Flüchtlinge in der Wetterau

Natascha Reinhold kümmert sich in Bad Vilbel um Flüchtlinge

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Es ist ein großes Feld, das Natascha Reinhold zu beackern hat. Im Auftrag des Bad Vilbeler Flüchtlingshilfevereins und bezahlt von der Stadt soll sie dafür sorgen, dass die über 400 Flüchtlinge in der Stadt den nächsten Schritt machen, Arbeit und Wohnung finden. Einfach ist das nicht, doch Reinhold geht die Sache entspannt an.

Im Hof des früheren Rathauses in der Parkstraße sitzen Natascha Reinhold und Angelika Ungerer sowie Shaha Abi Dabiri, genießen die Frühlingswärme. In Sachen Integration haben Ungerer, die Vorsitzende des Flüchtlingshilfevereins Bad Vilbel, und Reinhold, seit Mitte Februar für die Integration der Flüchtlinge zuständig, genug zu tun. Doch das geht auch ohne deutsche Verbissenheit.

„Ich bin mittendrin, statt nur dabei“, sagt Soziologin Reinhold. Und das merkt man auch. Denn die Flüchtlinge haben Vertrauen in sie, kommen mit ihren auf Bürokratendeutsch geschriebenen Briefen oder wollen nur mit ihr plaudern und dabei ein paar Tipps bekommen, wie sie in ihrer neuen Heimat weiterkommen können.

So etwa der 25-jährige Iraner Shaha Abi Dabiri. Er ist seit anderthalb Jahren in Deutschland, spricht schon fast fließend Deutsch. Zuhause im Iran hat er viele Tätigkeiten ausgeübt, er ist handwerklich geschickt. Sein Hauptjob war es allerdings, in Hotels für ausländische Gäste zu übersetzen. In Deutschland will er sein Studium der Elektrotechnik an der Friedberger Fachhochschule THM fortsetzen, doch aus seinem B1-Zertifikat in Deutsch muss er noch ein C1 machen.

Dabiri ist auf seinem Weg, doch auf eigenen Füßen stehen kann er noch nicht. Die 33-jährige Natascha Reinhold hilft, muss aber auch deutlich machen, dass noch nicht alles geht. Dazu sagt die Vereinsvorsitzende Ungerer: „Ein Handwerksberuf dort ist nicht mit einem hier vergleichbar.“ So scheitere es oft nicht nur am Fachvokabular, sondern auch an den Hilfsmitteln selbst. Während man hierzulande Wandfarbe etwa noch mit Wasser anmischen müsse, sei dies in anderen Ländern oft nicht so.

Deswegen sollen die Flüchtlinge Praxisluft schnuppern können. Ganz praktisch. „Ich baue gerade ein Netzwerk mit Unternehmern auf, die Flüchtlinge als Praktikanten zu sich nehmen.“ Man muss die Menschen dort abholen, wo sie sich in ihrem Werdegang befinden, ist ihre Meinung. Arbeitgeber sollen Stärken und Schwächen der jeweiligen Bewerber kennenlernen können, die Praktikanten andererseits die deutschen Standards, ohne die es hierzulande nicht gehe.

Die Agentur für Arbeit ist ein wichtiger Ansprechpartner, doch nicht der einzige. Auch beim Berufsbildungswerk Südhessen in Karben hat Reinhold vorgesprochen, ebenso bei der Technischen Hochschule Mittelhessen. Einen weiteren Versuch unternehmen Reinhold und Ungerer mit einer Jobmesse. Die Stadt Bad Vilbel hat dafür das Kultur- und Sportforum als Veranstaltungsort zugesagt, Arbeitgeber, die Agentur für Arbeit und die Flüchtlinge sollen hier zusammenkommen.

Denn sich gegenseitig Kennenlernen lautet das Prinzip. Das gilt auch für die nächste Hürde: Wohnungen. Gut 120 Flüchtlinge in Bad Vilbel sind bereits anerkannt, doch zum allergrößten Teil befinden sie sich noch in den städtischen Flüchtlingsunterkünften. Holen sie ihre Familien nach, wird es schnell zu eng. Doch eine größere Wohnung ist derzeit nicht drin.

„Ich bekomme 400 Euro, darf 160 Euro dazuverdienen. Das reicht nicht für eine Wohnung“, ist sich Shaha Abi Dabiri sehr über die Kostenstrukturen in Deutschland bewusst. Auch hier ist Natascha Reinhold aktiv, sucht den Schulterschluss mit der Arbeiterwohlfahrt, der Nachbarschaftshilfe. Hoffnung bereitet ihr das Mehrgenerationenwohnen. Denn hier könnten Flüchtlinge gemeinsam mit Senioren wohnen, im Gegenzug für eine verbilligte Miete im Haushalt helfen.

Das Wichtigste sei es, gegenseitige Denkblockaden abzubauen, findet Angelika Ungerer. Aushänge auf Wohnungsgesuche sind ohne Resonanz geblieben. Deswegen setzt sie nun auf den direkten Kontakt. Das Quellenfest in zwei Monaten soll dabei helfen. Denn einige Flüchtlinge werden dort auftreten und sich sehen lassen. Ein weiterer Schritt in ein neues Leben.

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