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Alles bereit für die Abfahrt: Praktikantin Julie Joudon testet für die FNP ihren täglichen Schulweg aus der Lehmkaute zum Büchner-Gymnasium – und wird  überrascht.

Junge Zeitung

Eine Schülerin macht in Bad Vilbel den Schulweg-Check

Winterliches Wetter in Bad Vilbel: Die Straßen sind immer mal wieder weiß, sogar manche Pfützen gefrieren. Das kann zum Verhängnis werden, wenn man beispielsweise zur Arbeit oder zur Schule unterwegs ist. Zeit für einen Test: Wie sicher ist mein Schulweg zum Georg-Büchner-Gymnasium (GBG) in der Kernstadt eigentlich, trotz Winterwetter? Am Ende muss ich zugeben: Ich wurde immer wieder überrascht.

Als ich aufbreche, bemerke ich zuerst die geräumten und gestreuten Straßen. Das ist für mich und meine Nachbarn im Winter nicht normal: Ich wohne in der Lehmkaute, einem Teil von Bad Vilbel, in dem es immer ziemlich lange dauert, bis der erste Schneepflug gesichtet wird.

Die erste Überraschung: Die Fußwege an der Nidda sind problemlos begehbar, als ich mit dem Fahrrad an der Alten Mühle vorbeifahren will. Das sind sie vermutlich schon länger, trotzdem erinnere ich mich an die Zeit, in der man lieber einen großen Umweg gefahren ist, als sich freiwillig durch diesen Brennnessel-Dschungel zu schlagen.

Auch hier sammelt die Stadt einen dicken Pluspunkt. Selbst wenn die Straßenlaterne, die neulich demoliert wurde, immer noch ein Pfahl in der Landschaft und der Fußweg abends um elf dementsprechend dunkel ist.

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Die Kernstadt hat Glück

Am Schützenhofsteg heißt es für die FNP-Jung-Autorin wie für alle Radfahrer: Absteigen und schieben.

Außerdem lerne ich zu schätzen, wie viel Glück wir Kinder aus der Kernstadt haben, wenn wir zur Schule wollen. Ich fahre über die Holzbrücke an der Wasserburg und dann weiter über den Niddaradweg in Richtung Römerspielplatz, ohne Probleme, denn alle Wege sind asphaltiert. Bei Mitschülern sieht das mitunter ganz anders aus.

Eine Schülerin (14) aus Dortelweil, die nicht namentlich erwähnt werden will, erklärt: "Vor ein paar Jahren wurde auf unserem Schulweg eine neue Siedlung gebaut, seitdem müssen wir einen Umweg fahren, das ist wirklich unpraktisch." Deshalb mache das auch keiner: Es führe ein Weg durch die Siedlung, nicht asphaltiert, der bei Regen sehr schlammig sei. Davon ganz abgesehen sei es aber eigentlich sogar verboten, den Pfad überhaupt zu benutzen.

Es gibt aber auch gute Neuigkeiten: Dasselbe Mädchen ergänzt wenig später, das Busfahren funktioniere nun aber viel besser als früher, denn "jetzt gibt es Zeitpuffer" im Fahrplan. Das bedeute, die Abfahrts- und Ankunftszeiten seien so geschickt gelegt worden, dass der Bus, wenn er mal im Stau stehe, trotzdem noch pünktlich sei. Auch hier also eine Verbesserung.

Der Stadt seien Risiken auf öffentlichen Schulwegen durchaus bekannt und sie mache viel dafür, um Schulwege sicher zu gestalten, erklärt Rathaussprecher Yannick Schwander. Schulwege führten, wenn möglich, nicht entlang unübersichtlicher und viel befahrener Straßen. Wenn doch, ergänzt er, dann werde darauf geachtet, dass Fußgängerüberwege vorhanden seien.

Auf meinem Schulweg seien keine Knackpunkte vorhanden, findet Schwander, und ich muss ihm zustimmen: Es gibt keine Schlaglöcher im Straßenbelag und immerhin schmale Fußgängerwege. Mein Schulweg führt jetzt an der Büchereibrücke und der Kurhausbaustelle vorbei.

Hier sind während meines Selbstversuchs alle Spaziergänger, die sonst die Nidda entlangflanieren und wahlweise vor Fahrradreifen oder Füße rennen, zu Hause geblieben. Ich werde kein einziges Mal von einem aufgebrachten Passanten angemault und muss mir auch keine Schimpftiraden darüber anhören, wie verzogen die heutige Jugend doch ist. Klassischer Vorführeffekt, schätze ich.

In fünf Minuten machbar

Der letzte Wegabschnitt führt mich an Bad Vilbels Polizeiwache vorbei. Ich habe Glück: Wenn ich mal wirklich spät dran bin, schaffe ich den Weg in maximal fünf Minuten.

Im Winter werden natürlich die Fuß- und Radwege nicht so ausgiebig genutzt. "Im Sommer und im Frühling, wenn es warm genug ist, fahre ich Fahrrad, im Winter eher Bus", erklärt die Dortelweiler Neuntklässlerin. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass nur 159 von 1600 GBG-Schülern bei Winterwetter mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Ich zähle es genau nach: Diese Anzahl an Drahteseln ist an diesem Donnerstag an der Schule abgestellt.

Zehn Prozent Rad fahrende Schüler trotz Eis und Schnee? Das zeigt: Auch wenn es Mängel an den Schulwegen geben mag, so werden sie trotzdem viel genutzt. Und das ist doch ein gutes Zeichen.

Julie Joudon, die Autorin dieses Artikels, ist Schülerin des Georg-Büchner-Gymnasiums in Bad Vilbel und nimmt am Projekt "Junge Zeitung" teil. Außerdem absolviert sie gerade ein Praktikum in der Redaktion der Bad Vilbeler Neuen Presse.

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