Burgfestspiele

Leipziger Pfeffermühle stellt ihr neues Programm „Agenda 007“ vor

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Großen Erkenntnisgewinn „mit Kulturbeiträgen der Verfassungsschutzgruppe“ der Leipziger Pfeffermühle hat es für das „politisch unentschlossene und über mittleres Einkommen verfügende Bürgertum Bad Vilbels“ gegeben. Franziska Schneider, Matthias Avemarg und Michael Rousavy boten mit ihrem neuen Programm „Agenda 007“ politische Satire, musikalisches Kabarett und fein gemahlenen Spott während eines Gastspiels im Abendprogramm der Burgfestspiele.

Mit beißender Schärfe geißelt die Leipziger Pfeffermühle bei ihrem Auftritt in der Bad Vilbeler Burg die Ängste und Intoleranz ihrer Landsleute. Immer wieder ist von Drohnen, Gefahrenlage, Kameraüberwachung und Zugriff die Rede. Verschiedene Facetten deutscher Befindlichkeiten werden reflektiert.

Zwischen Biss und Ironie gibt es Trompetensoli und die bitterböse Liedsatire „Alte Mütter“ („Alte Mütter haben Angst, sie wollen stets den Kaiserschnitt, und man macht, weil sie grad da sind, auch das Hüftgelenk gleich mit“). Seit dem Mauerfall verstecken die Ensemblemitglieder ihre Satire nicht mehr zwischen den Zeilen, sondern holen weit aus, um das politische Zeitgeschehen auf den Punkt zu bringen.

Dem Publikum wird ein Mix aus thematisierten Sujets wie Anti-Terror-Waffen, vernetzten Eltern, Gefährdern und totaler Überwachung geboten. Da taucht eine Drohne als Taube getarnt aus dem Instrumentenkoffer des Geheimdienstes auf, die imstande ist, einen Peilsender auf das Wagendach zu koten.

Großen Anklang findet eine spießig-satirische Einlage über den deutschen Kleingärtner. Ein potenziell syrisches Mitglied wird auf einem Gartenfest in spektakulär-halsbrecherischem Englisch begrüßt: „So sind wir very happy to have you here in our Schrebergartenkomplex, but the Kauderwelsch of the Muezzin can not be here in the Mittagszeit.“

Unterstützt von Marcus Ludwig am Klavier und Trompeter David Hobeck bringt das Trio mit beißendem Spott Licht in das geheimdienstliche Dunkel. Da gibt es den locker-flockigen Integrations-Blues oder die Rede eines gut integrierten Ausländers, der keine Angst vor der Pegida hat, weil seine Familie in Syrien größer als jede Montagsdemo ist. Der Wutbürger-Song von Kindern, die im Hof laut schreien, Parkplätzen die zugeparkt sind und Erdogan auf Staatsbesuch bleibt ebenso wenig aus wie ein Seitenhieb auf Beamte.

Fast nebenbei erfährt das Publikum dass „Da kann mer nix machen!“ der entscheidende Satz für eine Beamtenkarriere ist. Bei all dem Erkenntnisgewinn bleibt auch manchmal eine Gänsehaut, etwa wenn die Pfeffermüller feststellen: „Das KZ magst du überlebt haben, aber am deutschen Pflegenotstand kommste nicht so einfach vorbei“.

Bayerisch liebenswert wird es erst zum Schluss, mit aufgesetztem Jodler und Heiner Hansis Feststellung: „Wir lieben euch doch alle!“ Es ist eine Anspielung auf die bizarre Liebeserklärung von Stasi-Chef Erich Mielke am Ende seiner Karriere, die bei vielen Menschen als Lachnummer im Gedächtnis geblieben ist: „Ich liebe euch doch alle, alle Menschen“.

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