80 Prozent Ersparnis

LED-Licht ersetzt alte Straßenlaternen in Bad Vilbel

  • Thomas Kopp
    vonThomas Kopp
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In einem anderen Licht da stehen bereits Teile von Bad Vilbel: Zug um Zug werden in der Stadt die alten Straßenlaternen durch eine neue LED-Beleuchtung ersetzt. Ein Aufwand, der sich lohnt.

Etwa fünf bis zehn Minuten brauchen Stefan Wagner und Timo Grumbach vom Unternehmen Main-Franken-Netze aus Würzburg, um in Massenheim An der Au eine alte Natrium-Dampf-Laterne mit einem neuen LED-Aufsatz zu versehen. Während Grumbach unten am Schaltkasten Kabel lockert und neue verdrahtet, kümmert sich Wagner auf der Hebebühne um den Aufsatz. Er schraubt die alte Pilz-Lampe mit zwei 80-Watt-Birnen ab, manchmal muss er dabei etwas robuster zu Werke gehen, denn einige Schrauben haben sich festgesetzt.

Dann aber kommt der neue Aufsatz mit der sogenannten „Eco Ray“-Technik drauf, wird festgeschraubt. Grumbach befestigt die Kabel an der Steuereinheit, fertig. „28 bis 40 Laternen schaffen wir am Tag“, sagt Wagner. Trotzdem werden die beiden sowie insgesamt drei weitere Zweier-Teams, jeweils zwei Teams sind gleichzeitig in der Stadt, noch bis Ende Februar brauchen, um die knapp 4 000 Laternen im Stadtgebiet auszutauschen. Und da die Mitarbeiter auch in Bad Vilbel übernachten, können sie abends gleich noch die Funktionsweise der Laternen überprüfen.

Gronau und Massenheim sind bereits durch, auch in Dortelweil geht die Umrüstung dem Ende entgegen. In Massenheim fehlen aber noch elf Leuchten. Sie werden zunächst für den provisorischen Radweg am geplanten Kombibad eingesetzt und später an ihre ursprüngliche Einsatzsstelle, etwa an die Auenkunst, verfrachtet. Auch die Leuchten, die historische Gebäude anstrahlen, kommen im gesamten Stadtgebiet erst später zum Einsatz. Dort steht noch ein Testtermin für verschiedene Lichtfarben an.

„Als nächstes folgen soll der Heilsberg, dann die Kernstadt“, erläutert Matthias Bremer, Fachdienstleiter für Tiefbau und Abwasser bei der Stadt Bad Vilbel. In der Kernstadt gibt es allerdings noch Abstimmungsbedarf. So soll für den Kur- und den Burgpark noch ein Beleuchtungskonzept erstellt werden, auch für den Rad- und Fußweg vom FFH-Parkplatz zur Burg stehen noch Gespräche an.

Verantwortlich für den Großeinsatz ist das Unternehmen AEC Illuminazione mit seiner deutschen Niederlassung in Neu-Anspach. Cindy und Sven Dressel sind für das italienische Unternehmen hier als Marketingleiterin und Geschäftsführer aktiv. Das „Unternehmen wurde vor 60 Jahren gegründet, liefert weltweit aus, auch bis nach Australien und Neuseeland“, sagt Sven Dressel. Sechs Festangestellte arbeiten in Neu-Anspach, mit dem Vertrieb sind es rund 20 Mitarbeiter.

Weltweit sind 160 Menschen beim Unternehmen beschäftigt, das einen Umsatz von 60 Millionen Euro im Jahr erzielt. Über eine Million LED-Leuchten habe das Unternehmen bereits weltweit verkauft.

Betreut wird die Straßenbeleuchtung vom regionalen Stromversorger Ovag. „Gingen alte Lampen kaputt, konnte es bis sechs Wochen dauern, bis sie ausgetauscht wurden“, erläutert Bremer. Die neuen würden nun viel seltener getauscht werden müssen. Zudem gibt Hersteller AEC eine Garantie von zehn Jahren, wenn die Beleuchtung aus technischen Gründen ausfällt. Sie seien für eine Lebensdauer von rund 25 Jahren ausgerichtet. Die alten Natrium-Dampflampen hingegen hielten nur vier bis fünf Jahre, mussten dann ausgetauscht werden.

Und im Inneren der Schaltkästen ist ein QR-Code angebracht. Wird der etwa mit einem Smartphone gescannt, ist zu sehen, um welche Laterne es sich handelt und welche Ersatzteile in Frage kommen. „Da wir in Italien produzieren und keine Teile etwa aus China verwenden, können wir schnell nachliefern“, sagt Sven Dressel.

Doch was bringt das neue Licht? „Bei den alten Laternen hatten wir eher eine Lichtsuppe“, schildert Sven Dressel. Die neuen Lampen seien fokussierter, genau auf die Straße ausgerichtet. Sie können auch so eingestellt werden, dass sie etwa größere Verkehrsflächen und Plätze genau beleuchten. So gebe es weniger Hell-Dunkel-Phasen und weniger Lichtschmutz. Doch das erfordere auch ein Umdenken bei den Bürgern. Habe man sich früher eher mit Blick nach oben an den Laternen selbst orientiert, müsse man nun eben den Blick nach vorne auf die Straßen werfen.

Es gibt aber auch Beschwerden. „Manchen ist es zu hell, anderen zu dunkel“, fasst die Massenheimer Ortsvorsteherin Irene Utter (CDU) ihr zugetragene Kommentare zusammen. Das Licht habe eben nicht den alten Charakter, sondern komme klarer daher. Entschieden hat sich die Stadt Bad Vilbel für den Farbton „neutral weiß“, auch „kalt“ und „warm“ gab es im Angebot.

„Wir haben in der Siesmayerstraße einen Test gemacht, jeweils fünf Laternen der verschiedenen Leucht-Typen angebracht“, schildert Bremer. Das neutrale Weiß habe in Bezug auf Sicht und Farbspektrum am besten abgeschnitten.

Auch für Anwohner verbessere sich die Situation. Die Hausfassaden würden nicht mehr direkt angestrahlt, Rollläden müssten nicht mehr zwangsläufig heruntergelassen werden. Und auch für die Sicherheit gebe es einen positiven Effekt. „Das Licht wird zwischen 21 und 6 Uhr auf 50 Prozent Leistung gedimmt. Das gab es zwar bei den alten Laternen auch, doch fuhren diese nach 6 Uhr morgens nicht mehr in ihrer Leistung hoch. „Jetzt haben etwa Schulkinder, gerade in den Wintermonaten, mehr Licht auf ihrem Weg“, erklärt Cindy Dressel.

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