Bad Homburger Investor

Im Quellenpark: "Silicon Vilbel" soll für 1 Milliarde entstehen

  • Thomas Kopp
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Jörg-Peter Schultheis hat eine große Vision, und die soll im Bad Vilbeler Quellenpark Realität werden. Entstehen soll dort das „Silicon Valley of Europe“, auf 28 Hektar Fläche sollen sich hier

Jörg-Peter Schultheis hat eine große Vision, und die soll im Bad Vilbeler Quellenpark Realität werden. Entstehen soll dort das „Silicon Valley of Europe“, auf 28 Hektar Fläche sollen sich hier Start-up-Unternehmen einrichten, deren Betreiber auch hier wohnen. Schultheis’ Unternehmen Alpha Unison mit Sitz in Bad Homburg soll die Voraussetzungen schaffen. Laut Rhein-Main-Zeitung (Mittwoch) betreibt Schultheis auch einen Friseursalon in Oberursel.

Das Konzept vereine „die Symbiose zwischen modernem Leben und Arbeiten“. So verfüge der emissionsfreie Campus etwa über eine Vakuum-Müllentsorgung, die die klassische Abholung überflüssig mache. Das äußerst ehrgeizige Projekt würde rund eine Milliarde Euro kosten und soll – wie Schultheis dem IT-Finanzmagazin schilderte – zur Hälfte von fünf Großinvestoren getragen und zur anderen Hälfte über Kredite finanziert werden. Schon 2019 sollen Mieter einziehen.

Bereits in diesem Jahr sollen die Grundstücke erworben werden, der Baubeginn sei für kommendes Jahr vorgesehen und nehme drei Jahre in Anspruch. Für den Start-up-Campus ist jene Fläche des Quellenparks vorgesehen, die sich direkt jenseits des Bahnhofs anschließt.

Geschichte schreiben

Dort, wo bereits der Deal mit einem chinesischen Großhandelszentrum gescheitert war (die FNP berichtete). „Die Chinesen hätten dort einen Industriepark errichtet, in dem Klim-Bim-Waren hergestellt worden wären. Ich möchte einen innovativen Campus ohne Verdichtung und mit großer Ausstrahlkraft schaffen“, sagt der 50-jährige Schultheis, der selbst Unternehmen fördert und Grundstücke entwickelt.

Schultheis sieht das neue Technologie-und-Wohnen-Zentrum nicht nur auf Augenhöhe mit dem Silicon Valley in Kalifornien, es werde auch moderner als etwa der Google-Campus in Palo Alto und sei vergleichbar mit der London Techspace der Old Street und den Hightech-Parks in Hongkong und Shanghai.

Um die eine Milliarde an Kosten zusammenzubekommen, waren ursprünglich zehn Investoren geplant, die jeweils 100 Millionen Euro beisteuern sollten. Interessenten gebe es, Namen könne man derzeit aber noch nicht nennen. Er verhandle mit jedem, „der hier europäische Geschichte schreiben will“. Seitens der Projektentwickler stünde alles bereit, „die Finanzierung wird spannend“.

Der Rest des Investments würde über klassische Finanzierung mit derzeit günstigen Konditionen um 1,2 bis 1,5 Prozent gestemmt, Geld sei reichlich im Rhein-Main-Gebiet vorhanden. Als Mieter für die unterschiedlichen Areale seien bereits Absichtsbekundungen für 70 000 bis 170 000 Quadratmeter abgegeben worden. 10 000 Menschen sollen hier später wohnen und arbeiten.

Main Incubator, eine GmbH unter Beteiligung der Commerzbank, soll ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Das Unternehmen unterstützt innovative Firmen in ihrer Entstehungsphase. Dieses neue Konzept soll in Bad Vilbel einfließen, nach amerikanischen Maßstäben. Denn bislang seien Jungunternehmer mit 50 000 Euro gefördert worden, hier sollen sie mit einer Million Startkapital gleich in die Vollen gehen können. Und auch entsprechende Unterstützung erhalten, um sich am Markt zu etablieren.

In Bad Vilbel ist man an der Idee interessiert, aber vorsichtig: „Kein Interessent oder Makler, der einen vernünftigen Vorschlag bringt, wird kategorisch abgewiesen. Die Idee, mit modernen Medien und IT Arbeitsplätze zu schaffen und Unternehmensgründungen zu ermöglichen, ist ja ganz interessant. Entscheidend ist, ob ein ausgearbeitetes Konzept dahinter steht und ob auch eine schlüssige Finanzierung vorgelegt werden kann“, argumentiert Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU).

Bürgermeister wartet ab

Stöhr weiter: „In dieser frühen Phase befindet sich der eine oder andere Interessent und versucht, Partner für seine Idee zu finden, was ja nicht verboten ist. Sollten hier beurteilungsfähige und ausgereifte Unterlagen vorliegen, wird es, wie auch schon in anderen Fällen (China, Segmüller) geschehen, vorgestellt und öffentlich unter anderem in den Gremien diskutiert.“

Dass man sich nicht euphorisch aus dem Fenster lehnt, dafür hat Schultheis Verständnis. „Ich akzeptiere die Spielregeln der Politik und dass man sich hier noch nicht klarer bekennt.“ Später werde man vom „geilsten Projekt des Jahrhunderts“ sprechen. Schultheis jedenfalls ist zuversichtlich.

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