Bauarbeiten

Neue Ovag-Rohre werden unter Hochdruck verlegt

Am Mittwochnachmittag sprudelte eine rund 20 Meter hohe Wasserfontäne am Bad Vilbeler Nordbahnhof. Nur wenige Tage zuvor arbeiteten die Mitarbeiter der Ovag auf einer äußerst komplizierten und zeitkritischen Baustelle nur wenige hundert Meter weiter in Richtung Südbahnhof.

Es war am vergangenen Wochenende ein Wettlauf gegen die Zeit: Exakt 36 Stunden hatten die Mitarbeiter der Sparte Wasser bei der Ovag und die von ihnen beauftragten Firmen, um mitten in Bad Vilbel einen neu gebauten Leitungsabschnitt an das bestehende System anzubinden, wie der Anschluss im Fachjargon heißt. Warum 36 Stunden? „So lange reicht der Vorrat in den Hochbehältern der Kunden, die von uns mit Trinkwasser versorgt werden“, erläutert Franz Poltrum, stellvertretender Leiter der Abteilung Wasser bei der Ovag.

Zugleich nimmt Poltrum dem genannten Zeitfenster ein wenig von seiner Dramatik: „Natürlich gehen alle sehr gut vorbereitet und äußerst konzentriert an solch ein Projekt. Trotzdem kann immer etwas Unvorhergesehenes geschehen, so dass man einen Plan B haben muss. Erfreulicherweise lief bisher alles reibungslos, so dass wir auch dieses Mal das Zeitfenster einhalten konnten“, resümiert Poltrum.

Zwei- bis dreimal im Jahr hat es die Ovag mit derart umfangreichen Neuverlegungen und Anschlüssen zu tun. Die jetzige Verlegung war notwendig geworden wegen des viergleisigen Ausbaus der S-Bahn-Strecke in Bad Vilbel. Projektleiterin Yvonne Brichet zum Hintergrund: „Die neue Strecke wäre über unsere bestehende Leitung verlaufen. Das hätte bedeutet, wir wären nicht mehr an dieses Wasserrohr herangekommen, der gesamte Lastbereich der Bahnanlage hätte auf die Leitung eingewirkt und Schäden verursachen können. Beispielsweise, dass die Gleise nicht mehr befahrbar oder gar Teile des Gleisbettes weggeschwemmt werden.“

Alle Geräte doppelt da

Also wurde die Verlegung einer etwa 230 Metern langen neuen Trinkwasserleitung geplant sowie der Bau eines neuen Entleerungsbauswerks mit Anschluss an einen Regenwasserkanal. Die neue Leitung hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern, besteht aus Stahl, ist umhüllt mit PE-Kunststoff und ist ausgekleidet mit Zementmörtel. „Der eigentlichen Umbindung“, so Martin Wenzel, verantwortlich für die Planung des gesamten Rohrleitungsnetzes, „gingen mehrwöchige Planungen voraus. Nicht nur die Absprachen mit den von uns beauftragten Baufirmen, sondern auch mit den Kunden, welche Tage am unkritischsten sind für die vorübergehende Abstellung der Leitung. Bevorzugt nimmt man dafür Tage im Frühling oder Herbst.“ Zu den Absprachen mit den Baufirmen gehört, dass diese sicherstellen, alle benötigten Geräte für den Bau doppelt vorzuhalten für den Fall, dass eines ausfällt. Wie gesagt: Im Zweifel zählt jede Minute.

36 Stunden – das bedeutet Schichtbetrieb für alle Beteiligten sowie nicht alltägliche Arbeitszeiten. „Um 2 Uhr in der Frühe ging es los, haben wir das alte Rohr außer Betrieb genommen“, blickt Yvonne Brichert zurück. Wie das funktioniert? Ein sogenannter Schieber unterbricht den Fluss des Wassers, aus jenem Teilstück, das stillgelegt wird, lassen die Monteure langsam das sich darin befindliche Wasser ab – ein Vorgang, der sich über mehrere Stunden zieht. „Es handelt sich dabei um ungeheure Wassermassen, manchmal über Tausend Kubikmeter. Würde man die auf einen Schlag aus dem Rohr entfernen, könnten auf Grund der Menge und des Drucks, erhebliche Schäden durch das abfließende Wasser entstehen. Ein denkbares Vakuum in der Leitung selbst könnte die Leitung im schlimmsten Fall zum Implodieren bringen, wäre nicht für ausreichende Belüftung gesorgt“, sagt Martin Wenzel. Deshalb geschieht das Entleeren gezielt über kleinere Entleerungsleitungen.

Mit Argusaugen dabei

Anschließend erfolgt die Trennung der bestehenden Trinkwasserleitung und der Ausbau von zwei bis drei Rohrlängen, um Platz zu schaffen für die Verbindungsstücke von neu auf alt. Die Verbindungsstücke werden in den Rohrgraben gehoben und die Verbindung zwischen beiden Leitungen hergestellt. Immer dabei mit Argusaugen auf den Zeitplan: fünfzehn Mitarbeiter der Ovag. „Allein schon, um sofort eingreifen zu können, um den Kontakt mit dem Versorger in Frankfurt zu halten, falls der Plan nicht eingehalten werden sollte.“

Die Kollegen der Ovag werden nicht nur in Sachen Baustellenüberwachung eingesetzt, der größte Teil wird vor und nach der eigentlichen Baumaßnahme zum Entleeren und Befüllen der betroffenen Leitungsabschnitte benötigt. Die bis zu 15 Kollegen verteilen sich an den wichtigen Stellen des Leitungssystems. Genauso langsam wie das alte Wasser abgelassen wird, wird es nämlich wieder eingelassen. Die Schieber werden vorsichtig geöffnet, damit die Luft an den Lüftungsschächten langsam und vollständig entweichen und Platz schaffen kann für das Wasser. Würde Luft im System verbleiben, könnte dieses Luftpolster komprimiert werden und bei plötzlicher Entspannung zu Druckstößen führen. Nach Füllung des Rohres wird noch rund zwei Stunden gespült, um den Leitungsinhalt noch einmal auszutauschen und Schwebstoffe auszuspülen.

„Zwischendrin“, sagt Yvonne Brichet, „messen wir wiederholt die sogenannten Trübwerte. Erst wenn diese im grünen Bereich sind, lassen wir unser Trinkwasser über den gewohnten Weg nach Frankfurt fließen.“

Dies war am nächsten Morgen um 10.30 Uhr der Fall, also über drei Stunden vor der im Plan vorgesehenen Zeit. Ohne Beeinträchtigung der Wasserversorgung, ohne Pannen, so als sei nichts geschehen anderhalb Meter unter der Erdoberfläche.

Der alte Rohrabschnitt wurde übrigens mit Flüssigbeton gefüllt, damit im Erdreich keine Hohlräume verbleiben, die irgendwann einstürzen könnten. Bauende des gesamten Projekts soll Anfang April sein.

Der Wasserrorhrbruch, der sich am Mittwoch am Nordbahnhof ereignete, forderte ebenfalls die Mitarbeiter der Ovag heraus. Denn an verschiedenen Stellen der Rohrleitung mussten Klappen geschlossen und so der Druck minimiert werden. „Um 2 Uhr nachts hatten wir die Situation im Griff, mussten danach noch das Rohr ausspülen“, erläutert Yvonne Brichet. Dann konnte das wertvolle Gut wieder in Richtung Frankfurt fließen.

(kop,red)

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