Stadtparlament stimmt Verkauf großer Gewerbeflächen zu

Quellenpark: Silicon Vilbel kommt in mini

  • Thomas Kopp
    VonThomas Kopp
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Langer Atem scheint sich für Jörg Peter Schultheis bezahlt zu machen. Der Bad Homburger hatte vor gut zwei Jahren mit seiner Idee eines „Silicon Vilbel“ für Furore gesorgt. Nun scheint er zumindest mit einer abgespeckten Variante doch noch im Quellenpark zum Zuge zu kommen. Auch wenn einige Parlamentarier mit der Entscheidung pro Verkauf Bauchschmerzen haben.

Im jüngsten Grundstücksgeschäft im Bad Vilbeler Quellenpark, das Stadtrat und Stadtwerke-Betriebsleiter Klaus Minkel (CDU) eingefädelt hat, geht es um die letzten derzeit verfügbaren Flächen in diesem riesigen Areal zwischen dem Bahnhof und dem Bauzentrum Maeusel. Rund 90 000 Quadratmeter sollen hier an den Mann gebracht werden. Unklar ist allerdings weiterhin, ob das Möbelhaus Segmüller überhaupt noch seine Option ziehen wird, dann müsste Minkel noch einmal auf dem Markt tätig werden.

Jörg Peter Schultheis wollte einst aber noch mehr Flächen erwerben. Vor gut zwei Jahren ging es um 280 000 Quadratmeter – also die dreifache Größe –, die er zu einem Wohn- und Arbeitsviertel für junge innovative Start-up-Unternehmen machen wollte. Davon musste er allerdings Abstand nehmen, eine Milliarde Euro als Kaufpreis schienen eine Nummer zu groß für ihn gewesen zu sein. Doch seine Kernidee scheint erhalten geblieben zu sein. Und er hat Investoren gefunden.

Denn hinter der jüngsten Offerte stehen die CESA-Investmentgruppe aus Berlin. Der Projektentwickler arbeitet laut Minkel dabei mit dem Geld von Family Offices, die sich um die Verwaltung privater Großvermögen kümmern. „Dahinter stehen sehr bekannte Familien, die jetzt noch nicht näher genannt werden sollten“, führt Minkel dazu im Bad Vilbeler Stadtparlament am Dienstag aus.

Keine 08/15-Bauten

Deswegen war das Angebot im Haupt- und Finanzausschuss in der vergangenen Woche auch noch hinter verschlossenen Türen behandelt worden. Wie im Parlament herauszuhören ist, wurden dort zahlreiche Fragen gestellt, aber nicht alle zur Zufriedenheit vor allem der SPD und der Grünen beantwortet. Unklar ist vor allem die genaue Ausrichtung des Vorhabens, moniert etwa Christian Kühl (SPD). Denn wie Minkel zuvor erläutert, gibt es von potenziellen Nutzern bislang nur Absichtserklärungen, keine konkreten Zusagen.

Doch fest steht laut Minkel, dass nach Ablauf der ersten Rücktrittsfrist zum 31. August der Bebauungsplan für das Gebiet geändert werden müsse. Doch etwas lässt Minkel dann doch noch verlauten: „Es handelt sich um eine Planung hoher Qualität, nicht um 08/15-Bauten.“ Geändert werden müsse etwa deswegen, weil eine Art Arbeits-Campus entstehen solle, mit verkehrsberuhigten Straßen. Der Verkehr müsse deswegen auch teils umgeleitet werden. „Nach dem 31. August brauchen wir etwa ein Jahr für die Umplanung“, schildert Minkel.

Zu verschmerzen ist dieses Entgegenkommen aber wohl durch den Verkaufspreis. Denn für das Gewerbegebiet fallen rund 300 Euro pro Quadratmeter an. Rund 26 Millionen Euro winken, falls die komplette Fläche über den Tisch geht. 50 000 Quadratmeter sollen für 15 Millionen Euro sofort gekauft werden. Weitere gut 37 000 Quadratmeter werden bis Ende des Jahres vorgehalten. „Wir können nichts verlieren, kommt das Geschäft nicht zustande, behalten wir eine Anzahlung als Ausgleich für unsere Kosten“, fasst Minkel zusammen.

Die große Chance sehe auch die SPD, trotzdem könne sie nicht zustimmen. Christian Kühl: „Wir wissen nicht genau, an wen wir verkaufen und was geplant ist.“ Doch ein noch größeres Problem habe die SPD mit Vermittler Schultheis, der bereits mehrfach gescheitert sei.

Hohe Provision

Walter Lochmann von der SPD stimmt zu: „Die Information ist mehr als unzureichend. Vielleicht geht das Ganze gut aus, aber so können wir nicht zustimmen.“ Die Grünen, die ebenfalls im Ausschuss vergangener Woche gegen das Projekt stimmten, sehen dies anders. Jens Matthias: „Wir sehen die Chancen, auch wenn nicht genau skizziert ist, was hier passiert.“ So stimmt am Ende nur die SPD dagegen.

An den ausführenden Unternehmen sei nichts zu mäkeln, befindet Raimo Biere (Freie Wähler), allenfalls am Vermittler. Für Jörg Peter Schultheis könnte sich sein langer Atem dann ja noch lohnen. Kommt der Verkauf komplett zustande, winken ihm drei Prozent des Verkaufspreises – das sind immerhin 780 000 Euro.

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