Bad Vilbels heutiger Stadtteil war einst reger Handelsplatz

Massenheim: Ein Ort, der nach ganz Europa verkaufte

Die Stadt Bad Vilbel kann auf eine ausgesprochen lange und umfangreiche Geschichte zurückblicken. Wie zahlreiche Spuren und Funde menschlicher Kultur beweisen, ist die Region bereits in frühgeschichtlicher Zeit bewohnt. Die Geschichte der Bad Vilbeler Stadtteile soll in einer Serie gezeigt werden. Dafür hat die FNP das Stadtarchiv durchforstet. Heute geht es um Massenheim.

Bereits im Februar des Jahres 775 wird Massenheim erstmals urkundlich in der noch heute üblichen Schreibweise erwähnt. Der Name kommt aus dem Fränkischen und bedeutet „Heim des Masso“. Durch den von 1618 bis 1648 andauernden Dreißigjährigen Krieg werden große Teile des Orts zerstört, so auch die 1298 errichtete evangelische Kirche. Sie wird wieder aufgebaut und 1695 erneut eingeweiht. Um die Kirche lag früher der Friedhof, der 1856 auf der anderen Seite des Erlenbachs neu angelegt wird.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ist Massenheim ein reines Bauerndorf. Erst ab dieser Zeit beginnen Handwerksberufe sich anzusiedeln, zu denen dann noch Gewerbebetriebe hinzukommen. Besonders stark vertreten sind die Leinenweber: Mitte des 19. Jahrhunderts stehen noch 23 Webstühle im Ort.

Handel in Frankreich

Massenheimer Tuche und Stoffe werden nach ganz Europa, aber insbesondere in Holland, im Elsaß und Frankreich verkauft. Wann genau die Arbeit am letzten Webstuhl eingestellt worden ist, ist nicht hundertprozentig sicher, sehr wahrscheinlich in der Zeit zwischen 1910 und 1915.

1731 wird eines der schönsten Fachwerkhäuser des Ortes mit Scheune und Hirtenhaus errichtet. Es wird bis zum Jahr 1965 als zweites Schulhaus und bis zur Angliederung an Bad Vilbel 1972 als Rathaus verwendet. Im Parterre befindet sich heute das Massenheimer Heimatmuseum, wo unter anderem Gegenstände einer Schusterei, einer Hausschlachtung und Schmiedewerkzeuge zu sehen sind, aber auch Arbeiten der Leinenweberei.

Wirtschaftlich spielt neben dem Gewerbebetrieb auch die örtliche Ziegelei eine große Rolle. Julius Peters legt im Jahr 1898 mit dem Bau eines Ringofens für Mauersteinbrand den Grundstein für den großen Betrieb, der viele Arbeitsplätze schafft. Sein Sohn Hans Peters, späterer Bürgermeister Massenheims, führt die Ziegelei dann als Geschäftsführer weiter. 1936 erwirbt die Firma Tonwerk Fritz Strauch den Betrieb und verbessert ihn ständig.

Wahrzeichen gesprengt

Der alte Ringofen wird 1973 abgerissen. Ein moderner Tunnelofen mit neuer automatischer Steuerung und einem 60 Meter hohen Schornstein wird errichtet. Letzterer ist lange Zeit ein Massenheimer Wahrzeichen, wird jedoch im November 2015 gesprengt und die Produktion in dem seit 1989 von Michael Strauch geführten Unternehmen in Massenheim wird eingestellt. Anschließend entsteht am Standort der Ziegelei ein neues Wohngebiet mit rund 90 Häusern.

Wie auch die Geschichte der Leinweber ist die Geschichte der Massenheimer Ziegelei im Heimatmuseum ausführlich dargestellt. Im Jahr 1972 schließt sich die bis dahin selbständige Gemeinde Massenheim innerhalb der Hessischen Verwaltungs- und Gebietsreform Bad Vilbel an.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelt sich der kleine Ort, der zu Beginn des Zweiten Weltkrieges gerade mal 500 Einwohner hatte, zu einer Gemeinde mit fast 2400 Einwohnern. Heute ist Massenheim ein Ort, den alle Bevölkerungsschichten bewohnen. Die meisten Bürger gehen ihrer Arbeit im nahen Rhein-Main-Gebiet nach.

Neue Wohngebiete haben sich etabliert, Gewerbebetriebe und Wohnhäuser entstehen Am Stock und im Quellenpark. Mittlerweile kann man die Landwirtschaft betreibenden Familien an einer Hand abzählen. Doch es gibt bis heute urige Wirtschaften im dörflichen Stil und ein reges Vereinsleben.

Wer mehr über die Geschichte Massenheims erfahren möchte, kann das erwähnte Heimatmuseum, An der Kirche 8 in Massenheim besuchen. Es hat samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Mehr Informationen gibt es auf .

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