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Der Bus der Linie 30 könnte in Zukunft einer Straßenbahn weichen – das diskutieren Politiker in Bad Vilbel wie auch in Frankfurt.

Buslinie 30

Kampf um Straßenbahn beginnt

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Nur eine Schonfrist hat sie noch bekommen: Ende 2020 soll Schluss sein mit den direkten Fahrten der Buslinie 30 von Bad Vilbel bis in die Frankfurter Innenstadt. Eine Alternative muss also her, am naheliegendsten: eine Straßenbahn. Da die Zeit drängt, wollen SPD und Grüne Extra-Geld für Planungen bereitstellen. Nicht nötig, schallt es aus dem Bad Vilbeler Rathaus zurück.

Zumindest ein gordischer Knoten ist seit einigen Monaten ja durchschlagen: Nach jahrzehntelangem Widerstand will jetzt auch die in Bad Vilbel regierende CDU die Straßenbahnlinie nach Frankfurt. Die Frankfurter hatten das schon jahrzehntelang vor, scheiterten aber am Nein aus Bad Vilbel.

Angesichts der Diesel-Fahrverbote will Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) nun auch ganz konkret die Buslinie 30 auf sauberen Antrieb umstellen. Die Linie fährt von Bad Vilbel durch die Frankfurter Innenstadt bis Sachsenhausen-Süd. Und die Dieselbusfahrten sollen im Abschnitt von der Friedberger Warte bis zum Lokalbahnhof durch zusätzliche Straßenbahn-Fahrten ersetzt werden. Das wollte Oesterling schon zu Ende 2019 realisieren, hatte zuletzt aber eine Gnadenfrist bis Ende 2020 verkündet. Dann erhält Frankfurt neue Straßenbahnfahrzeuge (diese Zeitung berichtete).

Das Kappen des 30ers aber lehnen die Politiker in Bad Vilbel durch die Bank ab. Das dränge Pendler erneut ins Auto, kritisieren sie. "Es ist ein Manko, wenn der Bus nicht mehr durchgängig fährt", betont Grünen-Stadtverordneter Christopher Mallmann. Seine Fraktion fordert deshalb 25 000 Euro für eine Machbarkeitsstudie zur Weiterführung der Straßenbahnlinie von der Friedberger Warte bis zum Bad Vilbeler Südbahnhof. Und die SPD beantragt sogar 50 000 Euro für eine solche Studie. Technisch kein Problem

"Eine Reihe von Punkten sind ja nicht so einfach zu lösen", sagt Mallmann, "zum Beispiel wie die Straßenbahn den Schöllberg bewältigt." Dass dies technisch kein Problem sei, hatte Verkehrsdezernent Oesterling aber bereits beteuert. Wichtig wäre es für die Diskussion, "aufzuzeigen, wie die Frankfurter Straße aussieht, wenn die Straßenbahn dort auf einer eigenen Trasse rollt", findet Mallmann.

Auf Widerstand stoßen Rote und Grüne aber bei CDU, FDP und Freien Wählern. "Wir sollten nicht so viel Geld alleine ausgeben, ohne vorher mit Frankfurt gesprochen zu haben", findet FW-Stadtverordneter Martin Gecks. FDP-Fraktionschef Jörg-Uwe Hahn lehnt die Tram-Lösung kategorisch ab. "Ein immenser Aufwand" sei ihr Bau und sie sei "nicht flexibel". Eine Straßenbahn sei "keine Lösung den Berg rauf und runter", findet Hahn.

Mit der Straßenbahn werde der Heilsberg "von der Frankfurter Linie" abgehängt, warnt CDU-Stadtverordneter Karl Peter Schäfer. Fahre diese entlang von Friedberger Landstraße und Frankfurter Straße, müssten die Heilsberger bis dorthin zur Haltestelle laufen. Frankfurt am Zug

"Uns liegt allen daran, den Verkehr zu verringern", betont CDU-Fraktionsvorsitzende Irene Utter in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Allerdings sei kein Extra-Geld für eine Planung nötig: Bad Vilbels Verkehrsstadtrat Sebastian Wysocki (CDU) verfüge über ausreichend Planungsgelder. Außerdem sei eine solche Machbarkeitsstudie "nicht Sache von Bad Vilbel". Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) sieht vielmehr den Planungsverband Frankfurt am Zug: Dieser übernehme dieses Jahr die Stabsstelle Mobilität. "Dort sind solche ortsübergreifenden Lösungen richtig angesiedelt."

Zusätzlich rudert Irene Utter in Sachen Straßenbahn vorsichtig zurück. Sie sei "skeptisch, dass es funktioniert", die Bahn durch die Frankfurter Straße zu führen. "Womöglich ist dort zu wenig Platz." Außerdem streut sie Zweifel am Nutzen einer solchen Lösung. Denn das Hauptproblem in Bad Vilbel sei ja, dass viel "Verkehr von außen hier durch muss". Da stelle sich die Frage, ob eine Straßenbahn den Bad Vilbeler nutze oder nicht nur noch mehr Auswärtige anziehe, für die Bad Vilbel dann noch einen Park+Ride-Parkplatz benötige.

Der Schöllberg sei "sicher eine Herausforderung", räumt SPD-Fraktionschef Christian Kühl ein, aber technisch machbar. "Ein spannendes Projekt." Finanzierbar sei das Vorhaben auch, ist er überzeugt, da die Frankfurter die Strecke ja bis zur Stadtgrenze am Friedhof Heiligenstock bezahlten. "Erst von dort aus ist es von Bad Vilbel zu finanzieren." Wenn allerdings bereits, wie von Irene Utter erklärt, Geld für die Planung vorhanden sei, dann ziehe die SPD auch ihren Antrag zurück, kündigt Kühl an.

Diskussion im Stadtparlament

Stadtparlament Bad Vilbel heute (Dienstag) ab 18 Uhr im Kultur- und Sportforum, Dortelweiler Platz 1

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