Bad Vilbeler Gymnasiasten erkunden

Wie können wir uns für eine bessere Gesellschaft einsetzen?

  • VonDieter Deul
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Den Menschenrechten widmet das Georg-Büchner-Gymnasium einen Aktionstag. Alle 57 Klassen erkunden in Workshops, Exkursionen und Diskussionen, wie man sich aktiv für eine bessere Gesellschaft einsetzen kann. Das reicht vom Nistkasten aus recyceltem Müll bis zur nachgestellten UN-Vollversammlung.

Der erste Eindruck vom Aktionstag: auch kleine süße Dinge können viel bewegen. Mara (13) und ihre Mitstreiter von der Schul-AG „Soziale Verantwortung“ haben zwei Tage lang gebacken. Nun verkaufen sie Zitronenmuffins, Schokokuchen und bunte „Unicorn-Stäbchen“. „Die Cookies sind schon aus, sagt sie erfreut. Denn die monatlichen Backaktionen füllen die Spendenkasse, sorgen dafür, dass behinderte blinde Kinder in Maroua / Kamerun gut unterrichtet werden können. Mara ist überzeugt, dass auch die Süßigkeiten mit Menschenrechten zu tun haben, denn „die Kinder in Kamerun brauchen mehr Hilfe.“

Silke Schellhaaß, Michael Reißfelder und Ely Eise haben den Tag als Orga-Team schon seit Dezember 2015 geplant. Gerade angesichts der aktuellen Weltlage, die von vielen Schülern als frustrierend erlebt werde, solle dieser Tag Möglichkeiten aufzeigen, wie man die Welt aktiv mitgestalten kann, sagt Schulleiterin Claudia Kamm. „Das kann man nicht im Unterricht vermitteln, das muss man leben“, ergänzt Schellhaaß. Alle derzeit 57 GBG-Klassen machen mit in fast 50 Workshops.

Am Anfang habe es unter den Lehrern auch Ängste gegeben, räumt sie ein, denn Chemie- oder Sportlehrer hätten im Unterricht wenig mit Menschenrechten zu tun. Doch es geht auch nicht nur um den Wortlaut der UN-Menschenrechtscharta, sondern deren Sinn: Chancen schaffen, damit eine bessere Zukunft möglich wird, sich aktiv engagieren für ein besseres Miteinander – auch mit der Natur.

Folter und Ortsbeirat

Kollegen, die selbst kein eigenes Projekt machen wollten, bot das Orga-Team eigene Ideen und Kontakte zu externen Honorarkräften oder Organisationen an. Die Menschenrechtsgruppe der Frankfurter Uni veranstaltet Workshops zu Todesstrafe und Folter, die Anne-Frank-Bildungsstätte einen Workshop über Diskriminierung. Eine Gruppe besucht die Bad Vilbeler Moschee, eine andere den Bad Vilbeler Kernstadt-Ortsbeirat.

Jede Jahrgangsstufe hat ein eigenes Themen-Motto: vom Thema „Nachhaltigkeit“ bei den Fünftklässlern über „Begegnung der Kulturen“ in der Stufe sechs über Menschenrechtsverletzungen (sieben), Diskriminierung (acht) und Extremismus (neun) bis hin zu Globalisierung, Migration und Bürgerbeteiligung vor Ort in der Oberstufe.

Das Ganze soll auch kein einmaliges Projekt sein, sondern künftig jährlich aufgelegt werden, kündigt Kamm an. Dann durchlaufen die Schüler-Jahrgänge hintereinander alle Themenfelder. Lebhaft geht es in der Klasse 8d zu. Dort gibt es ein Schultheater-Studio zum Thema „Geschlechter-Rolle-Mensch“. Alle Schüler stellen sich zu einem Standbild auf, das männliche und weibliche Rollenmuster zeigen soll. Sina (14) und Mia (13) finden das gut, denn Klischees verstellen den Blick auf das Gegenüber, schränkten im Umgang miteinander stark ein. Und „Mädchen können genauso gut zocken, wie Jungs“, findet Sina.

Angela Merkel spricht

Deutlich formaler geht es bei den Oberschülern der Q1e zu. Ihr Klassenzimmer wird zur UN-Vollversammlung in New York. National-Wimpel von Deutschland oder Russland stehen auf den Tischen. Der Workshop „POL&IS“ (Politik und internationale Sicherheit) wird von der Bundeswehr angeboten, das Thema heute: die Reaktion des UN-Sicherheitsrat auf die Syrienkrise im Jahr 2014. Die Schüler haben Rollenkarten, müssen aber ihre Position selbst weiterdrehen, so wie Cornelia Zwerenz in der Rolle von Kanzlerin Angela Merkel.

Bei den Fünftklässlern steht das Thema Recycling auf dem Programm. Fatih (11) hat aus einem Milch-Tetra-Pak einen Nistkasten gebastelt. „Das war gar nicht schwer“, findet er. Auch in der Musikklasse 6c von Uwe Heller findet sich rasch ein Anknüpfungspunkt an das Thema. Die Schüler üben gerade den achtstimmigen Kanon „Praise To Thee, My God“. Bei der Vielfalt der Stücke gehe es auch um Vielfalt und, dass man vor anderen Kulturen nicht gleich zurückschrecken müsse, sagt Heller.

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