Geschäftsmodell

Norbert Ott von Pro Clienta Unfallhilfe unterstützt Unfallopfer

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Wer einen schweren Unfall hat, muss sich um vieles kümmern, aber oft fehlen ein kühler Kopf und Experten, um Recht zu bekommen. Die Beratungsplattform Pro Clienta hat daraus ein expandierendes Geschäftsmodell gemacht – und Klienten den Gang vors Gericht erspart. Nun möchte das familiengeführte Unternehmen bundesweit expandieren und seine Bad Vilbeler Zentrale um das Doppelte ausbauen.

Jeder Anruf eines neuen Klienten sei „voller Unvorhersehbarkeiten, die viel Erfahrung und professionelles Handeln voraussetzen“, sagt Norbert Ott, der gemeinsam mit seiner Frau Susanne die Unfallhilfe Pro Clienta gegründet hat. Denn jedes Mal geht es um einen Schicksalsschlag, der die Betroffenen in manch ausweglose Lagen bringt. Ott weiß aus Erfahrung, wie schnell Versicherung dabei sind, Ansprüche abzuweisen. Kreuze man etwa nicht an, dass man in einer Rechtsschutzversicherung sei, „dann kommen noch zwei Briefe und der Fall ist erledigt“.

Deswegen lautet sein Geschäftsmodel: „Wir bringen unsere Mandanten auf Augenhöhe mit den Versicherungen“, aber auch Berufsgenossenschaften und weiteren Kostenträgern. Die Idee dazu kam Ott vor über 20 Jahren, als er selbst Opfer eines schweren Verkehrsunfalls wurde und anfing, im Krankenhaus seinen Mitpatienten bei deren Schriftwechsel zu helfen.

Die Beratungs- und Hilfsplattform fungiert als Lotse durch den für die Betroffenen undurchsichtigen Dschungel mit einem Netzwerk von Anwälten, Sachverständigen und Ärzten. Acht Unfallmanager und zwanzig freie Mitarbeiter für Spezialgebiete sind in der Zentrale im Massenheimer Gewerbegebiet erreichbar. Dort haben auch Kanzleien, Psychologen, Gutachter, Mediziner und Orthopäden eigene Büros. Nun aber wird es langsam zu eng, die Zeichen stehen auf Expansion.

Das „360-Grad-Konzept“, eine Rundumbetreuung für Prävention, Nachsorge und akute Hilfe soll Vereinen als Service-Leistung für ihre Mitglieder angeboten werden. Das Angebot richtet sich auch an Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Allein im Wetteraukreis wurden in fünf Jahren 10 400 Unfälle bearbeitet. In diesem Jahr habe sich die Auftragslage nochmals um 42 Prozent gesteigert, sagt Ott und freut sich insbesondere über eine rege Mund-zu-Mund-Propaganda: „Jedes zweite Unfallopfer kommt über Weiterempfehlung zu uns.“ Und: Für unverschuldet Betroffene ist die Hilfe kostenfrei.

Darunter sind die unterschiedlichsten Fälle. Eine Frau etwa, die aus sechs Meter Höhe von einem Baum stürzte. Otts Firma half ihr bei der Korrespondenz mit der Unfallversicherung. Die wollte erst nur 14 000 Euro zahlen, am Ende wurden es 97 000 Euro, berichtet Ott. Aber es gibt auch den Fall des Mechanikers aus einem benachbarten Autohaus. Der verdiene nur 1400 Euro für seine Familie, sein Motorroller wurde zum dritten Mal geklaut, berichtet Ott.

Das Gefährt im Wert von 50 Euro wurde von der Polizei in Frankfurt per Abschleppwagen zurückgebracht, der Mann sollte über 400 Euro Abschleppkosten zahlen – und das noch kurz vor Weihnachten. Auch da habe die Pro Clienta Unfallhilfe helfen können.

Mit dem Ausbau will Ott sich Zeit lassen, auch wenn die Baugenehmigung für den Anbau schon steht. Wichtig sei eine sorgfältige Planung, etwa für die IT-Technik. Mit dem Anbau auf einem bisherigen Parkplatz wird die Fläche von 1000 auf 2250 Quadratmeter mehr als verdoppelt. 60 Mitarbeiter sollen eingestellt werden, gesucht seien vor allem über 50-Jährige mit vPro Clienta Unfallhilfeiel Lebenserfahrung, sagt Ott, der selbst 59 Jahre alt ist.

Von 10 000 Fällen seien nur sieben vor Gericht gelandet, wovon fünf gewonnen und zwei mit einem Vergleich beendet werden konnten. Kein Fall ging verloren, freut sich Ott. Damit das auch so bleibt, möchte Ott die Pro Clienta als Familienbetrieb weiterführen. Tochter Hannah studiert Jura und hilft seit zwei Jahren mit. Auch ihre ältere Schwester Nicole, derzeit noch bei einer Bank beschäftigt, könne künftig helfen, Personal aufzubauen. Die Familie ist ihm aber auch deswegen wichtig, weil so garantiert sei, dass neben dem Geschäft auch Werte zählen.

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