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Jonathans Vermächtnis: Gib niemals auf!

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Von: Dieter Deul

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3600 Euro haben die 600 Primarschüler der Europäischen Schule Rhein-Main (ESRM) auf ihrem Weihnachtsbasar gesammelt. Das Geld spenden sie der „Dumusstkämpfen GmbH“, die Martin Heimes mit seinem krebskranken Sohn Jonathan gründete. Die Initiative investiert allein dieses Jahr 250 000 Euro in Sporttherapie und Palliativmedizin. Jonathan ist auch Edel-Maskottchen des Bundesligisten Darmstadt 98.

Nur 90 Minuten hatte der Weihnachtsbasar der Europäischen Schule (ESRM) gedauert, doch die 600 Primarschüler waren fleißig. Es gab Marmelade und Plätzchen, Weihnachtsdeko, und sogar selbst gemalte Bilder wurden für 20 Euro verkauft. Am Ende waren stolze 3607,81 Euro in der Kasse, erinnert sich Primarstufenleiterin Kelly Benning. Aus Darmstadt angereist war an jenem Dezembernachmittag auch Martin Heimes, Vater des krebskranken Jonathan (19. Februar 1990 – 8. März 2016).

Jonathan Heimes, genannt Johnny, ist erst vierzehn Jahre alt, als ihm die Ärzte im Juni 2004 in der Frankfurter Uniklinik den Schädel aufbohren und während einer sechsstündigen Operation einen bösartigen Tumor, ein Medulloblastom, aus dem Kleinhirn entfernen. Er überlebt, erwacht nach zwei Wochen aus dem Koma, mit 43 Kilo bei 1,70 Meter und kann seine linke Körperhälfte nicht mehr bewegen.

Weltspitze und Leidensweg

Niemand kann ihm versprechen, dass diese Ausfälle zurückgehen, doch es lohne sich dafür zu kämpfen – wie im Tennis. Zu diesem Zeitpunkt ist er hessischer Tennis-Jugendmeister, genau wie seine drei Jahre ältere Freundin Andrea Petkovic.

Beide trainieren in Darmstadt bei Zoran Petkovic, beide haben große sportliche Pläne, doch ihre Weg trennen sich unweigerlich: Andrea steigt in die Weltspitze auf, und vor Johnny liegt ein langer Leidensweg,

Davon hatte auch Martin Mansson gehört, der an der ESRM eine fünfte Klasse unterrichtet. Er schlug vor, den Basarerlös an die gemeinnützige GmbH „Dumusstkämpfen“ zu spenden. Der Name zitiert eine SMS, die Jonathan von einem Freund erhielt, als er nach fünf krebsfreien Jahren 2010 einen Rückfall und eine Querschnittlähmung erlitt: „4:6, 4:5, 15:40. Zwei Matchbälle gegen dich. Du musst kämpfen! Es ist noch nichts verloren.“ Das Motto machte 2014 weiter Furore bei den Fußballern von Darmstadt 98, die es zum Motto ihres Aufstiegsspiels in die zweite Bundesliga nahmen und für die Jonathan inzwischen ein Edel-Maskottchen ist.

Als Jonathan im vergangenen Jahr starb, gab es eine Schweigeminute im Stadion. Der Vereinssponsor hat sogar seinen Namen abgetreten, damit das Stadion in dieser Saison nach Jonathan benannt sein kann. Er hat den Kampf zwar im vergangenen Jahr verloren, doch sein Vermächtnis ist ungebrochen, berichtet Martin Heimes.

250 000 Euro gesammelt

Mit dem Verkauf blauer Unterstützerbändchen, Spenden und Charity-Veranstaltungen hat er im vergangenen Jahr 250 000 Euro gesammelt. Die fließen in zwei innovative Projekte. Das eine ist eine unterstützende Sporttherapie in der Frankfurter Uni-Kinderkrebsklinik, die mit 140 000 Euro unterstützt wird.

Zudem fördert die gemeinnützige GmbH das Kinderpalliativteam Südhessen, das einst auch Jonathan betreute. Dort wird mit 45 000 Euro eine zusätzliche psychosoziale Betreuung ermöglicht. Sie wird noch als Modellversuch angeboten, ob die Kassen später übernehme, ist unklar. Auch ob die ESRM die Krebs-Aktion weiter unterstützt, ist noch offen, sagt Kelly Benning. Doch es gibt schon das nächste Schul-Event, einen Spendenlauf im Juni. Im Vorjahr wurden dabei stolze 15 000 Euro eingesammelt.

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