Mitmach-Zirkus Rondel

Manege frei für die Kinder

  • vonDieter Deul
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Alle 242 Saalburgschüler werden in dieser Woche zu Zirkusartisten. Die Trapeztänzer, Feuerkünstler, Akrobaten, Clowns, Jongleure und Tierdompteure proben kräftig für drei Vorstellungen am Wochenende in der großen Manege am Festplatz.

Das gibt es in der Schulturnhalle nicht oft: mit nacktem Oberkörper und einer Fackel in der Hand stehen die Grundschul-Jungs da und üben das geordnete Auftreten. „Ich hatte das Feuer auch schon einmal auf der Zunge – und auf Arm und Hand“, erzählt Ben (9). Angst? „Nicht so richtig“, meint er. Lukas (7) hat die Flammen sogar auf der Zunge gehabt, „aber es war nicht heiß“, findet er.

„Ich war von Anfang an an den Fakiren interessiert“, sagt Hriso (10), „das ist sehr spannend, wird dem Publikum sehr gut gefallen. Da kriegt man Aufmerksamkeit“, sagt er. Wie das geht, mit Feuer und dem Nagelbrett, ohne sich wehzutun? Da schweigen die jungen Artisten, das soll wohl ein Zirkusgeheimnis bleiben.

Im zwölf Meter hohen gelben Zelt am Festplatz nimmt gerade Zirkusdirektor René Ortmann auf der Trapezschaukel Platz. Er nimmt kurz Schwung – fasst eine der jungen Trapez-Artistinnen und schwebt mit ihr in die Luft. Dann gibt es knappe Anweisungen. „Kopf in den Nacken!“, „Füße hoch und seitwärts!“ Die Darbietungen haben Namen wie „Vogelnest“ oder „Engel an der Hand“.

„Die Mädchen sind unheimlich mutig“, hat Lehrerin Iris Tolksdorf beobachtet. Sie ist erstaunt, wie schnell die Schüler lernen. Am ersten Tag haben sie sich mit Übungen vorbereitet: Körperhaltung, richtiges Stehen, Körperspannung. Jeder darf zwei bis fünf Kunststücke einstudieren, aber erst bei den Vorführungen geht das Trapez ganz nach oben. Dort hat Schulleiterin Evelyn Neumann am Montag ihre Schüler schon bei einer ersten Vorführung überrascht.

„Wir sind durch die Lüfte geschwebt, das hat Spaß gemacht“, sagt Lilli (9). Die Trapezübungen sind ihr nicht ganz fremd: „Das haben wir in Turnen schon am Boden gemacht“, etwa den Spagat. Auch Kim (10) war in der Turnhalle schon so hoch geturnt. Die Zirkus-Übungen findet die Tochter einer Sportlehrerin „schon schwer, aber sie sind einfach zu verstehen“.

Das liegt auch daran, dass René Ortmann und sein Team vom Zirkus Rondel aus Peine seit 21 Jahren auch als Pädagogen und Trainer unterwegs sind. Über die Bad Vilbeler Schüler ist er des Lobes voll: „Alle machen super mit.“ Für jeden ist etwas dabei, es gibt insgesamt 21 Aufgaben. Und jeder habe die Rolle bekommen, die er sich ausgesucht habe, schildert Ortmann. Ein Vorturnen war nicht nötig, aber Ortmann schaute genau hin, ob die Schüler für die Auftritte geeignet seien. Elf Trainer stehen den Erst- bis Viertklässlern zur Seite.

„Von Montag bis Donnerstag holen wir das Beste aus ihnen heraus“, sagt Ortmann, denn „alle stehen im Mittelpunkt und sind Hauptakteure“. Nach nur fünf Stunden und 15 Minuten sollen alle Kinder zirkusreife Auftritte geben können.

Auch das Training wird gerecht verteilt. Alle Kinder können an drei Tagen je 105 Minuten üben. Sei es am Trapez und Trampolin oder als Clowns, die einen Fotografen veralbern oder als Tierdompteure mit den Ponys Max & Moritz und Ziegen oder Tauben. Natürlich werden auch das Verbeugen nach dem Auftritt und der geordnete Abgang einstudiert.

Statt in ihre Klassen laufen alle Saalburgschüler diese Woche jeden Tag zu Festplatz oder Schulturnhalle. Wer nicht dran ist, fertigt in der Schule Accessoires an, wie die farbigen Stoffbändchen, die zeigen, an welcher Vorstellung das Kind teilnimmt.

Auch Malen nach Musik, das Anfertigen von Zirkusbildern oder Tanzübungen stehen auf dem Programm. Bis zur großen Premiere am Freitag ist es nicht mehr lang. Die Eltern mussten beim Aufbau des 700-Mann-Zeltes am Sonntag mit anpacken, sie sind Betreuer und für die Restauration zuständig.

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