Mobbing und andere Gefahren aus dem Internet

Im Netz ist nicht alles nett

  • vonDieter Deul
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Über die Gefahren von Smartphones & Co. klärt ein Kripo-Beamter Sechstklässler der John-F.-Kennedy-Schule (JFK) auf. Dass sie aufpassen müssen, ahnen die Schüler. Aber auch die Eltern sind gefordert. Liebe, Geborgenheit und Aufmerksamkeit seien der beste Schutz, damit ihre Kinder nicht zu Tätern oder Opfern werden.

Wer hat alles ein Smartphone, fragt Kriminalhauptkommissar Wolfgang Schulz in der 6cF. Die meisten Hände gehen hoch. Auch in sozialen Netzwerken sind die Zehn- bis 13-Jährigen aktiv, tauschen Botschaften über Whatsapp, teilen Bilder über Instagram oder gehen mit Livestream-Übertragungen über Younow auf Sendung, zu denen man ebenfalls live Kommentare abgeben kann.

„Die fallen manchmal heftig aus“, weiß Schulz aus beruflicher Erfahrung. Neun Jahre lang ermittelte er bei der Friedberger Kripo Schuldelikte – die Hälfte davon Mobbing-Fälle. Seit drei Jahren ist er Jugendkoordinator, ist in Sachen Aufklärung an über 40 weiterführenden Schulen des Kreises unterwegs. An die JFK holte ihn die 6c-Klassenlehrerin Gela Helm-Kraemer. Ihr gab zu denken, dass Mitschüler einander über eine Whatsapp-Gruppe beleidigten. Diese Probleme gebe es jetzt nicht mehr, wohl aber Aufklärungsbedarf, findet sie. Deshalb soll es nächstes Jahr auch einen Elternabend zum Thema geben.

Aufs Bauchgefühl hören

Wie die Kinder mit den Medien und ihren Mitschülern umgingen, sei auch Erziehungssache, betont Schulz. Zumal Kinder bis 14 keine erzieherischen Maßnahmen zu befürchten haben. Erst danach drohen Sozialstunden, Täter-Opfer-Ausgleich, Anti-Aggressionstraining. Bei der Untersuchung von Mobbingfällen habe er sich gewundert, welche Kinder sich nachts noch in Chatforen aufhielten. Er schildert auch den Fall eines Jungen, der seiner Mutter eines Tages sagte, er wolle keine Freundin und mit Frauen nichts zu tun haben. Wie sich herausstellte, hatten ihm „Freunde“ einen Porno aufs Handy geschickt, die dort gezeigten Handlungen hatten ihn verstört. Schulz riet den Schülern, auf ihr Bauchgefühl zu hören – „auch wenn ihr dann als Feiglinge bezeichnet werdet.“ Offen erzählten die Schüler von ihren Erlebnissen. In der 3. und 4. Klasse habe er noch das Kampfspiel „Transformer“ gespielt, jetzt nur noch Football- und Golfspiele zwei Stunden am Wochenende, „damit meine Noten besser werden“, so ein Junge.

Geborgenheit macht stark

Ein anderer berichtet von einem Anrufer, der ihm zugeraunt habe: „Ich weiß, wer du bist“. Das habe ihm Angst gemacht, er habe das seiner Mutter erzählt. Schulz lobt ihn, „nicht jeder Junge in diesem Alter kann über seine Gefühle sprechen.“ Aber genau darum geht es: offen miteinander umzugehen. Mobber suchten sich nämlich nie gleichstarke Gegner aus, sondern Opfer. Kinder, die zu Hause Liebe, Geborgenheit und Aufmerksamkeit fänden, seien gestärkt.

Aber heute sei „leider eine stressige Zeit, es gibt Trennungen, finanzielle Sorgen, Zeitmangel“, so Schulz. Und die Enttäuschten machten auf „dicke Hose“. Schulz rät den Schülern, auch am anonymen Internet nur das zu tippen, was sie den Betroffenen auch unter vier Augen sagen würden. Aber manchmal kommt es anders. So habe jemand das Konto eines Jungen gefälscht und darüber Mitschüler beleidigt. Die wiederum verprügelten anderntags gleich den vermeintlichen Urheber. Das hätten sie bereut. erinnert sich Schulz, „aber da war es zu spät, die Schmerzen waren da.“

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