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Mut machen für Hessentag: Party statt Pleite

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Von: Dieter Deul

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Statt Parteipolitik bot der CDU-Neujahrsempfang diesmal eine Info-Veranstaltung zur anstehenden Hessentags-Bewerbung Bad Vilbels für 2020. Gastredner und FFH-Chef Hans-Dieter Hillmoth machte den knapp 300 Zuhörern Mut: Das Event erzeuge nicht nur ein noch fehlende Wir-Gefühl in der Stadt. Mit den hohen Landeszuschüssen könne auch die Infrastruktur weiterentwickelt werden. Das bestätigten in einer Gesprächsrunde auch drei ehemalige Hessenstadt-Bürgermeister.

„Begrüßung, Vortrag, Gulaschsuppe!“, diese bisherige Programmfolge der CDU-Neujahrsempfänge sei diesmal durchbrochen worden, sagt Oswin Veith. Auf der Bühne steht der Butzbacher diesmal nicht als Bundestagsabgeordneter und Parteipolitiker, sondern gemeinsam mit Wolfram Dette (FDP) aus Wetzlar und Hans Benner (SPD) aus Herborn als ehemaliger Bürgermeister einer Hessentagsstadt in einer Diskussionsrunde. Die mögliche Bewerbung Bad Vilbels für die Austragung in 2020 ist diesmal Thema des Nachmittags, das fragend Motto „Party oder Pleite“ rein rhetorisch. Denn niemand, auch nicht die Gäste von der SPD, stellen die Chance infrage.

Sehr kurz fällt die Begrüßung durch den CDU-Vorsitzenden Tobias Utter aus, der die Parteipolitik in der Minimalversion zum Ausdruck bringt. 2016 sei ein besonderes Kommunalwahljahr gewesen, die CDU errang eine deutliche Mehrheit, besetzt Ortsvorsteher und den Bürgermeisterposten. Er fühle sich schon „ein bisschen wie Prinz Charles“, scherzt er, weil seine Frau Irene in Massenheim Ortsvorsteherin ist, dazu noch Fraktionschefin, er aber nur einfacher Ortsbeirat und Stadtverordneter. Dazu komme, dass die Stadt 2019 schon rechnerisch schuldenfrei sei, aber es laufen noch Kredite.

Gastfreundschaft der Stadt

Dann ist auch schon nach einem Abba-Medley des Bad Vilbeler Akkordeonorchesters Hans-Dieter Hillmoth am Mikrofon, ein für den Geschäftsführer und Programmdirektor von Radio FFH vertrauter Job. Seit 2001 genieße sein Sender die Gastfreundschaft der Stadt lobt er und bricht gleich eingangs mit der Skepsis des Veranstaltungstitels „Hessentag – Part oder Pleite“. Denn „Wenn eine Stadt wie Bad Vilbel den Hessentag nicht stemmen kann, welche Gemeinde in Hessen sollte das dann hinkriegen?“ Es habe schon Hessentagsorte gegeben, „da führte nur eine Landstraße durch“. 28 Hessentage haben Hillmoth und seine Kollegen schon begleitet, aber ein Patentrezept könne er nicht bieten: „Jede Stadt ist anders“.

Dafür legte er einen Neun-Punkte-Katalog vor mit Dingen, auf die es für eine erfolgreiche Bewerbung und Vorbereitung ankommt. Ganz oben steht da die Gewissheit: „Wir machen das“. Bei den Bürgern und in der Verwaltung müsse eine klare Mehrheit dafür sein. Und nicht nur mit einem bloßen Bekenntnis, denn in Punkt vier heißt es: „Wir sind Bad Vilbel“. So eine Großveranstaltung könne die Bürger zusammenschweißen, ein solches Wir-Gefühl fehle Bad Vilbel noch, findet Hillmoth. Zu sehr denke man noch in Ortsteilen. „Dieses Gefühl entwickelt sich durch gemeinsames Handeln“. In Oberursel, einer vergleichbaren Stadt, sei das „sehr positiv gelungen“.

Aber es gilt auch, Schwierigkeiten zu bedenken. „Der Hessentag kostet Geld“ (Punkt zwei), das sei aber „nicht zum Fenster rausgeworfen“ (Punkt drei), betont Hillmoth. Denn beim Wettbewerb der Standorte im Rhein-Main-Gebiet habe die Gewerbesteuer als Lockmittel an Bedeutung verloren, es gehe mehr um weiche Faktoren, wie die Neue Mitte, die Europäische Schule, das geplante Bad. Die Landeszuschüsse für den Hessentag könnten ein wichtiger Baustein für diese Weiterentwicklung sein. Da gehe es um Zuschüsse bis zu zehn Millionen etwa in Herborn.

Aber es gibt auch Herausforderungen. Das Hessentagsteam müsse „extrem belastbar sein“, von Verwaltung und Veranstaltungsmanagement Ahnung haben, zumal sich das Land aus der Planung heraushalte. Dafür aber böten sich die Macher früher andere Hessentagsstädte als hilfreiche Experten an. Auch besorgte Fragen wie „wie komme ich in meine Garage?“, seien lösbar, niemand müsse im Hotel übernachten. Schwieriger wird es beim Thema der Konzerte, dem großen Zugpferd der Hessentage.

Hillmoth schockt die Zuhörer mit den 400 000 Euro, die ein Pink-Konzert in Stadtallendorf gekostet habe. Doch dafür werde ja auch Eintritt gezahlt. Auch der Einzelhandel dürfe nicht gleich mehr Umsatz erwarten, aber Flair und Imagewerbung zahlten sich mittelfristig aus.

Zuschuss erhöht

Wie das Ganze praktisch aussieht, erläuterten anschließend die drei Hessentags-Bürgermeister. Dette, bis 2015 Wetzlarer Oberbürgermeister, wies auf eine maßgebliche Veränderung hin, weswegen der noch bis vor wenigen Jahren kritische Hessentag wieder auf starkes Interesse stoße. Statt einer halben Million wurde der Landeszuschuss deutlich erhöht, in Herborn auf 3,5 Millionen Euro. Wetzlar habe zudem 17 Millionen für den Bahnhof erhalten. „Die Chancen überwiegen die Risiken“, etwa schlechte Witterung oder Sicherheitsauflagen. Die damals 900 ehrenamtlichen des Wetzlarer Hessentags seien noch immer als Team bei anderen Veranstaltungen aktiv, “„auch das ist ein Stück Identität“.

1,8 Millionen Euro habe der Hessentag Herborn gekostet, rechnet Bürgermeister Benner, „aber den Mehrwert durch Landesprogramme spüren wir noch nach Jahren“, fügt er sogleich hinzu. Auf diesen Mehrwert setzt auch Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU), der in einer Hessentagsbewerbung eine große Chance sieht für weitere Investitionen ins Kurhaus, in die Bahnverbindung, die Ortsteile und für den Naturschutz.

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