Projekt Junge Zeitung

Jugendrotkreuz: Helden des Alltags

Das Jugendrotkreuz in Bad Vilbel besteht momentan aus sieben Kindern und Jugendlichen zwischen acht und 14 Jahren. Ausgebildet werden die jungen Helfer von den Leitern Marcel Zuschlag (20) und Karlheinz Weinert (60). Welche Aufgaben haben die Kinder und wieso engagieren sie sich im Deutschen Roten Kreuz (DRK)? Was ist ein Held und sind Helfer echte Helden? Diese und viele weitere Fragen habe ich den jungen Rotkreuzlern gestellt.

„Meine Eltern sind im Roten Kreuz. Meine Mutter ist in der Bereitschaft und mein Vater fährt nebenberuflich Rettungswagen“, erzählt der Älteste, Darian, 14 Jahre alt. Ayman (13) und Yannick (13) sind Schulsanitäter der John-F.-Kennedy-Schule in Bad Vilbel. Das motiviert die Jugendlichen, selbst auch als Helfer aktiv zu sein. Gelernt wird in Unterrichtseinheiten mit anschließenden praktischen Übungen. Dabei erarbeiten die Kinder im besten Fall selber, was in der gegebenen Situation zu tun ist. Dennoch darf der Spaß dabei nicht fehlen.

„Das sind Kinder. Das ist harter Stoff, den wir hier teilweise durchnehmen, der muss kindgerecht vermittelt werden“, betont Silke Zuschlag, Bereitschaftsleiterin des Roten Kreuz Bad Vilbel. Das Spielerische dürfe dabei nicht zu kurz kommen. So wird trockene Theorie durch Videos, Basteln und Freizeitaktivitäten aufgelockert.

Einmal im Jahr findet eine Weihnachtsfeier statt, mal geht es im Sommer mit den Kindern schwimmen, Drachen steigen, im Winter Schlittschuhlaufen. Bei Großveranstaltungen wie dem Ironman oder dem Bad Vilbeler Markt ist auch das Jugendrotkreuz mit dabei. „Pflaster und Verbände, das können die Kinder schon alleine machen. Die haben das gelernt und machen das richtig gut“, lobt Silke Zuschlag. Für Ayman steht eines schon fest: „Mein Traumberuf ist Rettungssanitäter, also mit dem Rettungswagen rausfahren.“ Auch Darian kann sich durchaus vorstellen, Rettungssanitäter zu werden, „aber so genau weiß ich das noch nicht.“

Brand mit Verletzten

Die jungen Helfer sind Nachwuchs für das Rote Kreuz. „Ich denke nicht, dass die Jugendlichen mal aufhören wollen, sondern, dass sie wirklich bei uns irgendwann in die Bereitschaft eintreten. Das geht mit 16 Jahren“, sagt Silke Zuschlag. Zwei Mitglieder des Jugendrotkreuz haben das bereits geschafft. Mit 16 Jahren sind Alina und Robin in die Bereitschaft eingetreten, bleiben aber parallel noch im Jugendrotkreuz. „Alina hat sogar schon ihre Sanitäterausbildung gemacht und ist mit 16 Jahren so weit ausgebildet wie ich auch“, erklärt die Bereitschaftsleiterin.

Besonders Spaß macht den Jugendlichen die jährliche Übung, die in Kooperation mit der Jugendfeuerwehr Bad Vilbel stattfindet. Beim letzten Mal wurde ein Brand in einer Gärtnerei simuliert. Die Jugendfeuerwehr löschte den Brand, das Jugendrotkreuz versorgte die „Verletzten“. „Wir bauen dann einen kleinen Behandlungsplatz mit einem Zelt und Feldbetten auf“, berichtet Gruppenleiter Marcel Zuschlag. Die jährliche Übung hat natürlich neben dem Spaßfaktor für die jungen Helfer auch einen tieferen Sinn. „Da kann man sehen, wo es noch hapert und noch geübt werden kann“, so Zuschlag.

Obwohl es den Jugendlichen Sicherheit gibt, in einer Notsituation zu wissen, was zu tun ist, haben auch die jungen Helfer Momente, in denen sie befürchten, dass sie etwas nicht schaffen. „Wenn man zum Beispiel bei einem Einsatz oder in einer bestimmten Situation denkt, dass man das nicht kann. Aber man kann das. Das ist manchmal vom Kopf her ein bisschen schwierig. Aber bis jetzt haben wir alles geschafft“, berichtet Ayman.

Alina schließt sich ihm an: „Irgendwann könnte das Leben einer anderen Person, vielleicht sogar das eines Freundes, davon abhängen, was man gelernt hat“. Gruppenleiter Marcel Zuschlag beruhigt die Jugendlichen schnell: „Am Anfang sind sie immer überfordert. Wir Großen können auch nicht immer 100 Prozent alles, aber deswegen sind wir eine Gruppe. Wenn der eine etwas nicht kann, hilft ihm der andere.“

Auch Silke Zuschlag stimmt zu. Dafür trainiere man. Dass der Puls hochgehe und man einen Adrenalinschub bekomme, wenn beispielsweise bei den Burgfestspielen jemand bewusstlos in den Reihen sitze, sei vollkommen normal. Schließlich hänge oftmals ein Menschenleben davon ab, wie gut die Sanitäter arbeiten würden.

Sieben Grundsätze

Eine Mitgliedschaft im Jugendrotkreuz bedeutet außer zu helfen auch für bestimmte Werte und Grundsätze einzustehen. So gibt es sieben Grundsätze des Roten Kreuz, die auf internationaler Ebene gültig sind. Das sind Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität. „Das beschreibt im Prinzip, was wir im Roten Kreuz tun und wie wir es tun.“ reflektiert der Ausbilder Karlheinz Weinert.

„Wir zwingen niemanden, bei uns mitzumachen. Wir sind immer freiwillig und neutral.“ Es gebt diesen Spruch „Wir helfen den Opfern, aber auch den Tätern. Wenn jemand verletzt ist, ist er verletzt.“

Zu guter Letzt kann ich endlich meine wichtigste Frage stellen: „Was ist für euch ein Held?“ Darauf antwortet Ayman ziemlich schnell: „Sanitäter sein, das ist schon ein Held. Wenn man anderen Leuten hilft.“ Darian spezifiziert das noch ein bisschen: „Ein Held ist jemand, der anderen hilft, dafür aber nichts verlangt.“

Auch Alina schließt sich dem an: „Jemand, der selbstlos handelt und sich selbst auch mal zurückstellen kann, um anderen zu helfen.“ Yannick sieht Spiderman als klassischen Helden an. Doch Karlheinz Weinert gibt zu bedenken: „Ich befürchte, es gibt keine Helden. Früher musste man Drachen töten, um ein Held zu sein, aber die Drachen sind alle tot, daher wird das schwierig“, schmunzelt er.

Auf die Frage, ob die Jugendlichen Helden sind, nickt Lara (8) eifrig. Silke Zuschlag lenkt ein: „Mama und Papa sind selbst Sanitäter. Da bist du mit Sicherheit eine Heldin, das weiß ich“. Ayman zieht das Fazit, dass die Eltern die Kinder und Jugendlichen wohl am ehesten als Helden ansehen, die Mitschüler aber deren Mitgliedschaft im Schulsanitätsdienst eher negativ beurteilen.

„Geht es da um das Thema Freizeit opfern und nichts dafür bekommen?“, hakt Silke Zuschlag nach. „Nein, dass wir im Unterricht das Handy immer anlassen dürfen und in den Pausen in den Sanitätsraum dürfen“, berichtet Yannick. Gruppenleiter Marcel Zuschlag fasst zusammen: „Also mehr Neid“. Dieser Neid wird wohl spätestens dann verfliegen, wenn die kleinen Helfer denen zu Hilfe eilen, die sie heute noch um ihre Sonderrechte beneiden. Vielleicht kommt dann das Verständnis.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare