Familienvater Kidane und seine beiden Söhne Yafet (10) und Hanibal (5) haben Spaß auf der inzwischen abgebauten Eisbahn. Die Familie ist vor mehr als fünf Jahren aus Eritrea nach Deutschland geflüchtet. Die Flüchtlingshilfe steht ihnen bei der Integration hier zur Seite.

Flüchtlinge

Hilfsverein und Stadt berichten: So ist die aktuelle Flüchtlingssituation in Bad Vilbel

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Vor knapp vier Jahren kamen die ersten Geflüchteten in Bad Vilbel an. Mehr als 400 sind heute bei der Stadt gemeldet, ein Großteil lebt noch immer in den hiesigen Unterkünften. Der Flüchtlingshilfeverein kümmert sich um ihre Integration. Inzwischen gibt es sogar eine gemeinsame, winterliche Tradition.

Familienvater Kidane steht unsicher am Rand der Eisbahn, ihm sind die Kufen unter seinen Füßen nicht ganz geheuer. Während er sich vorsichtshalber an der Seitenbande festhält, sausen seine beiden Söhne Yafet (10) und Hanibal (5) mit ungebremstem Vergnügen über das Eis. Seit 2013 lebt die aus Eritrea stammende Familie in Bad Vilbel – und nimmt gern die Angebote des Flüchtlingshilfevereins an.

Eines dieser Angebote ist – vor wenigen Tagen – der Besuch des Eisspaßes, bei dem auch mancher ehrenamtliche Helfer die Schlittschuhe schnürt, um den Kindern zu zeigen, wie man am besten über das Eis gleitet kann. Denn Vater Kidane traut sich nicht so ganz aufs Eis, ihm ist es zu gefährlich.

Bereits im vierten Jahr in Folge ist der Flüchtlingshilfeverein auf der Eisbahn zu Gast. Da lässt es sich Seniorchef Günter Hinkel vom Hauptsponsor der Attraktion, Hassia, nicht nehmen, selbst vorbei zu schauen. "Wir helfen, wo es geht", erklärt Hinkel und schaut sich aufmerksam um. In der warmen Almhütte wenige Meter entfernt sitzen vor allem die Frauen zusammen und erzählen, während ihre Kleinen herumwuseln und gut gelaunt Kuchen und Brezeln futtern.

Die Beständigkeit, mit der Hassia als ortsansässiger Betrieb dieses Freizeitvergnügen im Winter ermöglicht, freut Myriam Gellert, die Vorstandsvorsitzende der Flüchtlingshilfe. "Wir brauchen solche lockeren Zusammenkünfte und Freizeitaktivitäten, sie machen zwanglose Begegnungen möglich und das ist unglaublich wichtig", sagt sie. Deswegen sei für dieses Jahr auch ein Familienfest im Hof der großen Flüchtlingsunterkunft Parkstraße geplant, dem ehemaligen Rathaus.

Mehrheit in Unterkünfte

Immer noch lebt die Mehrheit der Geflüchteten in den 17 großen und kleinen Gemeinschaftsunterkünften der Stadt. Die ehrenamtlichen Hauspaten der Flüchtlingshilfe gehen dort ein und aus, sind Ansprechpartner für die Dinge des Alltags.

"Wohnen ist ein Riesenproblem", sagt Susanne Förster, zuständige Mitarbeiterin der Stadt, seufzend. Die Mehrheit der Männer und Frauen mit anerkanntem Aufenthaltsstatus würden gern aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen, aber sie finden einfach keine Bleibe. Private Vermieter halten sich zurück und die Wohnungen sind entweder zu teuer oder nicht groß genug für mehrköpfige Familien.

Deswegen ist die Gemeinschaftsunterkunft in der Parkstraße immer noch mit etwa 100 Menschen belegt. In der Huizener Straße wohnen 60 Menschen. Der Rest verteilt sich auf andere Wohnungen, die von der Stadt Bad Vilbel angemietet sind oder zum Wohnungsbestand gehören. Insgesamt sind 425 Flüchtlinge in Bad Vilbel gemeldet. Die Zahl der Zuweisungen hat sich mit zwei bis drei Menschen pro Woche deutlich reduziert.

Fünf Sozialarbeiter kümmern sich um die Belange der Geflüchteten – und haben nach wie vor alle Hände voll zu tun. Förster weist darauf hin, dass es kranke und traumatisierte Flüchtlinge gebe, die Hilfe brauchten. Unterstützung im "Verwaltungskram" benötigten fast alle Erwachsene und auch bei der Jobsuche sei Rat und Hilfe gefragt. "Einfache Tätigkeiten finden sich über Zeitarbeitsverträge und es gibt viele, die arbeiten", sagt Förster, die Respekt hat, vor dem Willen der Geflüchteten, sich eine Tätigkeit zu suchen.

Professioneller geworden

Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und dem Verein läuft gut, beteuern beide Parteien, und das hat viel damit zu tun, dass die Balance zwischen hauptamtlicher Tätigkeit und Ehrenamt stimmt. "Die Betreuung der Flüchtlinge muss von der Stadt als Aufgabe wahrgenommen werden, wir Ehrenamtliche ergänzen sinnvoll die Angebote, greifen Interessen und Bedürfnisse der Flüchtlinge auf und bauen Brücken zur Gesellschaft", erklärt Gellner. Zwischenzeitlich seien über 100 ehrenamtlich Tätige vernetzt und koordiniert worden. Der Verein sei mit den Jahren professioneller geworden, sagt Gellner, und habe mehrere Säulen der Arbeit entwickelt wie etwa den Deutschunterricht und Hausaufgabengruppen, das Fahrradprojekt "Bike Kitchen", die Gesundheitsvorsorge, den Treffpunkt "Café International", die Rechtsberatung und die Wohnungsvermittlung. Wenn möglich soll in Zukunft eine Ausbildung zu Integrationslotsen dazukommen, nach einem Modell des Landes Hessen.

Wer nur Kontakt aufnehmen möchte, obwohl er noch gar nicht weiß, ob und wie viel er helfen kann, ist aber auch willkommen: "Wir freuen uns über jedes neue Gesicht", unterstreicht Gellner und weist auf den offenen Treff "Café International" hin. Der findet wieder am Montag, 11. Februar, um 16 Uhr im Haus der Begegnung statt.

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