Stadtparlament berät gleich über zwei neue Beherbergungsbetriebe

Hotels sollen Touristen nach Bad Vilbel locken

  • Thomas Kopp
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Nach der Entscheidung für einen möglichen Hessentag 2020 in Bad Vilbel (die FNP berichtete gestern) sollen nun schnell Weichen für weitere große Projekte gestellt werden. Dazu gehören gleich mehrere Hotels. Doch vor allem bei einem Projekt in Dortelweil gibt es im Stadtparlament am Dienstag einige Kritik.

Hat Bad Vilbel in Zukunft wirklich Bedarf für insgesamt vier neue Hotels? Während die Stadtregierung dies klar bejaht, gibt es dazu im Bad Vilbeler Stadtparlament kritische Fragen.

So geht der grüne Fraktionschef Jens Matthias auf die neuen Projekte ein. Neben einem neuen Hotel im Zuge der Kurhaus-Erweiterung, einem Hotel am mittleren Kreisel in der Homburger Straße und einem Hotel am von Josef Wund noch zu errichtenden Badeparadies soll nun auch ein Hotel mit Appartements zwischen der Europäischen Schule und dem neuen Rathaus in Dortelweil entstehen.

Im Hinterzimmer beraten

Matthias ärgert sich zum wiederholten Male darüber, dass bereits einige Details wie der Investorenschaft durch Chinesen in der Presse mitgeteilt worden seien. „Doch ein Detail hat man dort nicht gefunden. Nämlich, dass es eine Provision von fünf Prozent auf den Grundstückspreis an die Vermittler geben soll.“ Bei 7,3 Millionen Euro Verkaufssumme entspreche dies 365 000 Euro. So wisse man nicht, wer dieser Vermittler sei.

Auch sei nicht bekannt, ob es vielleicht noch andere Investoren gegeben hat, die vielleicht einen noch höheren Preis bezahlt hätten. „Das ist typisch für die Bad Vilbeler Geschäfte, die einen Duktus von Hinterzimmergeschäften haben“, kritisiert Matthias.

Doch Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) kontert diese Aussagen. So hätten alle Fraktionen bei der Haupt- und Finanzausschusssitzung am vergangenen Donnerstag – dort lief dieser Punkt unter Ausschluss der Öffentlichkeit – genügend Raum für Fragen aller Art gehabt. „Stattdessen stellen Sie 24 Stunden vor dieser Sitzung noch einmal Fragen, die sogar in der Kürze der Zeit beantwortet wurden.“ Doch erst jetzt werde öffentlich mangelnde Transparenz beklagt.

Stöhr beantworte aber auch die neuen Fragen. So sieht er definitiv Bedarf, da die Ausrichtung des Hotels eine ganz andere sei, als sie etwa das geplante Kongresshotel am Kurhaus oder auch das Schwimmbadhotel habe. „Es handelt sich um ein Gateway chinesischer Investoren nach Frankfurt hinein“, bemerkt Stöhr dazu. Die beiden Chinesen, die die Provision bekommen sollen, seien Stöhr persönlich bekannt. Die Stadt habe einen sehr stolzen Preis erzielt, bezahlt werde dieser vom Unternehmen XJCC Invest GmbH. Das Unternehmen hat seit Februar 2016 seinen Sitz in Bad Vilbel, Geschäftsführer ist Yang Zhao.

Doch Stöhr sieht nicht nur den Hessentag als Zugpferd für neuen Tourismus. Bad Vilbel sei inzwischen auf Platz drei der Wetterauer Städte mit den meisten Übernachtungszahlen, werde nur von den klassischen Kurorten Bad Nauheim und Nidda (Bad Salzhausen) übertroffen. Die Tendenz sei steigend. „Und jeder Gast macht in der Stadt Umsatz“, ist Stöhr überzeugt. Letztlich stimmen nur die Grünen gegen den Verkauf des Grundstücks.

Haushalt nicht versauen

Einstimmig fällt die Entscheidung auf, das Projekt Kurhausumbau nun mit der gebotenen Eile anzugehen. So hat das Parlament dem Aufstellungsbeschluss zugestimmt.

Trotzdem aber gibt es einige Punkte im Ablauf, die verbesserungswürdig seien. So regt SPD-Fraktionschef Christian Kühl einen Architektenwettbewerb an. Zum Kurhaus gebe es einige offene Fragen, was dessen künftige Funktion angeht. Und auch Detailfragen seien zu klären: „Was passiert mit der Brötchentaste, wenn die Tiefgarage gebaut wird, die wir übrigens sehr begrüßen?“, fragt Kühl.

Parteikollege Klaus Arabin hat zudem gleich einen kompletten Katalog mit Vorschlägen zur Gestaltung von Kurhaus und Stadthalle im Gepäck. Doch gehöre dies eher in den Ausschuss, der sich später noch mit der genauen Ausgestaltung der Bauausschreibung beschäftigen werde, so die Meinung der CDU.

Auch Ralph Mallmann (Grüne) mahnt zu Besonnenheit. Seine Partei werde dem Vorhaben zustimmen. Doch müsse man bedenken, dass das Kurhaus nun wegen der notwendigen Abschreibung über Jahrzehnte den Haushalt belaste. „Haushalte werden in den guten Jahren versaut“, warnt er.

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