Zahlreiche Projekte

Die neue Bauamtsleiterin hat die Zukunft Bad Vilbels im Blick

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Sieben Monate war die Leitung des Bad Vilbeler Bauamts unbesetzt. Mit Gudrun Pache hat sich die Stadt nun einen Tausendsassa ins Boot geholt. Die 55-Jährige will das Amt mit knapp 80 Mitarbeitern weiter in die Moderne führen.

Wenn Gudrun Pache ins Reden kommt, merkt man, dass sie dem Thema Bauen mit vollem Herzen verbunden ist. Deswegen zögerte sie nicht, als sie die Stellenausschreibung für die Leitung des Bauamtes in Bad Vilbel las. Seit 1. Juli ist sie nun dabei.

Zweifel? „Nicht unter dem Schutzschirm“, sagt sie knapp. Die Stadt ist liquide, viele Projekte können ohne die wachsamen Augen der Kommunalaufsicht angestoßen werden. Und dann steht da noch der Hessentag 2020 im Raum, „da wird Action geboten“, ist sie sich sicher.

Das Bauamt mit 18 Mitarbeitern in der Kernverwaltung und weiteren 60 im Betriebshof, Tief- und Hochbau hat derzeit viel zu tun. „Auch wenn nicht alles spektakulär klingt“, schränkt Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) ein, der froh über die Anstellung des Multitalents ist. „Sie hat einen breiten Erfahrungsschatz in allen Bereichen des Bauens“, fügt der Baudezernent hinzu (siehe Box). Ein großer Teil der anfallenden Arbeit beschränke sich auf die Gebäudeunterhaltung, etwa von Kitas, Feuerwehrgerätehäusern oder städtischen Wohnungen.

Die größten Projekte der Stadt laufen über die Stadtwerke. Gudrun Pache ist froh darüber, dass dort reichlich Kompetenz anzutreffen ist. Trotzdem hat sie schon Gespräche mit Betriebsleiter Klaus Minkel aufgenommen. Ergebnis: Einige Projekte werden fortan wieder von der Stadt betreut, so dass die Stadtwerke mehr Freiräume erhalten. So etwa der Neubau des Bürgerhauses und einer Kita auf der Zigeunerwiese auf dem Heilsberg.

Auch der Jugendclub am Heilsberger Christeneck gehört zu den größeren Vorhaben der Stadt. „Das hat momentan Priorität“, sagt Pache. Doch genauso birgt der Hessentag gewaltige Herausforderungen. So muss die Innenstadt bis dahin in neuem Glanz erstrahlen. Das betrifft nicht nur das Historische Rathaus am Marktplatz und das Stadthaus, Sitz des Sozialamtes und der Burgfestspiel-Verwaltung in der Friedberger Straße, sondern auch andere Fassaden in der Straße, den Niddauferweg und andere Bereiche, wie die geplante Hessentags-Arena auf dem Segmüller-Gelände nördlich der Nordumgehung.

Hinzu kommen Spezialprojekte, so etwa die nötigen Bauten für Flüchtlinge. Und auch die Kläranlage erfordert in den kommenden Jahren Aufmerksamkeit. Derzeit geht es um die Einrichtung einer Deammonifikationsstufe, danach um die vierte Reinigungsstufe zum Filtern von etwa Medikamentenresten. Die Stadt hat hier bereits ein Grundstück angekauft, um bei entsprechenden Vorgaben des Gesetzgebers sofort reagieren zu können.

Es ist nicht nur die Vielfalt der Aufgaben, die Pache reizt, sondern auch der Blick nach vorne. „Baukosten bestehen zu 20 Prozent aus dem Bau selbst und zu 8 Prozent aus der Nachsorge“, weiß sie. Deswegen schätzt sie es, dass sich die Stadt nicht scheut, vorab auch einmal etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, um nachhaltig günstiger zu bleiben.

Das klappt noch besser, wenn auch die bestehenden Pläne möglichst viele Details enthalten. Digitalisierung lautet die Devise. Pache beschäftigt sich damit schön länger. Sie will nun die bestehenden Einzelpläne verschiedener Abteilungen und Behörden zusammenführen, um so den meist zweidimensionalen Plänen die Tiefe als dritte Dimension hinzuzufügen. Das betrifft nicht nur etwa Straßen – hier soll ein entsprechendes Kataster mit jeweiliger Zustandsbeschreibung erstellt werden –, sondern auch städtische Gebäude.

Alle Abteilungen der Stadt sollen so Zugriff auf die Pläne erhalten, um etwaige Hindernisse bei anstehenden Arbeiten berücksichtigen zu können. Beispiel: Das Tiefbauamt sieht auf einen Blick, wo Bäume (in Zuständigkeit des Grünamtes) Bauarbeiten behindern können.

Nachhaltigkeit ist aber auch ein weiteres Stichwort, wenn es um den Wohnungsbau geht. „Das ist das Thema der kommenden Jahrzehnte im Rhein-Main-Gebiet“, ist sich Wysocki sicher und erntet ein Nicken von Pache. Deswegen sei nicht nur der Bau von Wohnungen für Gering- und Mittelverdiener in Dortelweil-West angelaufen. Ähnliche Projekte in Alt-Dortelweil, Massenheim und im Berkersheimer Weg würden beständig vorangetrieben. Und sie werden auch nach Bedarf verändert.

So kann Wysocki den Unmut der Anwohner im Bücher-Areal im Quellenpark nördlich der Nordumgehung verstehen, die sich nun mit einer dichteren Bebauung anfreunden müssen. Doch erstelle die Stadt zunächst ein städtebauliches Konzept. Wenn der Investor aufgrund dieses Konzeptes aber in der Realität nicht die ihm zugesicherte Baudichte erreichen kann, müsse die Stadt dynamisch reagieren.

Eines ist für Wysocki aber klar: Die Befürchtungen zum Beispiel einer Massenheimer Bürgerinitiative, am Ortsrand entstehe ein Ghetto, werden sich nicht bewahrheiten. „Da entsteht kein Riesen-Wohnblock.“ Das zeige auch der Bauplan von Alt-Dortelweil, wo sich die geplanten Gebäude in die Nachbarschaft einfügten.

„Abwägung“ ist deshalb auch ein wichtiges Wort für Pache. „Ich möchte mir alle Seiten anhören und dann nach der optimalen, weil für alle Seiten verträglichen Lösung suchen.“ In ihrem neuen Job jedenfalls fühlt sich die 55-Jährige „pudelwohl“. Sie könne die Stadtentwicklung in vielen Bereichen vorantreiben und habe nicht nur motivierte Mitarbeiter, sondern in Wysocki auch einen Vorgesetzten, „der in vielen Themen schon drin ist und den man jederzeit ansprechen kann“.

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