Gotteshäuser der Quellenstadt

Die "Nacht der Kirchen" erleuchtet Bad Vilbel

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Zum dritten Mal haben die christlichen Gemeinden in Bad Vilbel zur Nacht der Kirchen eingeladen. Viele hundert Menschen waren unterwegs und besuchten die Gotteshäuser, die für Andachten und Begegnungen geöffnet sind, in denen Musik erklingt, Lichtspiele installiert sind und in denen Vorträge gehalten werden.

Von außen kennen viele die syrisch-orthodoxe Kirche, deren schlanker weißer Glockenturm mit dem Kreuz aus dem Einerlei der Gewerbebetriebe in Massenheim hervorsticht. Es ist der jüngste Kirchenbau in Bad Vilbel, 2017 wurde er eingeweiht. Wie das Gotteshaus von innen aussieht und von der Gemeinde mit spirituellem Leben erfüllt wird, das erlebten die Besucher bei der Nacht der Kirchen.

Einladend weit ist die Kirchentür geöffnet. Gemeindemitglieder heißen die Besucher willkommen. Im Eingangsbereich stehen Kaffee und Gebäck bereit. Erst zögernd, aber dann mit schnellen Schritten betreten die Besucher den hellen, langgestreckten Kirchenraum und suchen sich einen Platz in den Kirchenbänken.

Es ist Zeit, die schönen Glasfenster mit den zehn Aposteln zu betrachten und die Bildnisse, die den Altarraum schmücken. Links die Mutter Gottes, rechts Johannes der Täufer und über allem schwebend Gott Vater mit weit ausgestreckten Armen. Zum Auftakt berichtet Gemeindemitglied Jessica Lahdow (25) über die Situation der aramäisch-assyrischen Christen im Nordirak. Zweimal war die junge Frau dort, 2016 und 2017.

Sie zeigt Fotos von zerstörten Häusern und Kirchen, vom Wiederaufbau dank Nachbarschaftshilfe und wie mancherorts die Hoffnung keimt auf Frieden, auf „Shlama“, wie es auf aramäisch heißt. „Mich hat der Vortrag interessiert, deswegen bin ich gleich zur ersten vollen Stunde in diese Kirche gekommen“, erzählt ein Besucher. „Eine schöne Kirche“, sagen viele.

Die Besucher lauschen dem Chorgesang von traditionellen Kirchenliedern, nutzen die Möglichkeit, Fragen zu stellen, herum zu gehen, vom Gebäck zu naschen und verabschieden sich dann freundlich. „Ich war schon beim ökumenischen Eröffnungsgottesdienst in der Christuskirche und möchte jetzt zur Evangelischen Kirche von Massenheim gehen“, sagt Besucherin Marina Petras (33). Einen etwas weiteren Weg haben Stephan und Kathrin Jockel vor sich, die an der Kirchenführung in Sankt Nikolaus teilnehmen wollen. In der „Arche“, dem evangelischen Gemeindehaus in Dortelweil, sind sie bereits gewesen.

Andere Kirche, andere Stimmung. Mitten im alten Ortskern von Massenheim steht die sehr kleine und sehr alte Dorfkirche und ist an diesem Abend von vielen Kerzen erhellt. Zu jeder vollen Stunde erklingen Taizé-Gesänge und Instrumentalmusik.

Wer möchte, kann an verschiedenen Gebetsstationen ein Gebet sprechen, es aufschreiben, eine Sanduhr umdrehen und sich Zeit nehmen. Kerzen, Dunkelheit und meditative Musik tun ihre Wirkung. Still setzen sich die Besucher in die Bänke, lauschen, halten inne, stehen auf, gehen zu den Stationen und tun, was ihnen ihr Inneres aufgibt.

Einige befragen die Konfirmanden, die alles mit vorbereitet haben, oder stehen mit einem Glas Tee in der Hand vor der Kirche und unterhalten sich mit Gemeindemitgliedern. Wer mehrere Kirchen aufsuchen will, muss sich sputen. Denn schnell vergeht die Zeit in den Kirchen, die jede für sich zu jeder vollen Stunde ein kleines Programm vorbereitet haben.

„Blech zum Auftakt“ gibt es um 19 Uhr auf dem Vorplatz der Heilsberger Heilig-Geist-Kirche. Um 20 Uhr wird es richtig voll in dem Gebäude, als die Fotoshow „Heilsberg damals und heute“ gezeigt wird. Denn vor siebzig Jahren wurde ein großes Holzkreuz auf dem Hügel errichtet und später von dem modernen Kirchenbau des Architekten Werner Neumann ersetzt. Groß wurden Kirchen damals gebaut, in einer klaren nüchternen Raumsprache, aus Beton und Glasbausteinen. Zur Nacht der Kirche wirkt sie aber ganz anders.

„Wer reinkommt, wird vom Licht geflasht“, sagt Kirchenvorstandsmitglied Melanie Dudda, die zum Kreis der dreißig Ehrenamtlichen gehört, die alles vorbereitet haben. Denn dank einer ausgefeilten Lichttechnik wechselt die Beleuchtung im Kircheninneren von gelb und rot in blau und lila, von hell ins Dunkle.

„Wir möchten Atmosphäre zaubern und den Besuchern ermöglichen, Kirche anders zu erleben“, betont Dudda. So sitzen beim Konzert der Jugendband und des Jugendchores die Besucher in einer Kirche, die im wechselnden Licht ihr nüchternes Aussehen verliert.

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