Die alleinerziehende Mutter will auch weiterhin ihre Wohnungstür aufschließen können. Ihr droht die Zwangsräumung.
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Die alleinerziehende Mutter will auch weiterhin ihre Wohnungstür aufschließen können. Ihr droht die Zwangsräumung.

Obdachlosigkeit

Mutter mit drei Kindern droht die Zwangsräumung

  • VonChristine Fauerbach
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Die gesellschaftliche Schere in Deutschland klafft immer weiter auseinander. Das bekommt eine Alleinerziehende mit drei Kindern deutlich zu spüren. Nach dem Verlust des Arbeitsplatzes, bedingt durch gesundheitliche Probleme, droht ihr jetzt die Zwangsräumung.

Die Alleinerziehende aus Bad Vilbel will aus Angst ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Sie schwankt zwischen Verzweiflung, Angst, Ärger und Wut. „Ich möchte in dieser Wohnung bleiben. Hier ist unser Zuhause. Meine zehnjährige Tochter hat hier ihre Freunde, meine große Tochter ist 21 und in Ausbildung, und mein 17-jähriger Sohn kommt immer am Wochenende.“ Die Chancen auf einen Verbleib in der Wohnung sind gering.

Eigentümerin der Wohnung im Sechsfamilienhaus ist die Genossenschaft für Bauen und Wohnen (GBW) in Bad Vilbel. Diese besitzt 671 eigene Wohnungen im Stadtgebiet. Im Herbst 2017 kündigt die GBW am 30. September der Mieterin. Begründet wird dies mit Beschwerden anderer Mieter und Mietrückständen. Die Mieterin legt mit Hilfe eines Rechtsanwaltes Widerspruch gegen die Kündigung ein.

Unregelmäßige Mietzahlung

Es kommt im Dezember 2017 zu einem Gerichtstermin, bei dem die Richterin der Mieterin eine Räumungsfrist bis zum gestrigen Karfreitag einräumt. Am kommenden Dienstag, 3. April, ist die Wohnungsübernahme terminiert.

Die Geschäftsführerin der GBW Nancy Kabisch sagt: „Die Mieterin wohnt seit Sommer 2014 in der Wohnung. Von Anfang an gingen die Mietzahlungen unregelmäßig ein. Die Mieterin hat seit dem Urteil keine Miete mehr gezahlt und auf keine unserer Mahnungen reagiert. Wer sich so verhält, darf sich nicht wundern, wenn er gekündigt bekommt.“

Kommt es am Dienstag nicht zur Wohnungsübergabe, dann schaltet die GBW einen Gerichtsvollzieher ein.

Der terminiert eine Zwangsräumung, organisiert ein Umzugsunternehmen und informiert die Stadt. „Auf der Straße wird die Frau auf keinen Fall stehen. Sie wird im Rahmen der Obdachlosenverhinderung untergebracht und ein Zimmer beziehungsweise ein Mikroappartement in einer Notunterkunft erhalten“, sagt Jörg Heinz, Leiter des Fachbereichs Soziale Sicherung.

Doch die Mieterin möchte in ihrer Wohnung bleiben, bestreitet ausstehende Mietzahlungen. „Ich habe von November bis heute meine Miete gezahlt, was die Kontoauszüge meiner Bank belegen.“ Die Mietrückstände seien durch Fehler des Jobcenters Wetterau zustande gekommen, bedingt durch verspätete Zustellung des Mietvertrages seitens der GBW. „Ich bin durch meine Erkrankung vom Amt abhängig.“ Zu den von der GBW vorgebrachten Beschwerden von anderen Mietern sagt sie: „Wir sind ruhige Mieter. Das haben mir vier der anderen fünf Familien schriftlich bestätigt.“

Schuldnerberatung

Bernhard Wiedemann, Geschäftsführer des Jobcenters Wetterau, sagt: „Wir haben vor einem Jahr für die Frau eine Betreuung und ein individuelles Coaching durch eine Mitarbeiterin von Frauen – Arbeit – Bildung beauftragt, eine Schuldnerberatung und einen Rechtsanwalt organisiert sowie das Jugendamt eingeschaltet. Zudem haben wir Mietrückstände durch Ratenzahlungen übernommen. Sollten erneute Mietrückstände angelaufen sein, würden wir helfen, um einen Verlust der Wohnung zu vermeiden.“

Dies ist vom Einverständnis der GBW abhängig. Versäumnissen seitens des Jobcenters widerspricht der Geschäftsführer: „Es ist eine schwierige Situation. Alle beteiligten Parteien arbeiten intensiv an einer Lösung.“ Da die große Tochter der Mieterin über ein Einkommen verfüge, müsse sie einen Teil der Miete zahlen. Die Alleinerziehende, die seit 2013 Leistungen durchs Jobcenter erhält, sei in Anwesenheit ihres Anwaltes aufgeklärt worden. Die Mieterin sagt, dass sie erst am 26. März von ihrem Anwalt erfahren habe, dass es keine Verlängerung des Mietvertrages gebe. Sie habe mehrfach beim Bürgermeister und im Wohnungsamt vorgesprochen. Sie betont, dass sie sich nichts habe zuschulden kommen lassen. Sie bricht in Tränen aus: „Entschuldigung, aber ich bin mit den Nerven am Ende.“

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