ADFC-Fahrradklimatest

Radfahrer rollen oft im Abseits

  • VonDieter Deul
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Bei der bundesweiten Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) landete Bad Vilbel mit einer Gesamtwertung von 4,0 (Vergleichsjahr 2012: 4,15) erneut auf den hinteren Rängen der fahrradfreundlichsten Städte. 119 Bad Vilbeler hatten teilgenommen. Karben rangiert mit einer Note von 3,5 (Vergleichsjahr 3,7) im guten Mittelfeld, Nidderau ist mit der Note 3,78 ebenfalls vor Bad Vilbel. Dort sind etliche Aktivitäten geplant, um das Radeln attraktiver zu machen.

Es habe in Bad Vilbel zwar einige Fortschritte gegeben, dennoch finde Politik für Radfahrer dort weiterhin nur statt, „wenn nichts anderes zu tun ist und man zufällig Geld gefunden hat“, bedauert der städtische Radverkehrsbeauftragte und ADFC-Vorstandsvize Joachim Brendel. Es fehle eine langfristige Planung, die dem Rad einen Stellenwert in der Stadtplanung gebe. So werde seit vielen Jahren über den Ausbau der Radverbindung nach Dortelweil diskutiert.

Das Teilstück zwischen Dortelweil und der Bad Vilbeler Burg sei, so bekundeten Umfrageteilnehmer, sogar das schlechteste auf dem gesamten Nidda-Weg zwischen Quelle und Mündung. Außerhalb der Kernstadt sei der Weg in einem erbärmlichen Zustand, weil er im Hinblick auf eine geplante, aber bisher immer wieder verschobene Totalsanierung seit Jahren nicht mehr gepflegt werde, so Brendel.

Brendel hofft auf den Wetteraukreis, der mit seinem Projekt „kurze Wetterau“ die Route von der Region nach Frankfurt ausbauen will, speziell die unwegsame Verbindung von Dortelweil nach Karben, „vielleicht in den nächsten fünf Jahren“. Weitere Anbindungen, etwa nach Bergen-Enkheim, der Hohen Straße, seien „sehr langfristig angelegte Projekte“.

Planung gefordert

Dass die Bibliotheksbrücke jetzt für Radfahrer gesperrt werde, zeige eine Fehlplanung. Doch auch kleine Fortschritte wie das Vorhaben, Radstellplätze an der Alten Mühle zu bauen, sei gescheitert, weil die CDU dem Antragssteller Neue Fraktion übelgenommen habe, dass gleichzeitig das Gegen-die-Einbahn-Radeln in der Frankfurter Straße gefordert worden sei. Eine solche Politik sei „Kindergarten“, das ergebe „ein frustrierendes Gesamtbild“.

Der Radverkehr habe in der Stadtplanung keinen Stellenwert, sei nicht im Leitbild verankert, moniert Brendel. Das sei problematisch, weil sich in Bad Vilbel der Verkehr zunehmend verdichte, in der Innenstadt, aber auch auf dem Heilsberg. Auch für die Wohnbebauung des Quellenparks vermisst er eine Radwegeplanung, zumal die Schulweg-Route über die Landschaftsbrücke mitten durch das Gebiet verläuft. Es dürfe nicht sein, dass sie dorthin verlegt werde, wo nach den Wünschen der Investoren „noch zufällig Platz bleibt“. Immerhin: Bei den neuen Drei Kreiseln an der Homburger Straße wurde bereits ein sehr breiter Rad- und Fußweg angelegt.

In der Umfrage gab es auch Kritik wegen Konflikten auf dem Niddaradweg entlang des Kurparks. Der Nidda-Uferweg auf Höhe des Hallenschwimmbads weist eine sehr breite Radspur auf. Diese wird zwangsläufig auch von Fußgängern mitgenutzt, weil der für die Fußgänger direkt daneben vorgesehene Streifen mit 80 Zentimeter Breite extrem schmal bemessen ist. Fußgänger gingen in Gruppen über die ganze Wegesbreite, stöben in beide Richtungen zur Seite, wenn Radler klingelten, monierte ein Umfrageteilnehmer. Das schaffe nicht immer Platz. Wenn dann Radfahrer aus der anderen Richtung auch klingelten, gerieten die Fußgänger in Stress. Ein Teilnehmer monierte, dass Fußgänger, Radler und Autofahrer an den vielen Kreiseln zu wenig Zeichen gäben, was zu gefährlichen Ratespielen führe.

„Das Bad Vilbeler Fahrradklima ist leider im wahrsten Sinne des Wortes durch Stress geprägt“, bilanziert Brendel. Konflikte sowohl mit Autofahrern als auch mit Fußgängern spielten in den Kommentaren der Umfrageteilnehmer immer wieder eine Rolle. Die zunehmende Freigabe von Fahrbahnen für den Radverkehr wird grundsätzlich positiv gesehen. Die gleichzeitige Freigabe der Bürgersteige lädt allerdings viele Autofahrer weiterhin dazu ein, die Radler von der Fahrbahn wegzudrängen. Auch ermuntert sie so manche Radler, den Bordstein auch dort zu nutzen, wo das nicht vorgesehen ist.

Frankfurter freigeben

„Zwar wurde die Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit der Note von 2,7 also eher positiv bewertet“, sagt Brendel. Gleichwohl dominierten bei den Freitextantworten auf die Umfrage mit zwölf Nennungen die Forderungen nach einer Freigabe der Frankfurter Straße für Radfahrer in Gegenrichtung stärker als beim Klimatest 2012.

„Schon mit kleineren Maßnahmen ließe sich die Situation deutlich verbessern, zum Beispiel durch für Radfahrer geöffnete Einbahnstraßen und klarere Markierungen“, bilanziert Brendel. Er fordert: „Wenn Bad Vilbel will, dass mehr Menschen aufs Rad steigen und damit Gutes für ihre Gesundheit und die Stadt tun, dann muss endlich mehr gehandelt werden“. In regelmäßigen Gesprächen mit der Verwaltung seien zahlreiche konkrete Projekte detailliert diskutiert worden, sagt Brendel: „Doch es geht vieles kaum voran, da die städtischen Prioritäten meist anders gesetzt werden, so dass manch gute Idee in den Schubladen verstaubt.“

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