank. Deren Inhalt war zutiefst menschenverachtend und verherrlichte den Nationalsozialismus. Einige Fahrgäste kontaktierten sofort die Stadtwerke. Und Hebbel reagierte prompt: „Glücklicherweise haben wir Ersatz, so dass wir den betreffenden Bus sofort aus dem Betrieb nehmen und ein Reservefahrzeug einsetzen konnten.“

Der Bus wurde bereits gestern gereinigt, so dass er schnell wieder zur Verfügung stehen kann. Außerdem hat Hebbel die Polizei informiert. Die soll nun nicht nur wegen der Sachbeschädigung ermitteln, sondern auch prüfen, ob Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet werden kann.

Hebbel konnte angesichts der ihm übermittelten Fotos von den Sachbeschädigungen nur mit dem Kopf schütteln. „Das habe ich in dieser Form noch nicht erlebt“, sagte er. Konnte er auch nicht, denn bislang gab es weder Schmierereien noch aufgeschlitzte Sitzbänke oder ähnlichen Vandalismus. An sich kein Wunder, denn seit die First Group aus Speyer den Betrieb übernommen hat, dürfte jeder Fahrgast wissen, worauf er sich einlässt, wenn er sich für eine Fahrt mit dem Vilbus entscheidet.

Denn das Unternehmen überwacht das Geschehen im Bus per Kamera. „Darauf weisen wir auch ausdrücklich hin“, schildert Hebbel. Er kennt die rechtlichen Grundlagen, ist er doch auch Datenschutzbeauftragter der Stadtwerke. Jetzt geht es darum, wann die Schmierereien angebracht wurden. „Ich habe sofort die Videokassetten angefordert. 72 Stunden dürfen die Aufnahmen aufbewahrt werden, danach werden sie überspielt.“

Hebbel hofft, dass die Beschädigungen frisch und den Fahrgästen zügig aufgefallen sind. Dann könne man die Täter überführen und so auch gleich ein Warnsignal setzen. Man sei schließlich ganz glücklich, dass die Vilbus-Linie bislang von Schäden verschont geblieben ist.

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