Stadtbibliothek Bad Vilbel

Ein Lächeln für die Bücher

  • vonDieter Deul
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Nach zwei Verstimmungen geht es in der Stadtbibliothek harmonisch zu. Die stellvertretende Leiterin Bettina Hoppmann-Schrader übernimmt ab Oktober die Verantwortung für das florierende Haus. Ihre Vorgängerin überstand nicht die Probezeit.

Es ist das strahlende Lächeln, das Bettina Hoppmann-Schrader nicht erst beim gestrigen Pressetermin aufsetzt. Wie engagiert die Diplom-Bibliothekarin ist, spürten im Sommer etwa die jungen Besucher des ersten Krabbel-Literaturkreises, denen sie Bilderbücher auch mit Hilfe der dort illustrierten Gegenstände eines Urlaubskoffers näher brachte. Für diese Termine wird ihr ab Oktober die Zeit fehlen, denn sie hat auch als Führungskraft weiter nur eine 60-Prozent-Stelle – aber eine höhere Besoldung.

Bereits im Mai 2014 hatte die Bibliothekarin Susanne Adolph in der im Oktober 2013 eröffneten Stadtbibliothek auf eigenen Wunsch gekündigt. Als Grund nannte sie damals fehlende Befugnisse. Ihre Stellvertreterin Hoppmann-Schrader leitete das Haus kommissarisch, bis im März 2015 unter 40 Bewerbern eine Nachfolgerin gefunden wurde: Monika Wystrach, frühere Leiterin der Hattersheimer Bücherei. Sie wurde nach Ende der Probezeit nicht übernommen. Über Gründe schweigt Kulturamtsleiter Claus-Günther Kunzmann, solche Details könnten sich im Internet-Zeitalter als Belastung für Bewerbungen erweisen. Nun hat sich Hoppmann-Schrader bereits auf die interne Ausschreibung gemeldet – erstmals. In den Vorjahren habe sie das aus familiären Gründen nicht gewollt, erklärt sie. Doch nun seien ihr 23-jähriger Sohn und ihre 27-jährige Tochter erwachsen genug.

Hoppmann-Schrader ist Jahrgang 1960 und gebürtige Hildesheimerin. 1983 beendete sie in Hannover die Ausbildung zur Diplom-Bibliothekarin. Nach Zwischenstationen an Bibliotheken und einem USA-Aufenthalt kam sie 1994 nach Bad Vilbel. Bis heute ist sie ehrenamtlich für die katholische Bibliothek der St. Nikolaus-Gemeinde tätig, leitete zwölf Jahre auch die Bücherei der Frankfurter Ziehenschule. Seit Dezember 2003 ist sie in der Bad Vilbeler Bücherei.

Geändert hat sich seither auch der Lesergeschmack. Sehr romanlastig sei es früher gewesen, mittlerweile blühe aber auch die Ratgeberkultur, vor allem Bücher über Essen, Trinken und Kochen. Mit dem Bau der Mediathek über der Nidda kommt nun etwas Neues hinzu: Die Bibliothek als „dritter Ort“, freut sich Hoppmann-Schrader. In einer Zeit, in der die Menschen sich immer mehr vereinzelten, vieles von zu Hause aus erledigten, erweise sich die Bibliothek als öffentlicher Ort: Nicht nur zum Bücher holen, sondern auch zum Aufenthalt, zum Arbeiten oder bloß zum Verweilen und Beobachten – „eine ganz wichtige Funktion“, betont sie. Gefragt nach ihrem Lieblingsbuch, holt sie Donna Tartts Roman „Der Distelfink“ hervor.

„Wir dürfen nicht starr werden, müssen die Entwicklung im Fokus behalten“, sagt Hoppmann-Schrader. Aktuell aber heißt die Herausforderung Kontinuität. Denn erst dieses Jahr sind etliche Lese- und Veranstaltungsreihen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene initiiert worden, an denen noch gefeilt werde. Gerade die Kinderreihen liegen ihr am Herzen.

Bereits in der alten Bücherei habe sie Führungen organisiert. Jetzt trägt Hoppmann-Schrader zusätzlich Verantwortung für 15 Mitarbeiter, davon drei in Vollzeit und vier mit halben Stellen. Hinzu kommen ein Azubi, eine Stelle im Freiwilligen Sozialen Jahr und Aushilfen. Binnen eines Jahres sind insgesamt 340 000 ausgeliehene Medien ausgelaufen. Die müssen, trotz elektronischer Rückgabe weiterhin per Hand wieder in die Regale zurückgebracht werden. Die Bibliothek ist Mitglied im hessischen „Onleihe-Verbund“, Medien können auch digital ausgeliehen werden. Doch die Organisation läuft nicht zentral, sondern wird auf die teilnehmenden Büchereien verteilt, schafft auch in Bad Vilbel zusätzliche Arbeit – etwa die Bestellung neuer Titel. Zudem sind zwei Mitarbeiter mit dem Thema EDV beschäftigt.

Doch auch die Bücherei wächst weiter. In diesem und dem kommenden Jahr stehen für Anschaffungen 93 500 Euro im Haushalt zur Verfügung – sobald dieser genehmigt ist. Dazu kommen Landeszuschüsse in Höhe von 12 500 Euro. In den nächsten Wochen wird Hoppmann-Schraders bisherige Stelle neu ausgeschrieben. Bis sie wieder besetzt ist, werden einige Aufgaben neu verteilt oder aufgeschoben werden müssen. Aber auch das lässt sie ihr entwaffnendes Lächeln nicht verlieren: „Die Vakanzzeit ist nicht neu.“

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