"school.fm" in Bad Vilbel

HR macht mit Bad Vilbeler Achtklässler mit Radioprojekt

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Radio machen wie die Profis, das lernen Achtklässler der John-F.-Kennedy-Schule (JFK) in einem Workshop des Hessischen Rundfunks. Ab Februar wollen sie wöchentlich auf dem Schulhof Programme übertragen.

Wenn plötzlich die eigene Stimme aus dem Lautsprecher tönt, „das ist komisch“, findet Tim (13). Für den Achtklässler und acht weitere Realschüler aus dem Wahlpflichtunterricht verwandelt sich die John-F.-Kennedy-Schule in das kleine Studio von „Radio JFK - Just for Kids“. JFK-Lehrer René DiRienzo ist selbst ein Technikfan, der regelmäßig selbst komponierte Musicals an der Schule in Szene setzt. Er hat sich beim HR für dessen gerade gestartetes Projekt „school.fm“ gemeldet. „Das ist was komplett Neues“, sagt er. Auch die Bedingungen waren schnell erfüllt: Ein separater Computerraum mit Laptops.

Dort sitzen die Schüler jetzt in einem Workshop mit Rolf Müller. Der HR-Redakteur befindet sich in Altersteilzeit und ist Optimist: „Wir zeigen den Schülern in drei Tagen, wie Radio geht.“ Und das mit überschaubaren Mitteln. Das Technik-Set, das er mitgebracht hat, koste kaum 500 Euro, das könne die JFK erwerben und das Radio-Projekt später als AG weiterführen, blickt DiRienzo nach vorne.

Doch bevor es jetzt an die Praxis geht, haben die Schüler schon vier Wochen Theorie hinter sich. Zunächst lernten sie den „Radiokoffer“ kennen, mit Mikro, Kopfhörer, einem Mini-Mischpult, mobilen digitalen Aufzeichnungsgeräten und einer Software. Nur den Laptop muss die Schule stellen. Das alles passt auf eine Schulbank. In der zweiten und dritten Woche waren Sprechproben und deren digitale Bearbeitung dran. Danach zogen die Schüler los und machten Interviews in der Stadt.

Jetzt geht es darum, das Ganze schnell sendereif zu machen. „Leicht“ findet das Benjamin, der mit dabei ist, „weil mir Technik Spaß macht.“ Gerner hätte er bei Radio FFH ein Praktikum gemacht, aber das ging nicht. Nun ist er René DiRienzos rechte Hand, wenn es darum geht, den Schülern die Software zu erklären. Viele Schüler sind eher von der Faszination Radio angelockt worden. „Weil mir das Spaß macht“, sagt Lara: „Zu wissen, wie das so ist mit dem Radio.“ Joelle freut sich auch über die Zusammenarbeit in der Gruppe und das Lernen über das Radiomachen.

Die Neun im Workshop haben Glück, denn eigentlich hätten alle 75 Mitschüler diesen Wahlpflichtkurs belegt, sagt DiRienzo – statt der „normalen“ Unterrichtsstoffe Töpfern, Werken oder Kochen. Doch das würde den Workshop sprengen. Müller bietet den Radiofans ein straffes Programm, zu lernen, wie man etwas aufnimmt, den Ton schneidet, Texte schreibt, moderiert, Themen recherchiert. Zum Einstieg gibt es ein harmloses Thema: Bad Vilbel – und die Kennedy-Schule: Was dort toll ist und welche merkwürdigen Dinge es dort gibt, etwa einen Lehrerchor, in dem nur Männer mitsingen dürfen.

Später sollen die Schüler über alles, was sie selbst spannend finden, berichten dürfen, kündigt DiRienzo an. Vielleicht etwas über Mobbing – oder den Lieblings-Popstar. Auf dem Computer sind auch jede Menge aktuelle Songs aus den Charts gespeichert, die Müller mit einem schnellen Zug am Mischpult einspielt. Dass Aufnahmen vom Schulchor die Mitschüler nicht lange zum Zuhören bringen, sei ihm klar, sagt DiRienzo.

Doch mit den Pop-Hits gibt es auch ein Problem: Die Gema-Lizenzen. Die Radiosendungen werden nicht übertragen, auch nicht im Internet, sondern nur per Lautsprecher auf dem Schulhof – eine halbe Stunde in der Mittagspause. Das soll ab Februar im zweiten Schulhalbjahr wöchentlich stattfinden, bis dahin vereinzelt. Wenn die ersten Beiträge stehen, sollen sie im Internet zugänglich sein – ohne Musik. Auch die JFK-Schülerzeitung ist seit Mai 2015 online.

Das Projekt biete den Schülern „jede Menge Kompetenzen“, sagt Müller: „Ein ganz anderes Auftreten, Selbstsicherheit, Kommunikationskompetenz.“

Wenn die Kennedy-Schüler Glück haben, können sie den Wettbewerb mit vier anderen hessischen Schulen gewinnen. Das Radioprojekt führt HR 3 zusammen mit dem Netzwerk Rundfunk & Schule des hessischen Kultusministeriums durch. Dabei können auch die Lehrer noch etwas lernen, auch für sie gibt es Workshops.

Noch sind die angehenden Kennedy-Radiomacher etwas unsicher wegen der Technik, aber Benjamin beruhigt sie: „Wenn etwas schief läuft, machen wir das wieder gut.“

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