Was für die jungen Flüchtlinge im Fahrradladen noch unerschwinglich ist, bietet der Fahrradbasar zu Schnäppchenpreisen oder als Spende an.
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Was für die jungen Flüchtlinge im Fahrradladen noch unerschwinglich ist, bietet der Fahrradbasar zu Schnäppchenpreisen oder als Spende an.

Bad Vilbeler Velo-Basar

Räder helfen, heimisch zu werden

Wetterfeste Kleidung und Regenschirme gehören beim ersten Bad Vilbeler Fahrradbasar der Flüchtlingshilfe und des Ortsvereins des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) am Samstagvormittag mit zur Ausrüstung. Trotz der kalten Regenschauer nutzen viele Vilbeler und junge Flüchtlinge das Angebot auf dem Vorplatz des Kurhauses.

Von KURT SÄNGER

Etwa 70 Fahrräder, so schätzt Klaus-Peter Armbrust vom ADFC, haben bereits gegen Mittag neue Besitzer gefunden. Vor allem zeigen junge Flüchtlinge an den gebrauchten Fahrrädern großes Interesse.

Aber nicht nur große Fahrräder stehen zu Schnäppchenpreisen im Angebot. Auch Kinderfahrräder zwischen fünf und 20 Euro oder Tretroller, gar ein Einrad, suchen neue Besitzer. Die Preise der Fahrräder sind moderat und teilweise als Verhandlungsbasis zwischen 40 und 80 Euro von den Besitzern festgesetzt. Dazwischen gibt es Fahrräder als Spende zu „Null Euro“ zu erwerben, die besonders bei den Flüchtlingen begehrt sind.

Mountainbikes mit edlem Alu-Rahmen sind der Renner, Tourenräder und sportliche Rennräder wecken das Kaufinteresse der Schnäppchenjäger. Am Rande des ADFC-Standes werden Ersatzteile feilgeboten, feilschen Interessenten um günstige Kettenritzel und Zubehörteile.

Der Besitz eines Fahrrades „ist für die Mobilität der Flüchtlinge wichtig“, sagt Matthias Rind vom Verein „Flüchtlingshilfe – willkommen in Bad Vilbel“. Neben der Erkundung des nahes Umfeldes in der Stadt könnten mit Hilfe der Velos auch die Wege zu Behörden einfacher werden. „Für viele ist die Fahrt mit dem öffentlichen Personennahverkehr derzeit leider zu teuer“, erklärt Rind.

Darüber hinaus bedeute der Besitz eines Fahrrades zugleich einen weiteren Schritt zur Integration – und besonders, die Verkehrssituation und Regeln kennenzulernen. Ein Problem, auf das Judith Hartweg am Rande des Basars aufmerksam macht.

Die Oberkommissarin bei der Bad Vilbeler Polizeistation schildert die Schwierigkeiten der Flüchtlinge, deren „Verkehrserfahrungen in ihren Heimatländern mit den Verkehrsverhältnissen beispielsweise auf der Frankfurter Straße nicht identisch sind“.

„Die meisten Flüchtlinge sind am Anfang definitiv nicht geeignet, ohne Kursus und Sicherheitstraining am Straßenverkehr teilzunehmen“, hebt Hartweg hervor. „Sie sind teilweise mit unseren Verkehrsregeln überfordert.“

Neben Sprachkursen müssten ebenso vermehrt Verkehrskurse angeboten werden. Hartweg denkt dabei an Kurse der Verkehrserziehung, wie sie Grundschülern angeboten werden. Die elementaren Verkehrsregeln „müssen noch erworben werden“.

Hinzu komme noch die technische Verkehrssicherheit der Fahrräder. „Defekte Bremsen oder fehlendes Licht – das geht nicht.“ Denn bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung „gibt es seitens der Polizei keinen Rabatt für Flüchtlinge“, sagt die Kommissarin. Bei geringen Bagatellen und Ordnungswidrigkeiten werde jedoch das einzelne Ermessen des Beamten zugrunde gelegt, „was für jedermann gilt“.

Diese Probleme sind auch den Flüchtlingshelfern bekannt. „Wir geben eine mehrsprachige Broschüre mit den Grundregeln an die Hand“, sagt Rind, der eine Sammelstelle mit gespendeten Fahrrädern an der Christuskirchengemeinde betreut.

Aber nicht nur müssten die Verkehrsregeln bekannt sein. Der technische Zustand der Fahrräder selbst stehe auf dem Prüfstand, betont Rind. „Wir nehmen keine Fahrradspenden an, die sich als Schrott erweisen und über die Sammelstelle entsorgt werden müssen.“

Eine Prüfung der Verkehrssicherheit der Fahrräder liegt indessen beim Basar Samstagvormittag bei den Anbietern und Käufern. „Das geht hier von Privat an Privat“, sagt Armbrust vom ADFC. „Wir bieten nur die Plattform an.“

Für den Auftakt „eine gelungene Idee“, sagt ein Vater von zwei Grundschulkindern. Längst seien die ersten Fahrräder zu klein, „aber noch intakt.“ So bietet der Fahrradbasar die Gelegenheit an, gebrauchte Fahrräder für einen geringen Betrag abzugeben oder entsprechend neue zu erwerben. Für Familien mit schmalem Budget eine „echte Alternative“. Nun prüfen die Veranstalter, ob und wann ein weiterer Basar stattfinden kann.

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