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Henrik Roth studiert an der Uni Amsterdam und ist einer der vier Geschäftsführer von ?BeWooden?.

Start-Up "BeWooden"

Jungunternehmer Henrik Roth: Holzschmuck ist sein Metier

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Es klingt wie ein Märchen, ist aber Realität. Innerhalb von nur vier Jahren schafft es das Bad Vilbeler Start-Up-Unternehmen „BeWooden“, sich auf dem international hart umkämpften Modemarkt zu behaupten – mit handgefertigten Accessoires aus Holz.

„BeWooden gibt es seit vier Jahren. Seither sind wir, bildlich gesprochen, in einem Holzboot durch gefährliche, internationale Gewässer gesegelt und dabei nicht zu Schaden gekommen“, berichtet Unternehmer Henrik Roth. Und fügt hinzu: „Die vier Jahre als Jungunternehmer mit nachhaltigen, individuellen und handgefertigten Produkten aus Holz waren wie eine Achterbahnfahrt. Es war ein echtes ,Lernen durch Handeln’. Wir waren bei der Firmengründung 20 bis 24 Jahre jung. Jeder hat zwar sein Spezialgebiet, berufliche Erfahrungen haben wir aber zuvor nur in Praktika gesammelt.“

„Wir“, das sind der Fotograf und Kreative Ctirad Sara, der das traditionelle Handwerk aus den Bergen rund um Chlebovice bewahren möchte, Jurastudent Patrik Babinec, der auf der Suche nach Inspiration, Austausch und Erfahrungen in der Schweiz bei der „Start-Summit“, Europas führender studentisch organisierter Konferenz für Unternehmertum und Technologie, den Bad Vilbeler Wirtschafts- und Marketing-Studenten und heutigen Strategen Henrik Roth traf. Vierter im Bunde ist Jakub Najdek, der Ingenieurwissenschaften studierte.

„Ich habe damals nach einem Nischenprodukt gesucht, an das ich glauben und das ich voranbringen konnte“, sagt Roth. Gefunden hat er es in einer Holzfliege. Sie ist zugleich das Symbol für inzwischen 250 Einzelprodukte im modischen Nischensegment „Accessoires aus Holz“. „Alle Produkte stehen für Nachhaltigkeit. Für die Produktion wird Recycling-Holz von Möbelfabriken oder alten Weinfässern verwendet.“ Das Team ist inzwischen auf 20 Mitglieder angewachsen. Firmensitz ist Bad Vilbel.

„Achtzig Prozent unserer Waren fertigen wir in unseren Betrieben rund um Ostrau in Mittelsachsen an. Zwanzig Prozent liefern uns lokale Handwerksbetriebe wie Juweliere, die für uns Manschettenknöpfe herstellen, zu.“ Aus einer Holzfliege wurden inzwischen 20 verschiedene, teils mit Stoff bezogen, die es auch als Set mit Manschettenknöpfen gibt.

Doch worin besteht das Erfolgsrezept von „BeWooden“? „Es war für uns eine große Herausforderung, unser Nischenprodukt, das kein Problem löst, sondern ein Lifestyle-Produkt ist wie viele andere Accessoires auch, auf den Markt zu bringen und international zu etablieren“, erklärt Roth. „Wichtig ist es, dass die Leute unser Produkt, seine Geschichte, in unserem Fall die Wiederverwertung von Holz, und auch die damit verknüpften Emotionen kennen.“

Anfangs suchten sie Kontakt zu Händlern auf Designermärkten wie dem in Mainz, den Frankfurter Nachtmarkt des Radiosenders You FM oder auf Weihnachtsmärkten. „Der direkte Kontakt zu Fachbesuchern, Händlern und Endkunden hat uns bei der Etablierung unserer Marke sehr geholfen.“ Wichtig sei auch die enge Kommunikation und Einbindung der Kunden ins Unternehmen. „Im März konnten unsere Kunden das Design für eine Fliege kreieren. Die Gewinnerfliege wurde ins Sortiment aufgenommen, der deutsche Designer freute sich über einen Gutschein.“

Die Bekanntheit der Marke haben die vier Jungunternehmer inzwischen erreicht. „Vor vier Jahren gab es bei Google pro Monat 200 Suchanfragen zum Begriff ,Holzfliege’, heute sind es über 1500.“ Wichtig sei neben guter Qualität und Service auch die Positionierung der Produkte im mittleren Preissegment.

„Wir leben in einer Welt des Internets. Wir verkaufen unsere aus Recycling-Holz in traditioneller Handarbeit von lokalen Kunsthandwerkern gefertigten Produkte weltweit über unseren Online-Shop . Und über Geschäftspartner im Einzelhandel“, berichtet Roth. In Deutschland sind dies

80 Einzelhändler

wie Hochzeitsausstatter, Boutiquen wie Mazzu Mazzu in Bad Vilbel, Modefachgeschäfte oder Geschenkeshops. Europaweit sind es derzeit 140 Geschäftspartner, vor allem in Tschechien, Portugal, Frankreich, Holland, Dänemark und Schweden.

Zudem habe sich der Umsatz des Unternehmens seit der Gründung jedes Jahr verdoppelt. Er liegt heute im sechsstelligen Bereich. „In Deutschland kommt der Umsatz zu 50 Prozent aus dem klassischen Handel, in Tschechien zu 30 Prozent.“

Kürzlich hat durch die Initiative von Patrik Babinec ein Investor 400 000 Euro ins Unternehmen investiert. Mit dem Geld wollen die Geschäftsführer die Präsenz von „BeWooden“ und ihr Team vergrößern, in weitere Länder expandieren sowie neue Produkte auf den Markt bringen. Dazu gehört Schmuck für Frauen und eine neue Kategorie Wohn- und Büroaccessoires. Die starke Online-Strategie von „BeWooden“ werde durch Freiberufler unterstützt, die zwei Mal im Jahr eine Kampagne lancieren.

„Im vergangenen September haben wir mit zwei Stylisten eine Fliege gestaltet, deren Design die Skyline von Johannesburg zeigt“, erzählt Roth. „Einer der beiden Südafrikaner gründet die Kinderhilfsorganisation ,Tony Houz Children’s Foundation’. Sie ermöglicht Kindern den Schulbesuch, schafft Voraussetzungen zum Lernen.“ Hier schließt sich der Kreis von der Idee „Dingen und Menschen eine zweite Chance geben“ über den Entwurf zum Produkt.

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