An der Dortelweiler Regenbogenschule werden die Schüler am Dienstag viel Zeit für Beschäftigungen jenseits des Unterrichts haben.
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An der Dortelweiler Regenbogenschule werden die Schüler am Dienstag viel Zeit für Beschäftigungen jenseits des Unterrichts haben.

Grundschullehrer streiken

Hier bleibt's am Dienstag leer

  • vonDieter Deul
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Der hessenweite Streik der Gewerkschaft GEW trifft auch zwei Bad Vilbeler Grundschulen. Dort wird es am Dienstag nur eine Notbetreuung geben.

Nach den Erziehern machen jetzt auch die Lehrer mobil. Auch dort hat sich sehr viel Unmut aufgestaut, der am Dienstag öffentlich gemacht werden soll. Aus ganz Hessen werden Gewerkschafter der GEW in Wiesbaden demonstrieren. Auch neun Grundschullehrerinnen der Dortelweiler Regenbogenschule und acht an der Saalburgschule werden sich an dem Streik beteiligen. Die Konsequenz teilte der Elternbeirat der Saalburgschule schon gestern früh mit: es werde nur eine Notbetreuung geben. An der Regenbogenschule sei die Betreuung der Schüler gesichert, heißt es seitens der Schulleitung.

„Die Eltern sollten das schon mitbekommen“, betont Stefani Schleyer, die an der Regenbogenschule unterrichtet und im Gesamtpersonalrat der GEW in Friedberg sitzt. Dort haben sich viel Enttäuschung und Ärger aufgestaut. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war der Tarifvertrag, mit dem Hessen seinen Angestellten im März stufenweise zwei und 2,4 Prozent mehr Lohn zusagte.

Doch das werde den verbeamteten Lehrern verweigert, ihnen eine 18 Monate lange Nullrunde verordnet. Hessen sei das einzige Bundesland, das die Tarifverträge nicht für Beamte übernehme. „Das ist eine dauerhafte Abwertung unserer Arbeit mit den Schülern im Unterricht.“

Hinzu komme, so Schleyer, dass Hessen seinen Lehrkräften als einziges Land 42 Pflichtstunden aufbürde, statt 40 oder 41. Auch liege die geforderte Unterrichtszeit mit 29 Stunden ebenfalls am höchsten. Das belaste die Pädagogen, denn zugleich hätten sie neben dem eigentlichen Unterricht immer mehr Aufgaben mit zu übernehmen: fördern, diagnostizieren, Konzepte entwickeln, Inklusionskinder betreuen, Flüchtlingskindern Deutsch lehren, die Ganztagsschule gestalten. Dazu komme noch die Fortbildung, die außerhalb der Unterrichtszeit stattfinde.

„Wir planen vor Ort keine Aktionen“, sagt Peter Zeichner, Vorsitzender des GEW-Kreisverbands Friedberg. Jedoch werden von Friedberg und Karben Busse zur Kundgebung in Wiesbaden organisiert. Er kritisiert, dass die Landesregierung Grundschulen und Oberstufen zwar zusätzliche Lehrerstunden zusage für Sprachförderung von Flüchtlingen und Inklusion, zuvor aber Stunden gekürzt habe. In einigen Bereichen falle die zugesagte 104-prozentige Lehrerzuweisung „auf unter hundert Prozent“. Zeichner räumt ein, dass das Streikrecht für Beamte „in der deutschen Gesetzgebung noch nicht gegeben“ sei. Dennoch sei das Streikthema in der Schwebe. Es werde vom Europäischen Gerichtshof gefordert, „die GEW greift da ein bisschen vor.“ Allerdings betont er auch: „Es bleibt bei eintägiger Arbeitsniederlegung.“

„Lehrer sind Beamte, und Beamte dürfen nicht streiken“, betont hingegen Rosemarie zur Heiden, die Leiterin des Staatlichen Schulamts für den Wetterau- und Hochtaunuskreis in Friedberg. Es handele sich dann um „nicht genehmigtes Fernbleiben vom Dienst“. Für diesen Tag würden keine Bezüge gezahlt. Man müsse sehen, ob weitere disziplinarrechtliche Maßnahmen zu ergreifen seien. Zunächst aber, betont zur Heiden, müsse jede betroffene Schule die Aufsicht über die Schüler sicherstellen.

Evelyn Neumann, die Schulleiterin der Saalburgschule, bittet die Eltern, ihre Kinder an diesem Tag nach Möglichkeit zu Hause zu lassen. Da das halbe Kollegium streike, sei ein Unterricht an diesem Tag einfach nicht möglich. Neumann räumt aber auch ein: „Ich hab’ dafür Verständnis.“

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