Die Christuskirche stellt den Islam in einer Vortragsreihe zur Debatte

Infos statt Vorurteile

  • VonDeliah Eckhardt
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Die evangelische Christuskirche Bad Vilbel trifft mit ihrer neuen Veranstaltungsreihe den Nerv der Zeit: An zwei Abenden geht es um den Islam, eingeladen sind Experten, die mit Vorurteilen aufräumen und grundlegende Informationen über den Islam vermitteln sollen. Doch im Vorfeld gab es auch einigen Ärger.

Vor dem Saal in der Christuskirche hat sich eine Schlange gebildet. Grund dafür sind zwei Flipcharts mit Fragen über Einwanderung und Moslems in Deutschland – die Besucher sollen schätzen, welche Antwort richtig ist. Wie viele Muslime leben in Deutschland? Wie viel Prozent der Asylbewerber sind Muslime? Wie viele Menschen sind 2013 von der Türkei nach Deutschland eingewandert und andersherum?

Gleich zu Beginn löst Pfarrer Klaus Neumeier die Fragen auf: Tatsächlich entspricht die Schätzung selten der Realität. „Bei einer Umfrage schätzten die Deutschen durchschnittlich, dass mehr als zehn Millionen Muslime in Deutschland leben. Tatsächlich sind es nur 4,9 Millionen.“

Angriffe aus dem Internet

Bereits im Vorfeld hatte die Veranstaltungsreihe vor allem in sozialen Netzwerken im Internet für Furore gesorgt. „Auf Facebook ist eine Welle der Verärgerung über uns hereingebrochen“, berichtet Neumeier den rund hundert Besuchern. Es habe diverse, inzwischen zum Teil wieder gelöschte Einträge gegeben, in denen Menschen ihrem Ärger über die tolerante Haltung der Christuskirche Luft gemacht hätten. Auch eine E-Mail, die der FNP vorliegt, hat die Verantwortlichen erreicht, in denen sie als „moderne Christen-Heiden“ bezeichnet werden. Von der „Mordideologie Islam“ ist die Rede, und mit den Veranstaltungen würden die Bad Vilbeler Christen diese „schleimend verteidigen und die tausendfachen Morde der Moslems an Christen als unislamisch weglügen“.

Referent ist Pfarrer Andreas Herrmann, der neben seinem Theologiestudium in Tübingen und Heidelberg und dem Vikariat in Gelnhausen auch Dozent in Nigeria gewesen ist. Seit Oktober 2013 ist er Referent für interreligiöse Fragen am Zentrum Ökumene in Frankfurt. Den Einstieg bildet ein kurzer Abriss über die Biografie Mohammeds, des Religionsstifters. Er gilt im Islam als Prophet, dem mit dem Koran das Wort Gottes offenbart worden sei.

Parallelen zur Bibel

Auch auf den Koran geht Herrmann ein, und schon bald werden erste Parallelen zwischen der Bibel und dem Koran deutlich. „Zig Figuren aus der Bibel tauchen beispielsweise auch im Koran auf“, erklärt Herrmann. Auch der Unterschied zwischen den beiden größten Gruppen islamischen Glaubens – Schiiten und Sunniten – steht auf dem Programm. Rund vier Fünftel der Muslime sind Sunniten, ein Fünftel die Schiiten.

Herrmann stellt die fünf Säulen des Islam vor: das Glaubensbekenntnis, das Gebet, das Fasten, die Wallfahrt und die Sozialabgaben. Einige Punkte werden jedoch auf die nächste Veranstaltung verschoben: „Heute gibt es grundlegende Informationen, nächste Woche den Dialog und die Diskussion“, erklärt Neumeier. Dann wird Selçuk Dogruer als Referent dabei sein, islamischer Religionswissenschaftler und im Frankfurter Rat der Religionen Vertreter der Muslime.

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