Heilsberger SSV

Sie lassen ihren Verein nicht im Stich

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Mit der Wahl des Neumitglieds Christopher Walter als neuem Vorsitzenden konnte der Heilsberger Sportverein SSV eine Führungskrise nach dem Abgang des langjährigen Vereinschefs Klaus Peter Schulz vermeiden. Doch es gibt zahlreiche weitere Baustellen: die Erneuerung des Kunstrasens und vor allem fehlende Trainingsplätze, weil die Stadt leerstehende Gebäude für Flüchtlinge vorhält.

Spannung lag bei der jüngsten Mitgliederversammlung des SSV Heilsberg in der Luft. Nach 31 Jahren wollte der Vorsitzende Klaus Peter Schulz (76) die Verantwortung endlich in jüngere Hände geben, doch nach seiner Ankündigung im Mai zeichnete sich ab, dass kein Mitglied die Verantwortung übernehmen wollte. Zudem hat der Verein schon seit zwei Jahren keinen zweiten Vorsitzenden mehr.

Dennoch kam es an jenem Abend nicht zur Hängepartie für die Sportler, denn der SSV-Boxer Matthias Hanke hatte über die drohende Vakanz mit einem Freund geredet – dem 51-jährigen Christopher Walter aus Eckenheim. Er hatte 1995 den lange Zeit hessenweit größten Bowling-Verein BV 95 Phönix gegründet und brachte sich als Kandidaten ein.

Walter trat im Oktober dem SSV bei und ist jetzt auch zum neuen Vorsitzenden gewählt worden – bei allerdings 17 Enthaltungen, die zeigen, dass er sich noch Vertrauen verschaffen muss. „Ich neige zum Helfersyndrom“, sagt er zu seiner Motivation. Zwar sei die Vereinsleitung, die Mitgliederverwaltung und das Rekrutieren neuer Mitglieder ähnlich, doch wolle er nicht gleich mit eigenen Ideen starten, erläutert Walter. Wichtig sei, zunächst die Abteilungen des SSV kennenzulernen und laufende Vorhaben weiterzuführen.

Davon gibt es inzwischen einige. Größtes Projekt ist die Erneuerung des Kunstrasens. 2001 war sie die erste Anlage dieser Art in Bad Vilbel, inzwischen ist sie längst in die Jahre gekommen. Freiliegendes Gewebe kann zur Stolperfalle werden. Der Landessportbund hatte den Kunstrasen schon 2014 für sanierungsbedürftig erklärt. Nun, im April 2018, soll der Kunstrasen erneuert werden, das habe die Stadt gerade beschlossen.

Weil die Sportler Nachbarschaftskonflikte wegen des Flutlichts vermeiden wollen, soll die Anlage ohne Laufbahn auskommen. Dadurch können die Lichtmasten drei Meter niedriger ausfallen, erklärt Schulz. Wegen des Schulsports an der Ernst-Reuter-Schule möchte der Wetteraukreis aber diese Bahn – allerdings sei er nicht der zahlende Auftraggeber der Anlage. Weiter düster steht es um den alten Rasenplatz des SSV. Er ist der einzige in Bad Vilbel ohne Beleuchtung, was ihn in der dunklen Jahreszeit und aus Sicherheitsgründen nur eingeschränkt nutzbar macht.

Zudem hat der SSV, – trotz der neuen Heilsberger Dreifeld-Sporthalle, deren Hauptnutzer der Verein ist – große Platzprobleme. Das liege daran, dass das Georg-Muth-Haus und die Brunnenschule weiterhin nicht genutzt werden können, erläutert Schulz. Beide Immobilien stehen derzeit zwar leer, werden aber von der Stadt weiter als Flüchtlingsunterbringungen vorgehalten. Tänzer, Turner, Boxer und Kickboxer des SSV mussten sich ein neues Domizil suchen.

Das schafft Engpässe, denn in der Dreifeld-Sporthalle konzentrieren sich jetzt die meisten Sportarten auf die Zeit von 17 bis 22 Uhr. Die Tischtennisspieler mussten die Brunnenschule verlassen, doch in der neuen Halle gibt ein unerwartetes Problem: Die Geräteräume sind zu klein für die Menge der Tischtennisplatten.

Die Boxer mussten ihren Trainingsaufbau ändern, denn für den vier mal vier Meter großen Ring war schlicht kein Platz mehr. Der Boxring hatte für alle anderen Sportarten in Halle 1 das Feld verkleinert und damit die Nutzung nur noch eingeschränkt zugelassen. Nun soll eine Konstruktion angeschafft werden, die in zehn Minuten auf- und wieder abbaubar ist.

Beim SSV, wie bei vielen Sportvereinen, gibt es zudem eine gegenläufige Entwicklung: Während sich die Angebote reger Nachfrage erfreuen, wollen viele Mitglieder selbst keine Verantwortung übernehmen – ein Problem, das sich nicht nur im Vorstand, sondern auch bei den Abteilungsleitern stelle, erklärt Pressewart Manfred Borchardt. „Das Ehrenamt schreckt ab“, meint gar der neue Vorsitzende Walter. Da helfe auch die steuerfreie 60-Euro-Aufwandsentschädigung pro Monat wenig. Aktuell wird beispielsweise ein Trainer für die E-Fußballjugend gesucht.

Dort, bei den Fußballern, läuft beim SSV fast alles rund, manchmal zu rund. Viele Abwerbungen hätten die erste Mannschaft geschwächt, so Schulz, aber dafür gebe es große Hoffnungen durch die hervorragende Nachwuchsarbeit. Auf dem Heilsberg gibt es allein 13 Kinder- und Jugendteams.

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