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Eine paar wenige Seiten Papier, eine große Wirkung: Bürgermeister Thomas Stöhr und Festspielintendant Claus-Günther Kunzmann überlegen, welche Lehren für den Hessentag sie aus der nun vorgestellten Umweltbilanz der Burgfestspiele ziehen können. Sie wollen das Hessenfest klimaneutral gestalten.

Klimabilanz der Burgfestspiele vorgestellt

Wie können bei einem Großevent Umweltschäden vermieden werden?

Zum ersten Mal haben die Bad Vilbeler Burgfestspiele während einer Spielzeit Daten gesammelt, um eine Klimabilanz zu ermitteln. Ihnen ging es darum, wie viel CO2 bei solch einem großen Event frei wird und wie man Umweltschäden vermeiden kann. Schließlich will die Stadt den Hessentag 2020 klimaneutral ausrichten.

Einen ganzen Stapel bunt bedrucktes Papier hält der Intendant der Burgfestspiele, Claus-Günther Kunzmann, in der Hand. Zahlen, Grafiken und Skalen, die die Umweltexperten von First Climate zusammengetragen haben. "Das Büro, das sich mit grüner Energie, Wasser und Klimaneutralität beschäftigt, operiert weltweit, hat aber auch einen Sitz in Bad Vilbel", erklärt Kunzmann. Er hatte die heimischen Forscher vor der zurückliegenden Saison damit beauftragt, eine Klimastudie für die Festspiele zu erstellen.

Es war eine Art Testlauf. Denn der Hessentag 2020 soll klimaneutral werden. Das heißt: Dass er stattfindet, soll dem Klima nicht schaden. "Deshalb haben wir uns überlegt, dass es Sinn macht, sich erst mal in einem kleineren Format mit dem Thema zu befassen", erklärt Kunzmann, der auch der Hessentagsbeauftragter der Stadt ist.

In überschaubaren Maßstab sollte die Studie die Frage beantworten, wo bei Großveranstaltungen die Hauptquellen für schädliche Kohlenstoffdioxid-Emissionen sind – und wie man damit umgehen kann. Im Rathaus erhoffte man sich wichtige Erkenntnisse für die Ausrichtung des Hessenfestes.

Aufwendige Ermittlung

"Der Teufel steckt allerdings im Detail", sagt Kunzmann. Man habe gut überlegen müssen, welche Daten man erheben müsse, denn deren Sammlung sei enorm aufwendig. Beispielsweise die Gebäude in der Stadt, die mit den Burgfestspielen zu tun haben. Wie viele davon sollte man in die Studie aufnehmen? Die Verantwortlichen entschieden sich für die drei Hauptgebäude Scheune, Stadthaus und Burg.

"Die Daten für Heizung und Strom abzulesen, war allerdings noch mit das Einfachste", berichtet der Festspielintendant. "Schwieriger war es, den CO2-Ausstoß zu ermitteln, den das für Bühnenbilder verwendete Holz verursacht hat oder wie viel unser eigener Fuhrpark und auch die vielen Arbeitskräfte bei ihren Wegen generieren."

An vier verschiedenen Abenden hat das Festspiel-Team zudem die Gäste befragt, woher sie kommen und mit welchen Verkehrsmitteln sie angereist seien. "83 Prozent kommen mit dem Auto, sechs Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln und elf Prozent zu Fuß oder mit dem Fahrrad", weiß Kunzmann zu berichten.

Laut der Klimastudie, die First Climate angefertigt hat, ist der Bereich "Reise- und Transportverkehr" damit mit großem Abstand der schwerwiegendste. Insgesamt 1312,49 Tonnen CO2 haben An- und Abreisen der Gäste verursacht. Arbeitswege der vielen Mitarbeiter liegen lediglich bei 116,37 Tonnen und der Energieverbrauch der drei Hauptgebäude bei 198,05 Tonnen. Sonstige CO2-Quellen hinzugerechnet, liegt der gesamte Ausstoß der Festspielsaison 2018 bei 1895,75 Tonnen. Das entspricht rund 0,02 Tonnen CO2 pro Besucher. Zum Vergleich: Ein Jahr Auto fahren verursacht laut Umweltportal "atmosfair" im Schnitt etwa zwei Tonnen Kohlenstoffdioxid.

Besucher bleiben lang

Festzuhalten bleibt: Fast 70 Prozent der Schadstoffe verursacht der Verkehr. "Wir haben natürlich eine gute ÖPNV-Anbindung in Bad Vilbel. Doch wir spielen meist bis 22.30 Uhr oder 23 Uhr und viele Leute bleiben danach noch in der Gastronomie, um einen Wein zu trinken. Um diese Uhrzeiten kommt man zwar noch ganz gut zum Frankfurter Hauptbahnhof, aber danach wird es schon schwierig", führt der Intendant aus. Mehrfach hätten die Festspiele schon Möglichkeiten eines Kombitickets geprüft, also Eintrittskarten, die gleichzeitig zur Nutzung von Bus und Bahn berechtigen.

"Doch ist das für uns nicht abbildbar. Der Aufpreis pro Ticket, den wir an den RMV zahlen müssten, ist einfach zu hoch. Das trägt sich nicht." Doch sei der Plan, zukünftig Radfahrern Möglichkeiten zu bieten, ihr Gepäck, wie Trinkflaschen, Rucksäcke oder Sportklamotten sicher zu verstauen. Das könnte den Radverkehr zur Burg im Sommer anregen.

"Mich hat überrascht, dass der Energieverbrauch einen verhältnismäßig kleinen Posten einnimmt. Doch müssen wir uns nun überlegen, an welchen Schrauben wir drehen können", meint Kunzmann. Grundsätzlich seien die Zahlen mit Vorsicht zu sehen, denn man habe ja nicht alle Gebäude berücksichtigt und nur an vier Abenden die Gäste befragt. Konsequenzen aus der Studie will die Stadt aber trotzdem ziehen, Möglichkeiten hat sie aber nur wenige.

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