Türkisches Dampfbad in Bad Vilbel

Sie holen den Orient nach Vilbel

  • VonDieter Deul
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Tom Bollinger und Eva Zaher haben sich einen Traum verwirklicht. In ihrem alten Haus in der Feststraße haben sie einen Hamam, ein türkisches Dampfbad, und ein maurisches Café eingerichtet. Schon bald sollen dort geschlossene Gruppen einen Tagesurlaub im „Day Spa“, der Kurzzeit-Wellness-Oase, machen können – Massage und orientalische Snacks inklusive.

Dass es hier direkt in den Orient geht, sieht man dem unscheinbaren Wohnhaus in der Feststraße nicht an. Doch hinter dem Hoftor öffnet sich eine große Garagentür – und plötzlich steht man in einem mit rotem Samt ausgeschlagenen Café im maurischen Stil. Dafür wurde einfach der Hinterhof überdacht. Einige verwinkelte Meter weiter steht man in der Praxis des Chiropraktikers Tom Bollinger. Mittendrin eine riesige Liege, die sich als „Hydrojet“ entpuppt – eine sanfte Massage im Wasserbett, die selbst seine an Osteoporose leidende Großmutter vertragen habe, erzählt er.

Dann geht es weiter in die ehemalige Waschküche, die zum Hamam umgebaut wurde, jetzt aber erweitert werden soll. Bisher nur privat genutzt, steht dort noch ein weiteres Dampfbad, das der Erweiterung der Mini-Sauna weichen soll. Die Kacheln an den Wänden kommen aus dem Lieblingsreiseziel von Bollinger und Zaher, Tunesien. Sie stammen aus einer abgerissenen Moschee. „Wir haben die Orte, die wir schön finden, nach Bad Vilbel geholt“, sagt Bollinger. Das Café ist einer spanischen Pilgerherberge nachempfunden. Seit neun Jahren wandern die beiden ein Teilstück des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela.

Doch auch das Haus in der Feststraße bot den beiden einige Überraschungen, als sie das Anwesen 2011 erwarben. Einst habe es dem gebürtigen Vilbeler Konrad Dickhardt gehört, der Bezirksbürgermeister in Berlin wurde, sei über hundert Jahre alt, erzählt Zaher. Hinter einer Wand hätten sie 80 Einmachgläser entdeckt – und eine Destille zum Schnaps brennen. In den Fünfzigern sei dort ein Edeka-Laden gewesen, woran noch Durchreichen und ein Fleischerhaken erinnern.

Reichlich Lebenserfahrung

Eigentlich, erinnert sich Zaher, wollten sie ihren Hamam auf einem Preungesheimer Bauernhof verwirklichen, „doch dann hat uns der Bauer geärgert“, und sie zogen nach Vilbel. Die beiden Hamam-Liebhaber sind keine jungen Abenteurer, sondern haben reichlich Lebenserfahrung. Eva Zaher ist ehemalige Journalistin beim Hessischen Rundfunk, hat dort den Radiosender HR Info und auch die ARD-Börsenberichterstattung deutschlandweit aufgebaut. Aus jener Zeit habe sie gute Kontakte zu den Verantwortlichen aus der Finanzwelt, habe während der Finanzkrise wegen ständiger Anfragen des Senders nur drei Stunden nachts schlafen können.

Und dann gibt es noch die Geschichte von dem befreundeten Spitzenpolitiker, der sich in den Räumlichkeiten schon erholt habe. „Es gibt Leute, die können nicht öffentlich in einen Hamam gehen.“ Bislang steht die Wellness-Oase nur Freunden offen. Das Café soll schon im Frühjahr eröffnen, morgens und abends, für Pendler, die auf dem Weg zum Bahnhof einen Kaffee und einen Snack mitnehmen möchten. Die Nutzungsänderung für das Grundstück sei schon beantragt, drei Parkplätze müssten im Hof geschaffen werden, sagt Zaher. Der Hamam soll dann später angeschlossen werden.

Schon viele Anfragen

Chiropraktiker Bollinger hat viele Anfragen aus seinem Patientenkreis, darunter Handwerker, Feuerwehrleute, Rettungssanitäter, Makler, Banker, Ärzte. Doch da gibt es noch einiges umzubauen: Das Dampfbad weicht einer erweiterten Sauna, die in Richtung Salzgrotte erweitert werden soll. Es gilt, die baulichen Verbindungen zwischen Praxis, Café und Hamam so zu gestalten, dass alles separat erreichbar ist, Fluchtwege und Brandschutz gewährleistet sind.

Doch an einen freien Wellnessbetrieb sei nicht zu denken, sagen Zaher und Bollinger. 25 Leute passen in die Räume, doch man wolle sich auf Gruppen mit maximal acht Personen beschränken. Vielleicht, so Bollinger, organisiere er das als Verein oder auf Anfrage.

Als „Day Spa“, als Tagesurlaub, bei dem er einer Gruppe von Sportlern etwa ein Paket aus Sauna, Hamam, Ganzkörper-Peeling und Seifenschaum-Massage, anbieten würde. Dazu marokkanischen Minztee und Catering von einem 78-jährigen libanesischen Restaurantbesitzer, den Zaher aus Frankfurt kennt.

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