Flüchtlinge in Bad Vilbel

Neuer Verein soll helfen

  • Thomas Schwarz
    vonThomas Schwarz
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141 Flüchtlinge leben derzeit in Bad Vilbel. Bis zum Jahresende werden es wahrscheinlich 160 sein. Um über die Situation der Asylbewerber, aber auch der vielen Helfer zu reden, hat die Stadt zu einem Runden Tisch eingeladen. Geplant ist jetzt, einen gemeinnützigen Hilfsverein zu gründen.

Wo sollen die Flüchtlinge unterkommen? Diese Kernfrage stand im Mittelpunkt der Gesprächsrunde, zu der rund 40 ehrenamtliche Helfer, aber auch Vertreter der Stadt, der Kirchen und von Hilfsorganisationen gekommen waren. Sie alle betreuen die derzeit 141 in Bad Vilbel untergebrachten Flüchtlinge. Aus diesem Austausch sind diverse Anregungen, Forderungen und Ideen hervorgegangen, die sowohl Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) wie auch Sozialdezernentin Heike Freund-Hahn (FDP) in die weiteren Überlegungen und Maßnahmen einfließen lassen wollen.

„Wir brauchen dringend Wohnraum für Flüchtlinge“, betonte Stöhr. Bislang hat es die Stadt Bad Vilbel geschafft, die Flüchtlinge zu 99 Prozent in eigenen Liegenschaften unterzubringen. „Lediglich eine Wohnung wurde zusätzlich angemietet.“ Das sei ein großer Erfolg, „zumal wir als Stadt im Ballungsraum auch keine Ausweichflächen wie Kasernen oder leerstehenden Wohnraum haben“.

Gebäude wird umgebaut

Auch schaffe man es zurzeit noch die Flüchtlinge dezentral unterzubringen, doch dies wird angesichts der immensen Zahlen an erwarteten Flüchtlingen immer schwieriger (siehe Info-Box). „Wir sorgen vor, indem wir das ehemalige Gebäude des Hessischen Turnverbands umbauen werden, um dort Flüchtlinge unterzubringen“, berichtete Stöhr und ergänzt, dass die Stadt weitere Unterkünfte in Holzbauweise errichten wird.

Bad Vilbel werde aber auch auf privaten Wohnraum für Flüchtlinge angewiesen sein. „Aber auch Wohnungen für bereits anerkannte Asylbewerber mit Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis werden zur Anmietung gesucht, damit Kapazitäten für neu ankommende Flüchtlinge wieder frei werden. Ich kann nur an alle Vermieter der Stadt Bad Vilbel appellieren, sich zu melden, falls bei ihnen entsprechende Wohnungen leer stehen. Jeder Raum und jedes Zimmer kann uns helfen“, startet der Bürgermeister einen Aufruf.

Die Stadt Bad Vilbel wird zudem im Quellenpark 60 Sozialwohnungen errichten, für die ein Zuschuss beantragt wurde. „Das ist ein gutes Zeichen für den Wohnungsmarkt generell, aber auch und gerade für anerkannte Flüchtlinge. Keine andere Stadt im Wetteraukreis investiert neben der reinen Flüchtlingsunterbringung auch noch so viele Mittel in Sozialwohnungen für alle Bürgerinnen und Bürger“, so Stöhr.

Unterrichtsräume fehlen

Neben der Unterbringungsfrage beschäftigte die ehrenamtlichen Helfer auch die Frage nach Deutschkursen. Diese seien das wichtigste Instrument bei der Integration, waren sich alle Anwesenden einig. Leider verfüge man über keine geeigneten Räume und müsse oft bei den Flüchtlingen zu Hause unterrichten. „Wir verstehen, dass dies kein guter Zustand ist, deshalb werden wir auf die Schulleiter der Bad Vilbeler Schulen zugehen und zusätzlich schauen, inwiefern wir auch Räumlichkeiten in städtischem Eigentum nutzen können“, so Stöhr. Er dankte dem Kinderschutzbund, da eine Vertreterin in der Runde erklärte, dass dessen Räume am Vormittag und am Abend genutzt werden könnten.

Eine konkrete Idee soll bald umgesetzt werden: Ein Flüchtlingshilfeverein. Noch dieses Jahr soll er gegründet und die Gemeinnützigkeit beantragt werden, erklärte Freund-Hahn. Der Verein würde nicht nur die Stadtverwaltung entlasten, sondern könnte auch Spendengelder verwalten – derzeit stehen noch 13 000 Euro bereit, die noch auf einem städtischen Konto liegen.

Innerhalb des Vereins könnten die Helfer aus allen gesellschaftlichen Bereichen auch organisatorische Untergruppen zum Beispiel für Deutschunterricht, Sport oder Arbeitssuche bilden, die so sehr effektiv und strukturiert arbeiten könnten. Indirekt würde sich auch die Stadt einbringen, sagt Freund-Hahn: Sie und auch der Bürgermeister würden Mitglied im Verein werden – als Privatleute.

Wer helfen will und Flüchtlinge betreuen möchte, kann sich jederzeit bei der Koordinatorin in Sachen Flüchtlingsfragen, Susanne Förster, unter Telefon (0 61 01) - 60 22 78 oder über Mail susanne.foerster@bad-vilbel.de melden.

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