Platz für Tagespsychiatrie und Flüchtlinge

Ein Platz für Leidgeprüfte

  • vonDieter Deul
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Noch dieses Jahr könnte in den Räumen über dem Kaufhaus Woolworth eine Tagespsychiatrie des Gesundheitszentrums Wetterau (GZW) mit 20 Plätzen einziehen. Auch bis zu zwölf Flüchtlinge können in der jetzt von der Stadt erworbenen Immobilie untergebracht werden.

Dass der Ankauf des Kaufhaus-Gebäudes für 1,95 Millionen Euro (die FNP berichtete) möglich geworden ist, habe mit einer vorausschauenden Stadtentwicklung zu tun, sagt Klaus Minkel, Leiter des Stadtwerke-Eigenbetriebs, der den Umbau übernimmt. Bereits in den 1990er-Jahren habe sich die Stadt für das Areal vom Woolworth bis zum Wasserweg ein Vorkaufsrecht gesichert. „Wir wollten einen Fuß in die Tür bekommen“, um dort neu zu gestalten.

Die Ecke am Südbahnhof sei neben den früheren Arealen um das Alte Rathaus und die Neue Mitte „die am drittschlimmsten verhunzte“, sagt Minkel. Dennoch geht das Ganze zäh vonstatten. So ist die Stadt schon seit zwei Jahren Eigentümer des gelben Hauses, eines Hähnchengrills in der Nähe, aber es fehlen die anschließenden Grundstücke. „Es gibt kaum eine Stadt, wo die Grundstücke so zerschnitten sind wie in Bad Vilbel“, erläutert Minkel: „Sie wurden einfach zu oft geteilt.“

Das neu erworbene Gebäude kann die Stadt jedoch nur zum Teil verplanen. Hauptmieter Woolworth hat einen Mietvertrag, der bis zum Jahr 2040 verlängert werden kann. Dennoch gibt es schon konkrete Pläne.

Die rote Fassade soll komplett erneuert und energetisch saniert werden, kündigt Minkel an. Das Gebäude sei schon über 40 Jahre alt. Besonders die hässliche Rückseite solle wenigstens verschönert werden, wenn schon auf die dortigen Parkplätze nicht verzichtet werden könne.

Dabei gehören zu dem Grundstück Frankfurter Straße 124 noch Parkplätze auf 2000 Quadratmetern – aber nicht am Ort, sondern im Berkersheimer Weg, weit hinter dem Südbahnhof. Warum ausgerechnet dort, „das müssen Sie die Genossen fragen“, verweist Minkel auf die Verantwortung der einstigen SPD-Stadtregierung.

Konkrete Umbaupläne gibt es schon für das knapp 1400 Quadratmeter große Obergeschoss, auf dem aber auch Technik und Lüftungsanlagen den vorhandenen Platz einschränken. Dort soll das Gesundheitszentrum Wetterau eine Tagespsychiatrie für leichte Fälle einrichten können. Für den Umbau sind 1,7 Millionen Euro veranschlagt. „Es ist für die Gesellschaft wichtig, dass Menschen mit psychischen Problemen eine Auffangstation haben, wo sie sich wieder stabilisieren können“, findet Minkel.

Im Dachgeschoss der Immobilie befindet sich auch eine Vier-Zimmer-Wohnung. Auf die hat bereits das städtische Sozialamt ein Auge geworfen. Dort sollen demnächst zehn bis zwölf Flüchtlinge einquartiert werden, kündigt Minkel an.

Auch mit dem Gesundheitszentrum Wetterau sind die Verhandlungen schon fortgeschritten. Es werde bereits angefragt, wie hoch der Landeszuschuss für den Umbau des ersten Geschosses für die Tagesklinik ausfalle, berichtet Minkel: „Ich hoffe sehr, dass es dieses Jahr schon losgeht.“

Man sei noch „im Vorstadium“, merkt Hedwig Rohde an, die Sprecherin des Gesundheitszentrums Wetterau. Allerdings suche das GZW seit geraumer Zeit nach einem weiteren Standort für eine psychiatrische Tagesklinik in der südlichen Wetterau. Zentral wird dieses Angebot seit 2003 in einem Anbau der Friedberger Klinik angeboten. Weitere 20 Plätze wurden vor drei Jahren im ehemaligen Kurmittelhaus in Nidda-Bad Salzhausen geschaffen. Auch die Tagesklinik in Bad Vilbel wäre dann eine Friedberger Außenstelle, betont so Rohde.

Professor Friedrich Grimminger, der GZW-Verantwortliche, sei Befürworter einer wohnortnahen Versorgung, erläutert die Sprecherin. Dies, zumal die Patienten, die die ambulanten Angebote nutzten, oft in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt seien.

Eine Tagesklinik richte sich an Patienten, die etwa bei Depression oder nach einer Suchttherapie keine klinischen, sondern nur begleitende Angebote benötigten. Daher sei auch keine aufwendige technische Ausstattung erforderlich. In Bad Salzhausen etwa wurden Räume für Gesprächs- und Gruppentherapie sowie für Bewegungsangebote geschaffen. Ein Schwerpunkt ist dort die Behandlung von Altersdepression.

Rohde betont, es sei noch kein Mietvertrag unterschrieben, auch wenn der Standort im Woolworth-Gebäude favorisiert werde. Nun gehe es darum, erst einmal in Ruhe ein Nutzungskonzept zu entwerfen, zu sehen, für wen und in welchem Umfang Angebote entstehen sollen. Festgelegt ist bislang nur die Größe der Gruppe mit maximal 20 Personen.

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