Zu schmal, zu voll, zu gefährlich

Im Ortsbeirat machen die Gronauer ihrem Ärger Luft über die Hauptstraße

Eigentlich hätte es beim Ortsbeirat Gronau nur um zwei wegfallende Parkplätze in der Hauptstraße gehen sollen. Doch die Anwohner sehen dort ganz andere, grundsätzlichere

"Tempo 30 ist ja schön und gut, aber es muss eben auch kontrolliert werden", sagte Petra Mattes-Ahäuser aufgebracht. Rund 15 Anwohner der Hauptstraße waren zur Sitzung des Gronauer Ortsbeirates am Mittwochabend gekommen um ihren Frust loszuwerden. Denn die Hauptstraße hat ein Problem: Zu schnelle Autos, zu unübersichtlich.

Besonders Letzteres nervt die Gronauer. "Es gibt wenig Möglichkeiten, entgegenkommenden Fahrzeugen auszuweichen", sagte Ortsvorsteher Karl Peter Schäfer (CDU). Parklücken gibt es an der stark frequentierten Straße wenige.

"Kommt man dann aus Richtung Rendel, wird es oft knapp", so Schäfer. Denn dadurch, dass die Straße nicht gerade ist, lässt sie sich kaum einsehen. "Mir kommt also ein Fahrzeug entgegen und ich habe keine Möglichkeit, auszuweichen", sagte der Ortsvorsteher. "Viele entgegenkommende Fahrer setzen dann ein Stück nach hinten, aber manche bestehen zu 100 Prozent auf ihrer Vorfahrt. Die bleiben dann einfach stehen oder fahren rücksichtslos über den Bordstein."

Daher schlugen CDU und FDP vor, gegenüber der Einmündung der Tränkestraße eine Parklücke zu schaffen, um die Situation zu entschärfen. Manchen Ortsbeiratsmitgliedern ging das nicht weit genug. "Komme ich aus der Tränkestraße und möchte nach rechts abbiegen, habe ich kaum eine Möglichkeit, die Straße einzusehen", meinte Christian Dittmann von den Grünen. "Ich muss mich also langsam auf die Straße hinaustasten. Wieso gibt es da keine Möglichkeit eines Spiegels auf der gegenüberliegenden Seite?"

Doch viele Anwohner sahen ein ganz anderes Ärgernis in der Hauptstraße. "Wir sind seit vielen Jahren leidgeprüft", sagte Mattes-Ahäuser. "Wir haben zwar Bürgersteige, doch die verdienen den Namen nicht, sie sind viel zu schmal."

Senioren mit Rollator gebe es in der der Hauptstraße zwar nur noch wenige, doch bei einer anderen Gruppe wird das zu einem großen Problem: "Wenn die Kinder morgens auf dem Weg zur Schule mit dem Ranzen dort langgehen, ist der Bürgersteig zwischen Hauswand und geparktem Auto an manchen Stellen so schmal, dass diese auf die Fahrbahn ausweichen müssen", sagte Mattes-Ahäuser. "Jedes Mal wenn ich das sehe, bekomme ich Angst, dass irgendwann etwas passiert."

Denn auf der schmalen Straße sind viele Autofahrer trotz Tempo 30 deutlich zu schnell unterwegs. Und so sind die Anwohner oft froh, dass durch die dort abgestellten Autos der Verkehr gedrosselt wird. Wieso hier nicht häufiger kontrolliert wird, kann keiner von ihnen verstehen. "In Karben gibt es überall stationäre Blitzer", sagte Mattes-Ahäuser. "Wieso bekommen wir so etwas nicht?"

Bad Vilbels Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) kennt die Situation auf Gronaus Hauptstraße nur zu gut. "Ich habe selber lange in der Schmiedestraße gewohnt und den Kinderwagen bei Spaziergängen auch die Hauptstraße entlanggeschoben, es ist wirklich eine schlechte Ecke", sagte er.

Doch dass sich hier auf absehbare Zeit viel verändern könnte, wagte er zu bezweifeln. "Blitzer gibt es nur bei Unfallschwerpunkten oder an speziellen Stellen, zum Beispiel vor Schulen oder Altenheimen", sagte der Stadtrat. "All das gibt es hier nicht. Die Straßenverkehrsbehörde und Hessen Mobil würden also der Aufstellung eines Blitzers kaum zustimmen."

Als die Straße Anfang der 2000er Jahre erneuert wurde, sei geprüft worden, was man bautechnisch machen konnte, um die Situation zu entschärfen. "Eine Verschmälerung der Straße war damals einfach nicht zulässig", sagte Ortsvorsteher Schäfer. Auch ein temporäres Durchfahrtsverbot wie man es aus anderen Ortschaften kennt, sei rechtlich nicht umsetzbar gewesen.

Geringen Trost gibt es jedoch: "Wir haben durch Speed Displays dort Messungen durchgeführt, die übrigens mit und ohne Anzeige messen", erklärt Schäfer. "Wenn die Auswertung der Zahlen vorhanden ist, haben wir vielleicht auch mehr in der Hand und können Maßnahmen einleiten."

Einen Hoffnungsschimmer gibt es jedoch für alle Anwohner: Die gesetzlichen Bestimmungen verändern sich. "Vieles, was früher nicht erlaubt war, ist im Umbruch", weiß Wysocki. So sei es zum Beispiel möglich, dass Tempo 30 in 20 Jahren überall innerstädtisch gelte.

"Wir schicken unsere Mitarbeiter auf so viele Fortbildungen wie möglich, dadurch sind wir immer up to date, wenn sich neue Möglichkeiten eröffnen", sagt Wysocki. "Aber das geht leider nicht über Nacht."

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