Familienzentren in städtischen Kindergärten

Ein Platz für alle Generationen

  • Thomas Kopp
    VonThomas Kopp
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Angebote für jede Generation gibt es in Familienzentren, von denen zwei konfessionelle in Bad Vilbel existieren. Doch zumindest die SPD will das Konzept auch auf städtische Kindergärten ausweiten. Dazu hat sich der Bad Vilbeler Sozialausschuss mehrere Experten eingeladen. Und die zeigen auf, wie groß die Bandbreite sein kann.

In der Kita der katholischen Sankt-Nikolaus-Gemeinde in der Quellenstraße und der evangelischen Christuskirchengemeinde in der Bergstraße wird mehr geboten als Kinderbetreuung. Sie gehören zu den Familienzentren, in denen es Angebote auch für Eltern und Großeltern gibt. Die reichen vom Deutschkurs bis zur Yogastunde. Doch die finanzielle Ausstattung differiert stark.

So berichtet Christine Herget, Leiterin der katholischen Kita, im Bad Vilbeler Sozialausschuss, dass ihr Familienzentrum zu einem Projekt des Bistums Mainz gehörte, bei dem 13 Kitas zu Familienzentren werden sollten. Das Projekt lief von 2008 bis 2011, das Bistum förderte den Start mit 6000 Euro pro Jahr. Davon bezahlt wurde ein Berater, der das Projekt begleitete.

Danach wandte sich das Zentrum an das Land Hessen, das die Angebote nun mit 12 000 Euro pro Jahr fördert, maximal für fünf Jahre. Danach ist ein neuer Antrag beim zuständigen Regierungspräsidium Kassel nötig. Doch wegen einer Umstellung der Förderrichtlinien kann die Bad Vilbeler Kita diesen Antrag derzeit nicht stellen, sie hängt in der Luft.

Hoher Beratungsbedarf

Hauptamtliche Kräfte sind mit 12 000 Euro Förderung nicht zu bezahlen. Das Geld geht an Trainer und Referenten der Kurse, „doch wir sind sehr stark auf ehrenamtliche Kräfte angewiesen“, schildert Herget und verweist auf ein Angebot, das 48,5 Wochenstunden umfasst. 30 Personen seien dabei eingebunden. Für die Angebote entstehe außerdem ein großer Raumbedarf. „Doch da können wir glücklicherweise auf das Pfarrzentrum zurückgreifen“, schildert Herget.

Für die hauptamtlichen Kräfte entstehe vor allem in der Planungsphase neuer Projekte viel Arbeit. Danach müssten sich die Mitarbeiter weniger darum kümmern. Bei den Familien komme das Angebot aber gut an, der Beratungsbedarf in Erziehungsfragen sei durchaus vorhanden. Auch die Zusammenarbeit mit Schulen, dem Jobcenter, der Flüchtlingshilfe, Musikvereinen und anderen Institutionen läuft gut. So könne ein umfassendes Angebot arrangiert werden.

Auch das Kinder- und Familienzentrum Morgenstern unter Trägerschaft des Caritasverbandes in Frankfurt-Ginnheim hat ein breites Angebot. Doch ist hier die Förderung deutlich höher. Denn die Stadt zahlt ihren Familienzentren 80 000 Euro pro Jahr aus. 13 dieser Einrichtungen unter unterschiedlicher Trägerschaft gibt es in der Mainmetropole. Die haben unterschiedliche Konzepte, beruhen aber alle auf den gleichen Grundkriterien, erläutert Leiterin Angela Obio.

Die Ginnheimer Einrichtung versteht sich als Brücke für das gesamte Quartier, nicht nur für Eltern der 86 hier betreuten Kinder. Dafür gibt es sogar „Kiezläuferinnen“, die sich auf der Straße nach aktuellen Problemen erkundigen. Davon gibt es einige, das Viertel kann als Problemviertel angesehen werden.

Deutliche Unterschiede

Für das Geld leistet sich das Zentrum eine Familienbildnerin, die an 17 Wochenstunden familiäre Probleme im Vorfeld lösen will, um spätere Interventionen zu vermeiden. Weiterhin leitet sie die Angebote.

Erzieherin Lucia Schweitzer verwendet die Hälfte ihrer Vollzeitstelle zudem auf die Koordination der Projekte. Der Einsatz von ehrenamtlichen Kräften hält sich in Grenzen, die insgesamt 27 Mitarbeiter können sich aber freiwillig für die Angebote melden und erhalten dafür einen Arbeitszeit-Ausgleich.

Nicht nur Christine Herget merkt deutliche Unterschiede zwischen den beiden Konzepten an. Auch den Mitgliedern des Ausschusses ist nun klar, was die Stadt leisten müsse, um ein Konzept dieser Art in einem oder mehreren städtischen Kitas anbieten zu können.

Der Bedarf indes sei da. So merkt Michael Wolf (SPD) an, dass wohl 95 Prozent der Eltern ihrer Kinder für hochbegabt hielten. Um sie auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, sei Beratung notwendig. Das gelte für alle Gesellschaftsschichten, nicht nur für Problemfälle. Einen entsprechenden Antrag auf Förderung weiterer Familienzentren in städtischen Kindergärten in Bad Vilbel wird die SPD nun wohl vorbereiten.

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