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Wollen den Kursteilnehmern helfen: BA-Büroleiterin Eva Raboldt (links) und Ökotrophologin Sylvia Becker-Pröbstel.

Krankheit

So können sich Krebskranke richtig ernähren

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Krebserkrankungen und deren Therapie haben Einfluss auf das Essverhalten und die Lebensmittelauswahl der Betroffenen. Der neue Kochkurs „Genussvoll essen – gestärkt gegen Krebs“ im Bad Vilbeler Haus der Begegnung will Mangelernährung vorbeugen.

„Plötzlich schmeckt der Kaffee sehr, sehr bitter, das Fleisch metallisch und Kräuter eklig“, weiß Ökotrophologin Sylvia Becker-Pröbstel aus Gesprächen mit Krebspatienten. Ursache für die teils gravierenden Geschmacksveränderungen sind Tumore, Chemo- und Strahlentherapie. Bei Gesunden können plötzliche Geschmacksveränderung und Gewichtsabnahme Alarmzeichen für eine Tumorerkrankung sein.

Ernährung spielt für den Erfolg der Krebstherapien und damit für das Überleben der Patienten eine Rolle: So verlängere ein schlechter Ernährungs-status Krankenhausaufenthalt und verringere die Toleranz der Therapien. „Mehr als 20 Prozent der Todesfälle sind bei Krebspatienten nicht direkte Folge des Turmorleidens, sondern auf Mangelernährung – auch bei Fettleibigkeit –, den Abbau von Körperfett und Muskelmasse und den daraus resultierenden Komplikationen zurückzuführen“, sagt Becker-Pröbstel. „Essen und Trinken gehören zu den wenigen Bereichen während einer Anti-Tumortherapie, in dem Betroffene und Angehörige selbst aktiv werden können.“

Um die Ernährung der Betroffenen zu verbessern, bietet die Ernährungswissenschaftlerin deshalb gemeinsam mit der Bürgeraktive (BA) Bad Vilbel im Haus der Begegnung (HdB) und vielleicht sogar mit Betreuung eines Kochs ab August einen Kochkurs an.

Er richtet sich an Betroffene, die bereits eine Therapie abgeschlossen haben, und deren Angehörige. Zurzeit sind noch Plätze frei. Jeder Kurs hat maximal zwölf Teilnehmer. „Für Patienten ist der Kurs kostenfrei.“ Teil jedes vierstündigen Kurses ist ein halbstündiger Theorieblock, der ins gemeinsame Kochen integriert wird.

Dort werden Fragen erörtert wie „Was lässt den Tumor nicht wachsen?“, „Was ist mit Nahrungsergänzungsmitteln? Fördern sie das Tumorwachstum oder gibt es Interaktionen mit Medikamenten und der Behandlung?“ Ein hoher Insulinspiegel beschleunigt etwa das Tumorwachstum, Omega-Drei-Fettsäuren dagegen sind entzündungshemmend.

Ziel des Kochkurses ist es, Nahrungsmittel so zu „verpacken“, dass sie vom Körper anders verarbeitet werden. Auf der Karte werden leckere Gerichte wie Rotbarsch auf Gemüsenudeln oder Kirschpudding mit Kokos-Stracciatella-Soße stehen.

Beim Kurs handelt es sich um die Praxisphase eines von der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Krebsgesellschaft „Prävention und integrative Onkologie“ (Prio) in Heidelberg initiiertes Pilotprojekts, das die Techniker-Krankenkasse finanziert. Die Kosten belaufen sich im Jahr auf etwa 83 000 Euro. Das Frankfurter Nordwestkrankenhaus griff das Projekt auf und entwickelte gemeinsam mit TV-Koch Mirko Reeh fünf Module und leckere Rezepte.

„Es ist wenig bekannt darüber, was Tumorpatienten schmeckt oder nicht“, sagt Ernährungsberaterin und -therapeutin Becker-Pröbstel. Denn die Patienten haben eine andere Geschmackswahrnehmung: Bei einem Kurs mit Krebspatienten in Frankfurt mit TV-Koch Reeh zeigte sich, dass etwa Vanille allen gut schmeckte. Im Kurs sollen Kräuter probiert, Soßen und Beilagen zubereitet werden.

Bad Vilbel ist neben Alsfeld, Birstein, Frankfurt, Kassel, Marburg und Wiesbaden ein Standort in Hessen, an dem das Projekt „Genussvoll essen – gestärkt gegen Krebs“ vorerst angeboten wird. Von der Aussage mancher Ärzte „Essen Sie, was Sie wollen und was schmeckt“ hält Becker-Pröbstel nichts: Diese zeugten von Unwissenheit bezüglich der Bedeutung einer individuell angepassten Ernährung bei Krebspatienten. Heute werde der Krebs oft früher erkannt, Betroffene lebten durch Behandlung und Medikation länger als noch vor einigen Jahren. Deshalb spiele auch die Ernährung eine wichtige Rolle.

Angesichts der vom hessischen Gesundheitsministerium veröffentlichten Zahlen – allein in Hessen erkranken rund 35 000 Menschen pro Jahr an Krebs – handelt es sich um eine große Gruppe, deren Lebensqualität und -dauer durch die Kurse verbessert werden können.

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