Burgfestspiel-Premiere

"Honig im Kopf": Ernstes Thema kurzweilig präsentiert

Viel Lachen, erschüttertes Schweigen und sogar eine Träne: Bei den Bad Vilbeler Zuschauern hat die Premiere von „Honig im Kopf“ am späten Samstagabend Emotionen geweckt. Die Geschichte des dementen Großvaters und seiner quirligen Enkelin ist heute aktueller denn je.

Dass das Thema Alzheimer ein brisantes ist, weiß Karin Pitz genau. Ihre Oma war an Alzheimer erkrankt, hat zum Schluss auch den Namen von Angehörigen vergessen. „Gerade in unserer heutigen, älter werdenden Gesellschaft ist das ein wichtiges Thema“, sagt sie. „Auch für die Angehörigen: In der Familie wird ja oft erst über frühe Anzeichen gelacht, doch mit der Zeit wird es nervig, dann belastend.“

Dass ihre Tochter Mascha Pitz das Thema als Regisseurin von Honig im Kopf für die diesjährige Burgfestspielsaison aufbereitet hat, macht Karin Pitz daher besonders stolz. Nach der Premiere des Stücks am späten Samstagabend, für die die Mutter extra vom Bodensee angereist ist, lobt sie vor allem die spielerische Aufbereitung des keinesfalls einfachen Themas. „Die Launen ändern sich bei Alzheimer-Patienten ja oft von jetzt auf gleich. Das wird im Stück sehr gut deutlich.“

Genau diese kurzweilige, in den Augen eines weiteren Zuschauers „nicht zu rührselige“ Aufbereitung ist es, die nach der Premiere für lobende Gespräche, viel Applaus und einen deutlichen „Bravo“-Ruf sorgt. So nehmen Pitz und ihre vier Protagonisten das Publikum mit auf eine emotionale Reise von den ersten „verklebten“ Gedanken bis zum absoluten Loch im Kopf. Klassische Lacher – etwa, wenn der demente Großvater Armandus (Peter Albers) mal wieder heillos Namen durcheinanderwirft – sind dabei ebenso inklusive wie erschüttertes Schweigen, wenn die Ärztin Armandus ins Kreuzverhör nimmt oder ihm selber dämmert, wie er „mehr und mehr zum Idiot wird“.

Für Luqas Bonewitz ist es vor allem die Kombination aus Armandus und seiner quirligen Enkelin Tilda (Marlene-Sophie Haagen), die den späten Samstagabend im Theaterkeller lohnend macht. „Die Rolle ist eine Herausforderung“, weiß der 26-jährige Freund der Schauspielerin, die in der aktuellen Saison auch Anne Frank verkörpert (diese Zeitung berichtete). „Das hat sie toll rübergebracht.“ So toll, dass einige Reihen vor ihm gar eine Träne bei einer jungen Zuschauerin kullert, als der sonst so heiteren Tilda bewusst wird, wie krank ihr geliebter Opa wirklich ist.

Dabei sind Bonewitz und die berührte Vilbelerin nicht die einzigen Gäste, die deutlich unter dem Altersdurchschnitt manch anderer Vorstellungen liegen. Zur Premiere finden sich am Samstagabend erstaunlich viele junge Zuschauer – was auch an der bekannten Vorlage liegen mag. Denn „Honig im Kopf“ basiert auf dem gleichnamigen Film von Deutschlands Leinwand-Liebling Til Schweiger – und in der über zweistündigen Kino-Fassung mit Dieter Hallervorden erntete die Tragikomödie allerhand Spitzen-Rezensionen.

Auch in Bad Vilbel sorgt das für hohe Erwartungen. „Ich habe mir den

Film zur Einstimmung

extra gestern noch einmal angeschaut“, sagt die 32-jährige Lisa Kuhnert lachend. „Er gehört zu meinen Lieblingsfilmen.“ Für das Bühnenteam dürfte das eine besondere Herausforderung gewesen sein.

Nicht nur, weil zahlreiche Schlüsselszenen wie das nächtliche Wasserlassen in den Kühlschrank damit schon bekannt sind – in Bad Vilbel aber trotzdem noch für regelmäßige Lacher sorgen sollen. „Der Film auf der Leinwand ist ein völlig anderes Genre als das Theater“, erinnert darüber hinaus eine Zuschauerin im Gespräch mit Regisseurinnen-Mutter Karin Pitz. So könnten im Film etwa lange Sequenzen, zum Beispiel Landschaftsaufnahmen, Stimmung erzeugen. Im Bad Vilbeler Theaterkeller sind dafür andere Wege nötig. Stimmung erzeugt, da sind sich die Zuschauer nach der Premiere aber einig, hat das Team von „Honig im Kopf „ auch ohne die Kino-Tricks der Vorlage.

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