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Dieses Foto aus dem Bad Vilbeler Stadtarchiv zeigt Kinder beim Spielen im Schnee, beim Schlittenfahren und mit Kufen unter den Füßen nahe des alten Niddawehrs. Aufgenommen wurde es um das Jahr 1960 herum, ein genaues Datum ließ sich nicht rekonstruieren. Archivfotos: Privat

Schlittenfahren

Zwei Brunnenstädter erinnern sich zurück an die spaßigen Schneetage ihrer Kindheit vor mehr als 50 Jahren

Erwachsene greifen entnervt zur Schippe, Kinder jauchzen auf vor Freude: Es hat geschneit. Vor allem heute, da die Winter gefühlt immer nasser werden, ist die weiße Pracht etwas besonderes. Aber: Wie war das eigentlich früher? Wir haben mal im Bad Vilbeler Stadtarchiv nachgehorcht.

In den vergangenen Jahren zeigte sich der Winter in Bad Vilbel vor allem von seiner nassen Seite: Statt dem von vielen sehnlichst erwarteten, von manchem gefürchteten Schnee regnete es und bestenfalls Schneematsch bedeckte die Straßen. Doch das war nicht immer so.

"Ich kann mich noch gut an Jahre erinnern, als wir uns vor Schnee gar nicht retten konnten", erzählt Peter Zscherp vom Stadtarchiv. "Eigentlich war es immer so, dass man davon ausgehen konnte, dass Anfang Dezember der Schnee lag und bis Februar auch meistens liegen blieb."

Schnee bedeutete für die Vilbeler Jungs und Mädchen damals vor allem: Schlitten fahren. Wolfgang Kantelberg erinnert sich noch gut daran, 1961 war er neun Jahre alt. Gemeinsam mit seinen Freunden ging es die Hügel herunter, vor allem eine Strecke hatte es den Jungs damals angetan. "Wir nannten sie Todesbahn", sagt er schmunzelnd.

Erinnern sich mit Freude an die verschneiten Wintertage ihrer Kindheit in Bad Vilbel: Peter Zscherp und Wolfgang Kantelberg.

Oben von den Berger Wiesen führte sie bis in den Stadtwald hinein. "Für uns war das damals sehr hoch und daher ideal fürs Schlittenfahren", erinnert er sich zurück. Auf der Strecke konnte man ein hohes Tempo aufbauen, für die Jungs ideal, um so richtig mal die Sau rauszulassen.

Doch nicht nur außerstädtisch wurde viel gerodelt. "Der Erzweg war damals eine überaus beliebte Strecke", erinnert er sich zurück. Noch heute ist der Erzweg vielen Vilbelern vor allem durch seine starke Steigung bekannt, ideal also fürs Schlittenfahren, wäre der Weg nicht eigentlich eine Straße.

"Damals waren ja noch weniger Autos unterwegs", meint Kantelberg. "Also ging es mit vier Schlitten runter, der Kleinste saß vorne und musste lenken. Heute wäre das natürlich alles gar nicht mehr möglich!"

In Gemüsekörbe gefahren

Durch die Steigung konnten die Schlitten ein hohes Tempo aufbauen, was oft zu Ärger mit dem gegenüberliegenden Gemüsegeschäft führte. "Manchmal waren wir so schnell, dass wir mitten in die Gemüsekörbe fuhren", lacht Kantelberg. "Das waren Zeiten!" Und damit die Jungs und Mädels bei ihren Schlittenfahrten nicht von Autos auf der Frankfurter Straße überrascht wurden, stand immer einer unten und passte auf.

Auch andernorts hatten die Kinder viel Spaß. Dort, wo heute das Pfarrhaus der Christuskirche steht, befand sich bis 1961 eine steile Wiese. Hier war Peter Zscherp zugange. 1961 war er gerade sechs Jahre alt. "Das war wirklich eine tolle Wiese, mitten in der Stadt, so brauchte man nicht so weit laufen. Von der Bergstraße konnte man bis runter zum Grünen Weg fahren", erinnert er sich zurück.

Rauf auf den Ritterweiher

Auch die Wasserflächen wurden in kalten Wintern zum Spielplatz. Auf dem Ritterweiher wurde Schlittschuh gefahren, ebenso auf Wiesen nahe der damals noch nicht begradigten Nidda. Die Wiesen waren in den Wintermonaten oft überflutet. "Die Nidda selbst war da weniger geeignet", sagt Zscherp. "Durch die Wellen des Wassers war das Eis nicht glatt genug zum Schlittschuhlaufen, aber einige ließen sich davon natürlich nicht abschrecken."

Doch ein Winter sollte sie alle übertreffen. "1978 war der kälteste Winter, an den ich mich erinnern kann", sagt Kantelberg, Zscherp stimmt zu. "Wir feierten bei uns Silvester und auch einige Freunde von außerhalb waren gekommen. Doch die Hahnegass (Hanauer Straße) war so spiegelglatt gefroren, dass man nur auf den Knien weiterkam." 1978 waren es an manchen Tagen minus 20 Grad und so fror der nach draußen gestellte Sekt innerhalb von Minuten ein.

von ALEXANDER SEIPP

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