Vorlesetag

Irgendwo in den Tiefen ein Licht

  • schließen

Beim Lesetag der Bad Vilbeler John-F.-Kennedy-Schule (JFK) geht es nicht nur ums Schmökern. Unter dem Motto „Abenteuer in der Wildnis“ werden die Schüler durch spannende Vorträge zum Weiterlesen angeregt.

Andreas Pflitsch ist Höhlenforscher. In der abgedunkelten JFK-Aula holt er Wasser und Grafit aus seinem Expeditionskoffer. Früher, so erzählt er den neugierigen Fünftklässlern, habe man das zum Feuermachen gebraucht. Heute gebe es dafür Taschenlampen, was die Sache aber nicht ungefährlicher mache. Der Höhlenforscher betont: „Die Sicherheit ist ganz wichtig.“

Weiter berichtet Pflitsch, er und sein Partner gingen nur mit je drei Leuchten ins Dunkle. Er habe in einem wasserdichten Sack immer für alle Fälle auch noch Ersatzbatterien dabei. Vor sich haben Pflitsch und sein Ko-Autor Dirk Steinhöfel im Quadrat Fotos ihrer Höhlentouren ausgelegt, dann lesen sie Passagen aus dem Buch „Irgendwo in der Tiefe gibt es ein Licht“. Gebannt und sehr ruhig folgen die Schüler den Erzählungen der Männer.

Das freut JFK-Schulleiter Peter Mayböhm, auch wenn der Lesetag lange vor seiner Zeit, vor etwa 20 Jahren, begann. Es gehe da um einen „Bruch im Tagesgeschäft“, darum, den Schülern einen ganz anderen Zugang zu Büchern zu vermitteln. Deren Erfahrungen, die spannenden Geschichten, sollten zum Weiterlesen anregen. Zwar werden die Lesungen im Deutschunterricht besprochen, „aber nicht im Sinne von Arbeitsblatt und danach abfragen“.

Die Lese-Rallye fällt dieses Jahr aus, sagt Sylvia Jaksch, die Leiterin der Schulbücherei. Doch bis auf die Zehntklässler, die sich auf ihre Abschlussprüfung vorbereiten, machen alle am Vorlesetag mit. Es gibt drei verschiedene Lesungen, Filme von der Nanga-Parbat-Expedition und dem Bergsteiger Reinhold Messner, Schüler stellen ihre Lieblingsbücher in der Klasse vor. Eine Autorin kennen viele Kennedy-Schüler schon, es ist die Regel- und Förderschullehrerin Caroline Haberland. Ihr Bilderbuch „Guti und Lumpi“ hat sie mit Sechstklässlern der Frankfurter Alois-Eckert-Schule, einer Schule für Lernhilfe, entwickelt.

Ein Schüler habe sie mit dem Wort „Nihau“ überraschen wollen, weil sie aber in Hongkong geboren sei, habe sie gleich das „Hallo“ erkannt. Rasch kam ein Gespräch auf über verschiedene Sprachen und dass sich trotzdem alle verstehen könnten. Die Idee, ein Buch zu machen, beflügelte die Schüler. Die Jungs wollten etwas mit Tieren und Abenteuern machen. So entstand, frei nach „Tim &Struppi“, die Geschichte des Jungen Guti, den es mit seinem Lumpi nach Afrika verschlägt.

Die Schüler dachten sich drei Monate lang Geschichten aus, skizzierten Bilder, die ein Illustrator umsetzte. Am Ende fuhr Haberland mit den stolzen Kindern in die Druckerei, um ihnen druckfrisch die ersten sechs Exemplare ihres selbst erdachten Buches zu überreichen, das als „Book on demand“ (Buch auf Anforderung) in Vilbeler Buchhandlungen erhältlich ist.

Leseratten sind auch die beiden elfjährigen Freundinnen Emma Vier und Nicolina Funk. „Man kann sich in ein Buch hineinfügen, das ist besser als ein Film“, sagt Eva. Sie errang auch beim Lesewettbewerb ihrer Schule den zweiten Platz. „Beim Lesen habe ich meine eigene Vorstellung, das ist, als ob man direkt dabei wäre, da vergisst man alles“, ergänzt Nicolina. Sie habe nach der Lektüre von „Tom Sawyer“ die Verfilmung gesehen, „da hatte ich eine ganz andere Vorstellung.“

Die beiden Mädchen sind Fans der Katzenbuch-Serie „Warrior Cats“, lesen, wo immer Zeit ist, im Bus, in den Freistunden, zu Hause. Gut, dass es bei soviel Leseeifer Nachschub aus der Stadtbibliothek gibt. Und zu Weihnachten habe sie die komplette dritte Staffel der Fantasy-Romanreihe der Autorengruppe Erin Hunter geschenkt bekommen, freut sich Nicolina.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare