Hochschul-Standort Bad Vilbel

Parallel jobben und studieren

  • vonDieter Deul
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In wenigen Tagen kommen die ersten 15 Studenten nach Bad Vilbel. Am 5. Oktober startet in den Räumen des Berufsförderungswerkes (BFW) das „Studium plus“-Angebot der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Die dualen Studiengänge werden von Unternehmen finanziert, die die angehenden Betriebswirte und Wirtschaftsingenieure machen nach drei Jahren ihren Bachelor-Abschluss – und arbeiten parallel dazu in den Firmen.

Noch sehen die frisch renovierten Räume im zweiten Stock des BFW-Backsteinflügels verwaist aus. In den künftigen kleinen Hörsälen fehlt noch die traditionelle Schiefertafel. Moderne digitale Whiteboards mögen die Dozenten und Professoren nicht, erzählt Stefan Schreier. Er betreut die Umbauten als Geschäftsführer des „Competence Center Duale Hochschulstudien“.

670 Quadratmeter Fläche wurden in den vergangenen vier Wochen umgebaut – nochmal so viel könnte das BFW ein Stockwerk tiefer für Erweiterungen zur Verfügung stellen, so Hausherr Hartmut Fuchs. Wände und IT-Technik wurden neu gesetzt. Einer der jeweils über 80 Quadratmeter großen Hörsäle ist zugleich Computerraum, die Geräte können aber für Vorlesungen in den Tischen versenkt werden. 150 000 Euro hat der Umbau gekostet, finanziert vom Verein zur Sport- und Kulturförderung in Bad Vilbel, den großteils die Stadtwerke sponsern, wie Stadtrat Klaus Minkel betonte.

Doch das Fach-Uni-Projekt bedarf noch weiterer der Anschubfinanzierung. Deshalb unterzeichneten vor einem halben Jahr auf Initiative des Wetteraukreises auch Energieversorger Ovag und die Sparkasse Oberhessen eine Finanzierungszusage von insgesamt 150 000 Euro auf drei Jahre.

Die Unternehmen, die „ihre“ Studierende zum „Studium plus“ schicken, zahlen pro Kopf und Monat 250 bis 330 Euro, die Studierenden selbst den obligatorischen Semesterbeitrag von 260 Euro. Dafür gibt es auf dem Campus Bad Vilbel zunächst paradiesische Zustände angesichts der überfüllten Unis. 15 Lehrkräfte und Professoren kümmern sich um die 15 Studierenden in 15 Lehrveranstaltungen. Ein sanfter Einstieg, wie ja auch Kitas mit einer Eingewöhnungsphase und wenig Kindern starten.

Firmen als Partner gesucht

Doch in Bad Vilbel, so der verantwortliche Studienleiter Professor Dieter Lorenz, ist Ausbaupotential vorhanden. 100 Studenten in zwei Jahren peilt er an, bei 25 Studiengängen sei die Obergrenze. Derzeit reist er in der Region umher, um weitere Unternehmen für die Ausbildungskooperation zu gewinnen. Dass die „Studium plus“-Teilnehmer auch während ihrer Praxiszeit in den Betrieben von Hochschullehrern betreut werden und, im Gegensatz zu anderen Fachschulen, separat unterrichtet werden, sei ein Alleinstellungsmerkmal.

Schon jetzt sei Studium plus „mit über 600 Firmen das größte Unternehmernetzwerk Hessens“. Er sei „sofort sehr begeistert“ gewesen, betont auch Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU), das duale Studium sei „ein weiterer Standortvorteil“ für die Kommune im Ballungsraum.

Ergänzt um Weiterbildung

Junge Familien, Jugendliche und die Firmen profitierten davon. Gerade die Bildung spiele in Bad Vilbel eine große Rolle. Zu dem Schulzentrum und dem Berufsförderungswerk komme nach der Europäischen Schule nun auch eine Fachhochschule hinzu, erklärt Stöhr. Am Standort Bad Vilbel soll künftig zweigleisig gefahren werden. Zu der einen Säule Studium komme noch die zweite, die Weiterbildung, erläutert der dafür bei der THM zuständige Professor Lorenz.

Das sind berufsbegleitende Module, die in vier Semestern, aber je nach beruflicher Einbindung, auch länger dauern können. Im Angebot sind zunächst Material- und Fertigungstechnologie, Innovationsmanagement und Energieeffizienzmanagement. Dazu kommen Teilnehmer auch aus ganz Deutschland. Gelernt wird in Präsenzwochen, aber auch zu Hause.

Anfang November startet ein zweitägiges Seminar „Industrie 4.0“, dem ebenfalls weitere Angebote folgen. So erweist sich das Bad Vilbeler Konzept als hilfreich für alle Beteiligten.

Das BFW kann seine nicht benötigten Räume nutzen, Stadt und Kreis können ohne ihren klammen Haushalt Investitionen anschieben, die Studenten Mensa und Hotel des BFW mitnutzen – und die Firmen ihre Mitarbeiter zugleich binden und qualifizieren. Denn oft, berichtet Lorenz, verließen fähige Köpfe die Unternehmen, um sich nach den ersten Berufsjahren anderweitig weiterzuqualifizieren.

Weitere Informationen zu dem Angebot der Technischen Hochschule gibt es unter im Internet.

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