Bad Vilbeler Schulleiter

Peter Mayböhm: Ein Schülerversteher verabschiedet sich

  • VonDieter Deul
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Wie Hauptschüler besser gefördert werden können, wie man nach schwerer Krankheit neu durchstartet und was den schottischen mit dem hessischen Humor verbindet - das verrät Peter Mayböhm, Leiter der John-F.-Kennedy-Schule im Gespräch mit Eva Raboldt von der Bürgeraktive.

Das letzte halbe Jahr vor den Sommerferien ist für Peter Mayböhm Entspannung und Abschied zugleich. Zehn Monate hat ihn ein Krebsleiden zum Rückzug gezwungen, doch seit Februar ist er an seiner John-F.-Kennedy-Schule (JFK) zurück. Sein kollegialer bis kumpelhafter, aber stets fürsorglich-fordernder Umgangsstil hat die Haupt- und Realschule stark geprägt - viele Kollegen und ehemalige Schüler sind ins Haus der Begegnung gekommen, um sein Gespräch mit der Bürgeraktive-Koordinatorin Eva Raboldt zu hören.

Locker geht es los, Raboldt spricht ihn auf sein Schottland-Faible an. Mayböhm ergänzt, der schottische Humor habe viel mit dem hessischen gemein: „Man kann über sich selbst lachen, muss niemand bloßstellen“. Es gebe überhaupt keine Hektik – „und das Wetter ist egal“, sagt er und charakterisiert damit auch sein Naturell. Aufgewachsen ist Mayböhm in einem Oberräder Arbeiterhaushalt „ohne alles“: kein eigenes Zimmer, Fernseher, Fahrrad – „und es ging“. Dafür sei er behütet, mit vertrauensvollen Eltern aufgewachsen.

Der Beruf als Hobby

Bis ganz zum Schluss zeigt sich Mayböhm als in sich ruhend, einen offenen Wunsch habe er nicht. Auch deswegen habe er seine Krebserkrankung nicht als schicksalhafte Prüfung gesehen, „das war einfach Pech“. Seit Februar bis Ende Juni ist er noch einmal an seiner JFK. „Ich mach’s als Hobby“, betont er, „ich will es rund machen.“ Danach werde er sich erst einmal an das Nichts tun müssen gewöhnen und sich dann auf den Niddaplatz stellen: „Ich bin wieder verfügbar“. Der Umgang mit Menschen werde ihm fehlen, sagt Mayböhm – aber er will weiter in Bad Vilbel wohnen bleiben.

Das zeigt besonders sein Engagement für die Hauptschüler. Es regt Mayböhm auf, wenn Eltern mit der Hauptschule drohten oder Schüler und Lehrer des Gymnasiums vis-à-vis über sie lästern. Denn die seien keineswegs missratenen Menschen, sondern Schwierigkeiten auf bestimmten Ebenen, etwa einem Fach, „aber die tun was und benehmen sich“.

Es freut Mayböhm, dass die JFK seit zwölf Jahren schaffe, was dem Gymnasium nicht gelinge: einen Golfkurs anzubieten. Und er hat eine Vision, wie seine Schüler künftig besser gefördert werden können: wenn die JFK eine integrative Gesamtschule werde.

Mogelpaket Inklusion

Dann sei es möglich, verschiedene Leistungsebenen zu vereinen. Nachhilfe sei hingegen „rausgeschmissenes Geld, die Kinder setzen das in der Schule nicht um“, ist seine Erfahrung. Heftige Kritik übt er an dem Modell der Inklusion, dass frühere Förderschüler jetzt in den Regelklassen sitzen. Da gehe es zwar um das Menschenrecht der Teilhabe, doch das werde „auf politischer Ebene völlig blauäugig angepackt“, kritisiert er.

Im Gegensatz zur Integration von Schülern ausländischer Familien erfordere Inklusion deutlichen Mehraufwand. Wenn man Schülern drei Mal etwas erkläre, reiche das, ein Inklusionskind „macht nach fünf Mal noch nix“. Wenn es nun bloß drei Stunden Extrabetreuung durch Förderschullehrer gebe, sei das völlig unzureichend. „Was mache ich in der übrigen Zeit mit der Klasse?“.

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