Die mögliche Zukunft in Dortelweil: In dieses Gebäude soll die Stadtverwaltung umziehen - wenn alle mitziehen. Archivfotos: Kopp (6), Schwarz (2), Privat
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Die mögliche Zukunft in Dortelweil: In dieses Gebäude soll die Stadtverwaltung umziehen - wenn alle mitziehen. Archivfotos: Kopp (6), Schwarz (2), Privat

Zustimmung für Rathaus-Umzug

Politik zieht an einem Strang

  • Thomas Kopp
    vonThomas Kopp
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Das erste Gipfeltreffen zum Thema-Rathaus-Umzug verlief gut. So gab es dabei zwar kritische Fragen. Doch vom Grundsatz her stehen die Parteien den Plänen der Stadt positiv gegenüber.

Einen guten Schritt weiter sind Bürgermeister Thomas Stöhr und Stadtrat und Stadtwerke-Werksleiter Klaus Minkel (CDU) mit ihren Plänen, die Stadtverwaltung in das Wüstenrot-Gebäude am Sonnenplatz in Dortelweil umziehen zu lassen. Dort ist geplant, das Gebäude – inzwischen für die reduzierte Personalstärke beim Unternehmen viel zu groß – für rund acht Millionen Euro zu übernehmen (die FNP berichtete).

Doch Stöhr und Minkel wollen einen möglichst breiten Konsens aller politisch Beteiligten. Den könnten sie nach einem ersten Gespräch auch erreichen. In der kommenden Woche steht die Besichtigung des Wüstenrot-Gebäudes an. Anschließend wollen die Fraktionen intern beraten.

CDU-Fraktionschefin Irene Utter kommt zu dem Fazit, dass dieses Angebot als so günstig wie nie zuvor zu bezeichnen sei. Ein neues Rathaus würde man für den genannten Preis von acht Millionen Euro inklusive Grundstück nie bekommen. Vor allem hätten sich alle Fraktionen noch einmal ein Bild vom maroden Zustand des jetzigen Rathauses machen können. Viele Fragen hätten geklärt werden können, offen seien vor allem Details. So etwa, ob das geplante Bürgerbüro im Kurhaus per Rampe oder Lift mit einem barrierefreien Zugang ausgestattet werden könne. Auch ginge es ihr um Zusatzkosten für eine neue Telefonanlage und die Möglichkeit, die nicht von der Stadt benötigten Trakte im Wüstenrot-Gebäude vermieten zu können.

Als „vierblättriges Kleeblatt“ bezeichnete Jörg-Uwe Hahn (FDP) die Möglichkeit. „Wir könnten endlich an einem Ort, barrierefrei und mitarbeiterfreundlich unser Rathaus einrichten. Wir können zum zweiten die Wüstenrot in Bad Vilbel halten. Zum dritten kann durch den Umzug der Bankmitarbeiter in eine Immobilien der Stadtwerke diese viel besser ausgelastet werden. Und für uns Freie Demokraten hat das vierte Blatt, zusätzlich kurzfristig zu schaffende

Räume für Flüchtlinge

, ein ganz besonderes Gewicht.“

Die Flüchtlinge sollen in das jetzige Sozialamt kommen, das jetzige Rathaus soll nach den Vorstellungen Stöhrs verkauft werden. Für Hahn essentiell ist aber auch die Planung des Bürgerbüros in der Kernstadt.

Sehr zufrieden zeigten sich auch die Freien Wähler Raimo Biere und Fritz Worster. Sie fühlen sich in ihrer positiven Einschätzung bestätigt und loben vor allem die offene und frühzeitige Informationspolitik, die bereits jetzt viele Fakten beinhalte. Dies sei in der Vergangenheit nicht immer so gewesen. „Ebenfalls erfreulich ist, dass auch die Vertreter der anderen Fraktionen, teilweise noch unter Vorbehalt der Klärung innerhalb ihrer Fraktionen, eine mögliche Zustimmung signalisierten“, schildert Biere. Fraktionschef Martin Gecks sähe es als großes Zeichen, wenn alle Fraktionen diesen Beschluss einstimmig im Parlament verabschieden würden. „Nach allen bisher uns vorliegenden Informationen werden wir dem Projekt sicherlich unsere Zustimmung geben.“

Auch der SPD-Parteichef und designierte Bürgermeisterkandidat Rainer Fich spricht von einer „so attraktiven Idee, dass sie in alle Ruhe geprüft werden muss“. Doch auch er strahlt Zuversicht aus.

Für die SPD stellten sich noch ein paar Fragen. Wichtig sei der Verbleib des Bürgerbüros in der Stadtmitte. Doch auch die Frage, ob der Eigenbetrieb Stadtwerke dies neben dem Kobibad, Woolworth und den laufenden Immobilien mit teilweise Leerständen noch stemmen könne. So hätten die Stadtwerke zur Gewinnausschüttung an die Stadt bereits in den vergangenen Jahren auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen. Außerdem müssten weitere Kosten für den Umzug, die IT-Anlagen und den Umbau des Kurhauses betrachtet werden. „Wir treffen uns direkt im Anschluss an die Wüstenrot-Besichtigung am kommenden Montag zur Fraktionssitzung und werden unser Meinungsbild abschließen“, sagt Fich. Noch sei unklar, wann das Parlament entscheiden soll. Doch es könne gut sein, dass der Antrag bereits in der Sitzung im Juli vorliegen werde.

„Eine Menge Synergieeffekte“ verspricht sich auch Grünen-Fraktionschef Manfred Kissing von dem Umzug. Für die Beschäftigen sei das sicher eine gute Sache. Doch auch er hält daran fest, dass das Bürgerbüro in der Stadtmitte erreichbar sein müsse. Seine Partei will sich noch einmal nach der Besichtigung am Montag an die Öffentlichkeit wenden.

Christopher Mallmann von der Neuen Fraktion hat ebenfalls einen guten Eindruck. Im Gespräch am Montag habe sich bestätigt, was auch vorab schon kommuniziert worden sei. Vor allem die Ausstattung des Wüstenrot-Gebäudes mit Photovoltaik und Blockheizkraftwerk fiel ihm positiv auf. Hier agiere die Stadt ansonsten zurückhaltend, diesmal sei alles schon vorhanden. Doch auch er hat noch Klärungsbedarf. So fragt er noch nach der Querfinanzierung zwischen Stadtwerken und der Stadt. Hier will er genaue Details wissen. „Dieses Projekt darf nicht zulasten der Bürger gehen“, sagt er.

Nach FNP-Informationen besichtigten Vertreter von Wüstenrot und der Stadt Bad Vilbel am Dienstag die möglichen neuen Räume im Bürogebäude II der Stadtwerke. Innerhalb der nächsten zwei Wochen will das Bausparunternehmen den Stadtwerken seinen konkreten Platzbedarf für die rund 140 Mitarbeiter mitteilen. Sie sollen alle auf einer Etage untergebracht werden. Laut Stadtwerke-Leiter und Stadtrat Minkel werde ein Fünfjahresmietvertrag angestrebt. Über die Höhe der Quadratmetermiete sei man sich bereits mit Wüstenrot einig geworden. Über konkrete Summen machte Minkel keine Angaben.

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