Flüchtlinge

Micro-Apartments: Erste Familien ziehen hier ein

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Mit einem guten halben Jahr Verspätung sind nun die ersten Flüchtlinge in die Micro-Apartments in der Rodheimer Straße eingezogen. Ob die Stadt wegen der Verzögerung weitere Schritte ergreift, muss sich indes noch herausstellen.

Auf dem Herd der kleinen Küchenzeile steht ein Eintopf. Zwei Sofas, ein Tisch, ein kleiner Fernseher auf einem Regal machen das Wesentliche des Wohn- und Esszimmers der ersten Familie aus, die seit vergangener Woche in einem der Micro-Apartements in der Homburger Straße wohnen. Die jungen Eritreer haben im November ihr erstes Kind bekommen.

Sie fühlen sich wohl hier in der neuen Bleibe, sagt der junge Vater noch etwas verschlafen. Denn nun gibt es eine Privatsphäre, die in den anderen Unterkünften der Stadt Bad Vilbel nicht immer gegeben sind. „Vor allem das eigene Bad ist ein großer Vorteil für Familien“, weiß die Bad Vilbeler Flüchtlingskoordinatorin Susanne Förster beim Rundgang durch die endlich bezugsfertigen Wohnungen.

Eigentlich sollten schon im Mai/Juni vergangenen Jahres die ersten Flüchtlinge in dem Bau einziehen. Doch es gab Probleme mit der Brandmeldeanlage. „Da es in den anderen Flüchtlingsunterkünften öfter zum Auslösen der Anlagen kommt, wollten wir hier kein Risiko eingehen und warten, bis wirklich alles aufgeschaltet ist“, ergänzt Förster.

Die Stadt wird noch eine Bauabnahme vornehmen. „Die Experten müssen dann beurteilen, ob es Versäumnisse beim Bau gab“, schildert Stadtsprecher Yannick Schwander das weitere Vorgehen. Doch er erwähnt auch die vielen rechtlichen Vorgaben, die es für dieses und ähnliche Gebäude gegeben habe. „Das ist auch für viele Unternehmen neu und schwer umzusetzen“, verweist er auf die 28 Brandmelder mit entsprechend komplexer Verschaltung.

Jetzt aber geht es zügig weiter mit den Einzügen. Noch in dieser Wohnung sollen zwei weitere anerkannte Flüchtlings-Familien einziehen, eine mit einem, eine mit zwei Kindern. Die kommen aus verschiedenen Einrichtungen der Stadt. Es gehe nicht darum, ein Haus jetzt leerzubekommen, sondern den Familien Rückzugsmöglichkeiten zu geben.

Aber auch Singles und Paare kommen. Denn 22 der 28 Wohneinheiten sind für Familien zu klein. Sie haben nur ein Zimmer, das als Küche, Wohn- und Schlafzimmer dient. Knapp 17,5 Quadratmeter stehen inklusive Bad zur Verfügung. Die großen Einheiten haben ein Extra-Schlafzimmer, sie kommen auf gut 36 Quadratmeter. So sind es auch eher die Familien, die begeistert von der Möglichkeit des Umzugs sind, erläutert Förster. Bei den Paaren sei das schwieriger. „Manche entscheiden sich auch dafür, weiterzuziehen“, sagt sie. Denn mit der Anerkennung haben die Flüchtlinge freie Wohnortwahl. Einer sei nun etwa in Saarbrücken gelandet. „Manche träumen immer noch von 50 Quadratmetern und mehr und lehnen deswegen ab“, schildert Förster weiter.

Dass man bei dem Gebäude mit Kosten von rund 1,5 Millionen Euro nicht von Anfang an auf mehr größere Einheiten gesetzt hat, kann Schwander erläutern. „Das war alles etwas anders gedacht.“ Anerkannte Flüchtlinge waren von Anfang an Bestandteil des Plans. Aber auch Studenten der Technischen Hochschule und Schauspieler der Burgfestspiele sollten hier günstige Bleiben finden. Nun dient das Haus aber zunächst nur Flüchtlingen.

Für manche Flüchtlinge klappt sogar der Traum von der eigenen größeren Wohnung, 91 Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte sind 2017 ausgezogen, manche haben in Bad Vilbel auf dem freien Markt etwas gefunden. „Man kann aber nicht davon ausgehen, dass das jedes Jahr so sein wird“, weiß Förster. Doch immerhin sei in den vergangenen Jahren einiges geschehen. Wie viele der Flüchtlinge in Arbeit oder Ausbildung stehen, kann sie nicht sagen, denn die Flüchtlinge haben keine Mitteilungspflicht. Doch Förster weiß, dass viele jener Menschen, die schon länger in Bad Vilbel sind, inzwischen das Deutsch-Zertifikat der Stufe B 1 erworben haben.

Die Situation der Flüchtlinge in der Region finden Sie in unserem Dossier

Es ist insgesamt etwas ruhiger geworden, auch wenn die Stadt Bad Vilbel im ersten Quartal theoretisch 65 Menschen aufnehmen müsste. Diese Quoten nimmt der Wetteraukreis jedoch nur selten in Anspruch. 170 der derzeit 444 in der Quellenstadt lebenden Flüchtlinge sind anerkannt. Und die meisten wollen in Bad Vilbel bleiben, „die Kinder gehen hier zur Schule, mit den Ehrenamtlichen Helfern sind Freundschaften entstanden. Bad Vilbel ist eine gute Stadt“, zählt Förster die Gründe auf. Doch gerade für Familien mit drei bis fünf Kindern wird es schwer, hier eine Wohnung zu finden.

Trotzdem müssen einige Flüchtlinge noch auf ihre Familien warten. Bundespolitisch ist der Nachzug derzeit ausgesetzt, doch auch andere Probleme gibt es. „Zwei bis drei Familien haben noch vor Ablauf der Frist den Antrag auf Nachzug gestellt. Oft fehlen nötige Formulare. Von einer Mutter weiß ich, dass sie einen DNA-Test abgeben muss, da bezweifelt wird, dass es sich wirklich um ihre Kinder handelt, die nun hierher ziehen sollen.“

Auch wenn manche nicht in die neuen Unterkünfte ziehen wollen, nimmt die Stadt nicht jeden hier auf. „Wir schauen schon, wie sich die Menschen in den anderen Unterkünften verhalten haben, ob es Schäden gab.“ Alleine gelassen werden die Flüchtlinge im Haus nicht. Schon beim Umzug hilft die Stadt mit. Dann gibt es auch weiterhin Sozialarbeiter, die sich um sie kümmern und Ansprechpartner sind, städtische Hausmeister schauen, ob alles in Schuss ist und auch bleibt.

Die Couch vom Sperrmüll soll deswegen von Anfang an draußen bleiben, eigene Möbel werden durch sie begutachtet und mit Aufklebern versehen. Dann dürfen sie in den Wohnungen bleiben. Für immer soll dies aber auch keine Option sein. „Es bleiben Übergangswohnungen“, sagt Förster mit Bestimmtheit.

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