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Geschäftsinhaber Rüdiger Engelhardt ist mit seinem Latein am Ende. ?Fünf vor zwölf? stehe es für das Brunnencenter, meint er.

Brunnencenter

Immer mehr Geschäfte im Einkaufszentrum stehen leer und das Management schweigt

Die Dortelweiler sorgen sich, denn das Brunnencenter wird leerer und leerer. Die Geschäfte schließen und das schon seit Jahren, doch Nachfolger gibt es keine. Die verbliebenen Geschäftsinhaber bemängeln hohe Mieten und ein schweigendes Centermanagement. Nach der Blumengalerie werden innerhalb der kommenden Monate auch der Optiker und Vögele verschwinden. Geschäftsinhaber Rüdiger Engelhardt ist mit seinem Latein am Ende und auch die Kunden sind verunsichert.

Es ist schon ein gewisses Paradoxon, das sich da im Herzen Dortelweils abspielt. Das Brunnencenter, 2005 eröffnet, ist hell, recht modern, ästhetisch, also durchaus ansprechend. Es gibt eine kostenfreie und große Tiefgarage, Lage direkt an der Friedberger Straße, der Hauptstraße durch den Ort. Ein moderner und großer Supermarkt, dazu Sport- und Technikhändler, zwei Bäcker, ein Eiscafé, Bekleidung, Brillen, eine Apotheke und theoretisch auch einen Friseur, auch wenn diese Fläche momentan leer steht. Zudem ist das Brunnencenter in Dortelweil absolut konkurrenzlos.

Doch seit Jahren verschwinden die Läden. Angefangen mit der Schlecker-Insolvenz stehen mittlerweile zahlreiche Ladenflächen leer. Vor wenigen Wochen verließ die Blumengalerie das Center, nun folgen der Optiker Joachim Brüderl, der in Ruhestand geht, und der Klamottenladen Vögele, der, anders als die anderen rund 200 Filialen des Konzerns in Deutschland, nicht auf das neue Konzept der neuen Inhaber umgerüstet wird (diese Zeitung berichtete). Fazit: Das Brunnencenter hat alles, was ein Einkaufszentrum eigentlich braucht – bis auf funktionierende Geschäfte.

Doch was denken die Kunden und Geschäftsinhaber über diesen Missstand? Rüdiger Engelhardt, Geschäftsinhaber und Werbevorstand der Ladengemeinschaft im Center, kann am Samstagmittag nur noch den Kopf schütteln. „Wir wissen von nichts. Die Geschäfte gehen, aber das Centermanagement sagt immer, sie wüssten auch von nichts“, ärgert er sich. „Es tut sich hier einfach gar nichts.“

Wenn das Management ihm und den anderen Ladenbesitzern dann doch einmal Bericht erstatte, erweise sich das Erzählte als falsch. „Man habe Nachfolger gefunden und führe weitere Gespräche, heißt es immer. ,est Worscht in Town’ soll das Center neu beleben, hieß es. All das ist nicht eingetreten.“ Engelhardt liegt das Brunnencenter am Herzen. Seit dessen Eröffnung führt er einen Schreibwarenladen und ist mittlerweile auch an der Eisdiele in der Mitte des Brunnencenters beteiligt. „Wir warten und warten auf Besserung. Doch es kommen natürlich weit weniger Leute ins Brunnencenter, seitdem es nicht mehr so viele Geschäfte gibt.“ Sein Umsatz sei im Vergleich zur Blütezeit des Centers um 50 Prozent eingebrochen. „Es wird uns immer das Blaue vom Himmel erzählt. Aber das reicht nicht mehr, es ist fünf vor zwölf“, alarmiert der langjährige Ladenbesitzer.

In zwei Jahren laufe der Vertrag des Herkules-Supermarktes aus. Ob der Markt den Mietvertrag verlängert, weiß Engelhardt nicht. Doch sollte das in zwei Jahren nicht der Fall sein, wäre das wohl der Todesstoß für das Center. „Es ist traurig, wenn man sich anschaut, wie wenige Kunden hier an einem Samstagmittag herkommen.“

Einer davon ist Oliver Beez. Er wohnt erst seit einem Jahr in Dortelweil, nutzt das Center wie die meisten Dortelweiler als Ort für die wöchentlichen Großeinkauf. Doch sind ihm die leeren Ladenflächen damals gleich aufgefallen. „Und das, obwohl es hier eigentlich so viel verschiedene Ware gibt“, wundert er sich. Das ausgewogene Verhältnis der Läden und der große Supermarkt seien eigentlich optimal für ein Einkaufszentrum. „Die große Tiefgarage und die Erreichbarkeit zu Fuß machen es nicht ganz erklärlich, warum es hier solche Leerstände gibt.“

Eine andere Kundin wohnt bereits seit der Jahrtausendwende in Dortelweil und auch sie beklagt die Leerstände des Centers. „Früher hat man hier immer eine Menge Nachbarn getroffen, egal, wann man hergekommen ist.“ Im Center finde sie alles, was für den Alltag benötigt wird und außerdem biete der Edeka trotz seiner Größe eine gewisse Tante-Emma-Atmosphäre. „Die Verkäufer kennt man seit Jahren und man grüßt sich“, freut sich die Dortelweilerin. Deshalb und natürlich auch wegen der örtlichen Nähe gehe sie weiterhin gerne ins Brunnencenter einkaufen, das sich hoffentlich irgendwann wieder erholt.

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