FDP moniert Regularien

Lösungen für bezahlbaren Wohnraum gesucht

Bezahlbarer Wohnraum ist kein Hexenwerk: Mit diesem Motto lud die FDP zu ihrer regelmäßigen Gesprächsreihe „FDP vor Ort“. Kern der Diskussion: Bauen sei in Deutschland viel zu kompliziert geworden.

Wie kann bezahlbarer Wohnraum ermöglicht werden? Diese Frage diskutierten die Freien Demokraten in Bad Vilbel bei ihrer Veranstaltungsreihe „FDP vor Ort“ im Lokal „Aldo Parente“. Als sachverständigen Redner begrüßte FDP-Ortsvorsitzender Thomas Reimann den Architekten Tobias Rösinger, der als geschäftsführender Gesellschafter des Frankfurter Immobilienplanungsbüros Wentz & Co. eine einstündige Präsentation hielt.

Im Anschluss stellte sich der Experte den Fragen der rund 25 Gäste, darunter auch der FDP-Landtagsabgeordnete und Vilbeler Stadtfraktionschef Jörg-Uwe Hahn. „Seit 1950 hat sich der Pro-Kopf-Wohnflächenverbrauch in Deutschland auf heute über 46 Quadratmeter verdreifacht“, stellte Rösinger fest.

Während der hierzulande im internationalen Vergleich hohe Bedarf an individuellem Wohnraum stetig gestiegen sei, habe auch die Regulierungsfülle stark zugenommen, so der Architekt weiter: „Das deutsche Steuerrecht ist mit seinen rund 17 000 Seiten für seine Penibilität berüchtigt. Doch selbst dessen Umfang verblasst vor den mehr als

20 000 Vorschriften

, Gesetzen und Normen für die Baubranche.“

In der Realität impraktikable oder gar widersprüchliche Bauanforderungen seien laut Rösinger ebenso ein Hemmnis wie die im internationalen Vergleich sehr hohe Besteuerung bezüglich der Erstellung von Wohnraum. Zudem scheine der aktuelle Abschreibungssatz von zwei Prozent für Häuser faktisch viel zu gering für die technikstarken Gebäude von heute.

„Wer neuen bezahlbaren Wohnraum schaffen will, muss im ersten Schritt die hohen seitens der öffentlichen Hand in Deutschland geforderten Abgaben in Angriff nehmen“, urteilte der Immobilienplaner. Die Beschäftigten der Baubranche gehörten jedenfalls bislang nicht zu Kostentreibern, da deren Gehälter im Branchenvergleich weit unterdurchschnittlich seien.

„Die FDP zieht mit der Forderung in den Landtagswahlkampf, die Grunderwerbsteuer von sechs auf drei Prozent zu halbieren“, merkte FDP-Kandidat Hahn an. Bereits im vergangenen Jahr habe die Landtags-FDP einen Antrag auf einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer in Höhe von 500 000 Euro eingebracht.

Bezüglich der Subvention von bezahlbarem Wohnraum differenzierte Referent Rösinger zwischen den Konzepten Objektförderung und Subjektförderung: „Bei der Objektförderung steht die Wohnung, bei der Subjektförderung der Mensch im Mittelpunkt.“ Zielführender wirke seiner Ansicht nach das Wohngeld im Zuge der Subjektförderung, bei dem die Mieter regelmäßig ihre Förderungswürdigkeit nachweisen müssen.

In der Diskussionsrunde bekräftigte Reimann sein Anliegen: „Eine gut strukturierte Planung ist notwendig, um langfristig mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Akut ist gezieltes Wohngeld für Bedürftige die gerechteste Lösung, um den Notstand zu beenden.“ red

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